Bundeshaushalt 2026 gibt Batterieforschenden in Deutschland wieder Hoffnung

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Der globale Wettlauf um technologische Innovationen stellt Deutschland vor große Aufgaben. Um im Bereich der Batterieforschung wettbewerbsfähig zu bleiben, sollen die Gelder für die Entwicklung und den Ausbau der Batterietechnologie wieder fliesen. Das kündigte Forschungsministerin Dorothee Bär auf dem diese Woche stattfindenden Batterieforum in Berlin an. Im Gespräch mit Rüdiger Daub, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite-, und Verarbeitungstechnik IGCV, werfen wir einen Blick zurück auf zwei Jahre stagnierende Forschungsförderung und auf neue, strategische Möglichkeiten.

Die Finanzierung für die Batterieforschung soll wieder aufgenommen werden. Welche Erwartungen haben Sie als Experte?

Ich finde es durchweg positiv, dass wir endlich wieder eine gesicherte Finanzierung vorweisen können. Seit den Auswirkungen des KTF-Urteils (Klima- und Transformationsfonds) vor etwa zwei Jahren haben wir faktisch keine funktionierende Forschungspolitik mehr. Wir haben wertvolle Zeit verloren, die uns im globalen Wettbewerb zurückwirft. Die neu bereitgestellten Gelder geben uns in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit wieder Planbarkeit für Forschungsprojekte, auch im Bereich Batterieforschung. Allerdings wird es bis zur Ausschreibung und Bewilligung der ersten Projekte bis Ende 2026 dauern.

Kommt die Finanzierungszusage zu spät?

Die Verluste der letzten zwei Jahre wiegen schwer. In Deutschland haben wir über ein Jahrzehnt Infrastruktur und Know-how in der Batterieforschung aufgebaut, um international konkurrenzfähig zu sein. Diese Investitionen lagen zwei Jahre brach. Das hat Zweifel an der Technologie gesät, insbesondere in der Ausbildung, da wir Nachwuchsforschende nicht mehr finanzieren konnten. Einige Institute kämpften ums Überleben und mussten Mitarbeitende entlassen. Dieses Defizit müssen wir erst wieder aufholen.

Welche Rolle kann Deutschland in diesem Wettbewerbsfeld noch einnehmen?

Wir kämpfen um die Wertschöpfung der Zukunft. Die Batterie spielt dabei, zusammen mit anderen Technologien wie der künstlichen Intelligenz, eine führende Rolle. Neue, innovative Produkte mit hohem Marktpotential werden größtenteils batteriebetrieben sein. Wer die Batterien produziert, hat einen großen Einfluss auf die Produkte. Alle Länder erkennen das Potenzial der Technologie. Deshalb hat Deutschland in den letzten Jahren versucht, Zellhersteller lokal anzusiedeln. Die USA schützen ihren Markt mit einer strengen Zollpolitik, während China neue Technologien stark subventioniert und Überkapazitäten aufgebaut hat. Daher sind Batterien momentan unrealistisch billig. Das macht es anderen Akteuren fast unmöglich, im freien Markt zu bestehen. In den letzten Monaten haben wir gesehen, dass eine europäische Aktivität nach der anderen aufgeben musste. Deutschland und Europa müssen ihre Strategie an dieses hochkompetitive Umfeld anpassen.

Wie könnte diese Strategie aussehen?

Es braucht meiner Meinung nach eine Produktionswende, die an die Zeitenwende und Klimawende anknüpft und gezielt neue Wertschöpfungsfelder aufbaut. Wir müssen die Realität der harten Wettbewerbssituation annehmen. Solange der Markt so umkämpft ist, muss das Ziel sein, mit einem sinnvollen Einsatz von Ressourcen zu verhindern, aus dem Markt verdrängt zu werden. Das kostet Geld, welches so eingesetzt werden sollte, dass es einen gesellschaftlichen Nutzen hat. Wir müssen das Thema Batterie von der Bedarfsseite angehen und technologische Souveränität in den Bereichen anstreben, die gesellschaftlich notwendig sind, wie etwa die Rüstungsindustrie, die Energieversorgung oder die Automobilbranche. Es ist wichtig, eine lokale europäische Wertschöpfungskette aufzubauen, die direkt genutzt werden kann – auch wenn sie aufgrund der Wettbewerbssituation gestützt werden muss. Nur aus einem etablierten Ökosystem heraus lassen sich mit Innovationen wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entwickeln, die der Gesellschaft nutzen. Statt zu versuchen, direkt Weltmarktführer zu werden, müssen wir momentan verhindern, komplett aus der Technologie verdrängt zu werden – das ist die Realität, an der wir unsere Strategie ausrichten müssen.

Wie helfen Forschungsinstitute wie das Fraunhofer IGCV dabei?

Forschungsinstitute können insbesondere mittelständischen Unternehmen beim Einstieg in die Batterietechnologie helfen. Oft fehlt es dort an einem tiefgehenden Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Zellchemie, Batteriezelldesign und Speicherkonzepten, bedingt durch Personal- und Budgetmangel. Am Fraunhofer IGCV in Augsburg haben wir in den letzten vier Jahren intensiv an einer Lösung gearbeitet. Entstanden ist eine Forschungs- und Entwicklungsplattform für Batterien. Diese Plattform beherbergt modernste Technologien, die neue Forschungsergebnisse schnell in Produktkonzepte verwandelt. Gemeinsam mit Industriepartnern entwickeln wir daraus neue Zell- und Speicherkonzepte, die wir anschließend in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB skalieren können. Die Komplexität der Batterietechnologie erfordert maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Anwendungen. Jedes Produkt, sei es ein Sportwagen oder ein Power-Tool, benötigt eine spezifische Zellchemie und ein dazu passendes Zelldesign. Standardzellen können eine akzeptable Lösung bieten, doch um sich im Wettbewerb abzuheben, sind spezialisierte Speicher und Zellen erforderlich, die optimal auf die jeweiligen Anforderungen abgestimmt sind. Genau das wollen wir mit unseren Partnern ermöglichen.

Sind sie optimistisch, dass Deutschland im Bereich der Batterie in Zukunft eine Rolle spielen kann?

Ja, vorausgesetzt wir setzen neueste Forschungsergebnisse schnell und effizient in wirtschaftliche Aktivitäten um. Dafür haben wir in Deutschland alles, was wir brauchen. Unsere Chance ist, dass die Technologie noch dynamisch ist. In den kommenden Jahren werden wir weiterhin viele Innovationen sehen. Diese können wir, auch aus einem anfangs kleineren Ökosystem, immer wieder nutzen, um Wertschöpfung in Deutschland zu erzeugen. Einen erneuten Stillstand auf politischer Ebene können wir uns bei diesem Wettbewerb der Weltregionen aber nicht mehr leisten.