Corona darf kein Vorwand für Abstriche beim Klimaschutz sein

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Anlässlich des Ökumenischen Tages der Schöpfung am 4. September appelliert MISEREOR an Politik und Gesellschaft, alle Maßnahmen zur Begrenzung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie so auszurichten, dass sie dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht zuwiderlaufen.

„Die bisherigen Entscheidungen als Reaktion auf die Virus-Krise haben gezeigt, dass vieles möglich ist, wenn der politische Wille dazu besteht“, sagt MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Nun gelte es, COVID-19 mit entschlossenen Zukunftsinvestitionen zu begegnen, die dem Klimaschutz und einer größeren Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegenüber der globalen Erderhitzung und anderen zukünftigen Krisen dienen und die Natur erhalten. „Keinesfalls darf die Pandemie als Vorwand dazu dienen, in der Umweltpolitik notwendige Entscheidungen zu verschieben oder zu verwässern“, so Spiegel. Denn das knappe Handlungsfenster, um die Erderhitzung auf ein vertretbares Maß von unter 2 Grad zu begrenzen, schließe sich wohl in der nächsten Legislaturperiode. „Auch wenn uns Corona vordergründig beim Schutz des Klimas eine kurze Atempause verschafft hat, so zeigt sich doch, dass die aktuellen politischen Weichenstellungen nicht ausreichend sind, um die dringend notwendige sozial-ökologische Transformation so zeitnah zu realisieren, dass der Klimawandel beherrschbar bleibt und dessen Folgen begrenzt werden können“, betont Spiegel.

Sorge wegen getöteter Aktivistinnen und Aktivisten

Besorgt zeigt sich der MISEREOR-Chef über die wachsende Zahl an Menschen, die wegen ihres Einsatzes für den Schutz von Schöpfung und Mitwelt getötet wurden. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation „Global witness“ fielen im vergangenen Jahr weltweit 212 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Indigene und Aktivistinnen und Aktivisten solchen Morden zum Opfer. Wer sich wie diese engagiere, bedürfe dringend mehr Schutz und internationaler Solidarität, fordert Spiegel.

Die Bundesregierung muss nach Ansicht des MISEREOR-Chefs stärker dafür eintreten, dass der Konsum in Europa nicht weiter den Verlust der Lebensgrundlagen von Menschen im Süden vorantreibt. In diesem Zusammenhang setzt sich MISEREOR für einen sozial-ökologischen Wandel unserer Wirtschaft und Gesellschaft ein, der unter anderem ein strenges und wirksames Lieferkettengesetz sowie eine ambitionierte Klimapolitik beinhalten müsse.

Fünf Jahre nach Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato sí“, in der Papst Franziskus die Menschheit nachdrücklich dazu aufgefordert hat, die Verletzlichkeit der Schöpfung bewusster wahrzunehmen und sich mit vereinten Kräften für den Erhalt des gemeinsamen Hauses Erde einzusetzen, sei einiges, aber längst nicht genug erreicht worden, resümiert der MISEREOR-Chef. Es bedürfe weiterer politischer Anstrengungen und Initiativen wie der Jugend-Klimabewegung Fridays for future. Die Kirche sehe sich beim Einsatz für das „gemeinsame Haus“ als Anwältin der Armgemachten und am meisten von der Klimakrise und Umweltzerstörung betroffenen Menschen und bitte weiterhin um Solidarität und Spenden zur Bewältigung dieser Aufgabe.

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