Laut Branchenverband bdew ist der durchschnittliche Strompreis für Haushalte Anfang 2023 um 20 Prozent höher als im zweiten Halbjahr 2022. Er beträgt nun durchschnittlich 48,12 ct/kWh (s. Grafik). Zwar deckelt die Strompreisbremse derzeit auf 40 ct/kWh für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs, dennoch sind Preissteigerungen spürbar. In besonderem Maße betroffen sind Fahrer von Elektroautos (EV), da sie einen hohen Stromverbrauch haben. Für sie ist nicht nur das Laden zuhause teurer geworden. An öffentlichen Ladesäulen beträgt der Kilowattstundenpreis mittlerweile zwischen 35 und 45 Cent (Normalladesäulen) bzw. zwischen 50 und 70 Cent (Schnelladesäulen) laut Vergleichsportal Verivox (Link zur Quelle).
Gesetz ‚Neustart der Digitalisierung und Energiewende‘ will mit dynamischen Stromtarifen entlasten
Um Verbraucher und auch EV-Fahrer zu entlasten, wird derzeit im Bundestag über den Gesetzesentwurf ‚Neustart der Digitalisierung und Energiewende‘ beraten. Er sieht unter anderem die Einführung dynamischer Stromtarife vor. Sie sollen Verbrauchern Einsparungen ermöglichen und Anreize setzen, den Strombezug in kostengünstigere Zeiten mit hoher Erzeugung erneuerbarer Energien zu verlagern. Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. begrüßt in seiner Stellungnahme vom 27.01.2023 die Einführung dynamischer Stromtarife. Dort heißt es, dass es ‚Verbraucher:innen möglich sein muss, mit Hilfe dynamischer Tarife ihren Stromverbrauch anzupassen und gleichzeitig von geringeren Strompreisen zu profitieren`.
Hintergrund ist: Bislang beziehen Verbraucher und EV-Fahrer zum immer gleichhohen Fixpreis Strom. Dynamische Stromtarife spiegeln hingegen die aktuelle Marktsituation; also das Verhältnis von Angebot und Nachfrage sowie die Verfügbarkeit von günstigerem Grünstrom im Tagesverlauf. Auf diese Weise ist es Verbrauchern möglich, durch zeitliche Verlagerung des Stromkonsums gezielt von Niedrigpreisphasen und günstigerem Grünstrom zu profitieren. Dynamische Stromtarife bieten nicht nur Preisvorteile; sie fördern insbesondere die Nutzung erneuerbarer Energien. Derzeit werden nämlich lediglich 19,2 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien gedeckt, obwohl ihr Anteil an der erzeugten Strommenge 47 Prozent beträgt. D.h. es wird mehr erneuerbare Energie erzeugt als verbraucht.
Erste dynamische Haushaltsstromtarife und Ladetarife für EV-Fahrer bereits verfügbar
Dynamische Stromtarife können Stromkosten senken und sind wichtiger Bestandteil der Energiewende. Die ersten dynamischen Stromtarife gibt es bereits, u.a. beim Hamburger Anbieter Rabot Charge. Das Unternehmen bietet dynamische Haushaltstarife und Ladestromtarife für EV-Fahrer. Die Preise basieren auf aktuellen Strompreisen des Intraday- oder Day-Ahead-Handels. In diesen kurzfristigen Strommärkten sinken die Beschaffungspreise regelmäßig unter die durchschnittlichen Beschaffungspreise (s.o. Grafik), die in fixen Tarifen enthalten sind. Die Energy Charts (s. Link unten) des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE* zeigen, dass die Beschaffungspreise an den Börsen vergangenes Jahr regelmäßig bei 10 Cent pro Kilowatt, teilweise sogar darunter lagen. Zum Vergleich: Laut bdew mussten Verbraucher im Jahr 2022 20,64 bzw. 14,40 Cent pro Kilowatt bezahlen (vgl. Grafik oben vom bdew).
Kompliziert ist das Laden mit dynamischen Strompreisen nicht. Bei Rabot Charge müssen Kunden die Entwicklung der Börsenstrompreise nicht überwachen, das übernimmt ein Algorithmus. Dieser startet automatisiert den Ladevorgang, sobald günstigere Börsenstrompreise verfügbar sind, was regelmäßig im Tagesverlauf der Fall ist. Nutzer verbinden hierfür ihr EV mit der Rabot Charge App und definieren ein Zeitfenster, in welchem geladen werden kann; z.B. zwischen ein Uhr nachts und fünf Uhr morgens. Das Einsparpotenzial für EV-Fahrer beträgt laut Rabot Charge mehrere Hundert Euro im Jahr.
*https://www.energy-charts.info/charts/price_spot_market/chart.htm?l=de&c=DE&interval=year&year=2022
Anmerkung: 100 Euro pro Megawatt in den Energy Charts entsprechen 10 Cent pro Kilowatt





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