Berlin, 9. Juli 2025 – Die Energiewende darf nicht an Netzausbau und Verwaltungsstreitigkeiten scheitern – jetzt braucht es klare politische Entscheidungen für die Energiespeicherbranche. So lautet das Fazit der Vorstandssitzung mit anschließendem Neumitgliedertreffen des Bundesverbands Energiespeicher Systeme (BVES)am 7. Juli 2025 in Berlin.
Mit über 100 neuen Unternehmen, die sich dem BVES in den vergangenen Monaten angeschlossen haben, zeigt sich: Die Speicherbranche wächst stark – in allen Marktsegmenten, ob im Haushaltsbereich, in der Industrie oder in der Infrastruktur. Speicher sind längst unverzichtbar für ein erneuerbares Energiesystem – als Stand-Alone-Lösungen im Netz, in Co-Location mit Erzeugungsanlagen oder „behind the meter“ beim Endkunden.
Maria-Lena Weiss, MdB (CDU/CSU) unterstrich in Ihrem Impuls bei der Veranstaltung: Die Energiespeicherung muss auch in der 21. Legislaturperiode politische Priorität haben. Die neue Bundesregierung darf jetzt nicht nachlassen bei der Integration von flexiblen Speichern in ein neues Marktdesign. Es braucht noch mehr Tempo, etwa bei der Sektorenkopplung und der konsequenten Digitalisierung des Stromnetzes, angefangen vom Netzanschluss über den Netzbetrieb bis hin zu digitalen Netzprozessen. Außerdem muss die Speicherdefinition nun auch konsequent in den einzelnen Rechtsnormen umgesetzt werden.
Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung signalisierte grundsätzlich ein gewachsenes Verständnis für die Bedeutung von Speichern für die Flexibilität und Resilienz des Energiesystems. Die Branche erwartet schnelle gesetzliche Reformen, doch Politik und Verwaltung senden widersprüchliche Signale.
Das angekündigte Energiewende-Monitoring des BMWE soll die Baustellen der Energiewende identifizieren. Jedoch kann ein realistisches Monitoring nicht gelingen, wenn die Kostentreiber im System nicht benannt und zentrale Technologien wie Speicher, E-Mobilität und Wärmepumpen ausgeklammert werden. Wer den Erfolg der Energiewende sichern will, muss alle relevanten Technologien systemisch mitdenken. So kann man Fokus auf die dringenden offenen Fragen legen: von Genehmigungen und Netzanschlüssen über Baukostenzuschüsse und Netzentgelte bis hin zum Anlagenbetrieb. Diese Themen dulden keinen Aufschub mehr.
Urban Windelen, Geschäftsführer vom BVES: „Hier braucht es die Politik mit am Steuerrad sowohl auf der Bundes- als auch auf der Landesebene. Die aktuelle Lage in den Netzanschlussverfahren ist letztlich nur ein Symptom der fehlenden Klarheit. Es gibt viel Aufholbedarf bisheriger Versäumnisse. Netzregulierung und Energiepolitik müssen Hand in Hand abgestimmt werden.“
Die nun ins Rollen gekommene Agnes-Reform zu Netzentgelte bietet eine Chance für das Energiesystem und alle beteiligten Akteure – vorausgesetzt, sie wird mit einem klaren Verständnis der Rolle von Speichern geführt. Speicher passen nicht in die bestehende Entgeltsystematik von Erzeugern und Verbrauchern. Darüber leisten sie Mehrwerte für Stromnetze und Energiesystem. Das EU-Recht hat es bereits 2019 klar definiert. Ein differenzierter Blick auf die Netzauswirkungen in den verschiedenen Betriebsweisen ist hier essenziell. Und auch für Unternehmen und Letztverbraucher generell gibt es in der Netzentgeltreform große Chancen, die es nicht zu verspielen gilt. Flexibilität hinter dem Netzanschluss ist ein Schlüssel zu einer guten Netzauslastung und braucht daher entsprechende Anreize. Strom- und (Prozess-)Wärmespeicher sind hier passendes Instrument.
Es braucht einen entschlossenen Ausbau der Flexibilitätsoptionen – sowohl im Netz als auch „behind the meter“. Besonders wichtig ist die Sektorenkopplung in Richtung Wärme, die derzeit deutlich an Fahrt gewinnt. Für die zahlreichen Projekte, die bereits in der Pipeline sind, braucht es jetzt schnelle und verlässliche Planungssicherheit. Verzögerungen kosten Zeit, Geld und Vertrauen.
Damit dieser Schwung nicht verloren geht, sind alle gefordert, aktiv zu werden. Bund und Länder müssen gemeinsam mit allen Akteuren die richtigen Weichen stellen und dürfen die Verantwortung nicht allein der Bundesnetzagentur überlassen. Die Branche ist bereit, gemeinsam tragfähige Lösungen zu diskutieren: Abschottung und Blockadehaltung bringen uns nicht weiter.





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