Bessere Netzdaten dank KI: Wie automatisiertes Datenmanagement den Netzbetrieb unterstützt

Pilotprojekt „Cable Age“ nutzt Künstliche Intelligenz (KI) zur Weiterentwicklung von Netzdaten und digitalen Planungsgrundlagen

Wie können bestehende Netzdaten noch besser genutzt werden, um Planung, Betrieb und Weiterentwicklung der Energieinfrastruktur zu unterstützen? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das Gemeinschaftsprojekt „Cable Age“, das federführend von Schleswig-Holstein Netz und Avacon Netz gemeinsam mit dem KI-Team der E.ON Grid Solutions sowie MITNETZ STROM umgesetzt wird.

Im Fokus des Projekts stehen Niederspannungskabel, deren historische und netzbezogene Informationen mithilfe intelligenter Analyseverfahren zusammengeführt und ausgewertet werden. Dabei nutzt das System Informationen aus dem Netzumfeld eines Kabels, beispielsweise benachbarte Betriebsmittel oder Hausanschlüsse, um Rückschlüsse auf dessen wahrscheinlichen Einbauzeitraum zu ziehen. Das Ergebnis ist eine plausibilisierte Baujahresperiode, die anschließend von den zuständigen Asset-Management-Experten fachlich geprüft wird.

KI unterstützt Netzbetreiber somit dabei, ein noch umfassenderes Verständnis von ihren Netzen und Assets zu entwickeln. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, Prozesse im Datenmanagement sowie Maßnahmen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Datenqualität stärker zu automatisieren und effizienter zu gestalten. 

„Je besser wir unsere Infrastruktur digital abbilden und verstehen, desto gezielter können wir Investitionen planen, Prozesse automatisieren und die Netze für die Anforderungen der Energiewende weiterentwickeln.“, betont Oliver Pohl, Leiter Team Daten und digitale Lösungen, Schleswig-Holstein Netz.

Beitrag zur Digitalisierung der Verteilnetze

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, dem Hochlauf der Elektromobilität und der zunehmenden Elektrifizierung von Wärme und Industrie steigen die Anforderungen an die Verteilnetze kontinuierlich. Gleichzeitig wächst die Bedeutung hochwertiger Netzdaten für Planung, Betrieb und Investitionsentscheidungen.

„Cable Age“ zeigt beispielhaft, wie Künstliche Intelligenz dazu beitragen kann, vorhandene Datenbestände intelligenter zu nutzen, das Datenmanagement weiterzuentwickeln und die Qualität digitaler Netzinformationen nachhaltig zu stärken.
Helge Siepe, bei E.ON Grid Solutions verantwortlich für die Themen AI und Automation: „Daten werden zunehmend zur strategischen Infrastruktur der Energiewende. Der Data & AI Hub unserer zentralen Datenplattform iPEN schafft die Grundlage, innovative KI-Lösungen wie Cable Age schnell zu entwickeln und über Netzbetreiber hinweg zu skalieren.“

Gemeinsame Entwicklung im E.ON-Netzverbund

Das Projekt bündelt die Kompetenzen mehrerer Netzgesellschaften und Technologieexperten innerhalb des E.ON-Netzverbunds. Während Schleswig-Holstein Netz und Avacon Netz die konzeptionelle Entwicklung und den Aufbau des Modells vorantreiben, bringt E.ON Grid Solutions ihre KI-Expertise in die Entwicklung der Verfahren ein. MITNETZ STROM unterstützt das Projekt durch die Einbindung zusätzlicher Datenbestände sowie die fachliche Validierung und Praxiserprobung des Ansatzes.
Durch die Untersuchung unterschiedlicher Netzgebiete und Datenstrukturen können die Verfahren unter verschiedenen Rahmenbedingungen erprobt und weiterentwickelt werden, was die Übertragbarkeit der entwickelten Verfahren erhöht.

Über das Projekt „Cable Age“

„Cable Age“ ist ein gemeinsames Pilotprojekt von Schleswig-Holstein Netz, Avacon Netz, MITNETZ STROM und des KI-Teams der E.ON Grid Solutions. 

Das Pilotprojekt ist derzeit bis zum Frühherbst 2026 angelegt. Die Projektpartner untersuchen fortlaufend die Genauigkeit der KI-gestützten Analysen sowie den praktischen Nutzen der gewonnenen Erkenntnisse für Datenmanagement, Netzbetrieb und Asset Management.

Erst möglich gemacht wird die schnelle Entwicklung und Skalierung von “Cable Age” durch den Data-/AI Hub in iPEN (Information Platform of Energy Networks). Er ist die zentrale Anlaufstelle und Enabler für Entwicklungsteams in Energy Networks, die aus Daten intelligente Lösungen entwickeln wollen. Statt jedes Projekt von Grund auf neu aufzusetzen, stellt der Data-/AI Hub den Zugang zu relevanten Netzdaten, eine einsatzbereite Entwicklungsumgebung sowie erprobte Werkzeuge und Methoden bereit. So können sich Teams auf die eigentlichen Herausforderungen konzentrieren, die den Unterschied machen: innovative Lösungen mit Mehrwert für den Netzbetrieb zu schaffen.

Der besondere Mehrwert zeigt sich, wenn aus einem erfolgreichen Anwendungsfall eine Lösung für viele wird. Gemeinsame Standards, wiederverwendbare Bausteine und ein durch die E.ON Grid Solutions bereitgestelltes, einheitliches Netzdatenfundament ermöglichen es, Lösungen wie “Cable Age” mit deutlich geringerem Aufwand auch anderen E.ON-Netzgesellschaften bereitzustellen. Was sich einmal bewährt hat, kann so schneller im gesamten Konzern Nutzen stiften. 
Die Energiewende wird nicht nur auf Baustellen und in Umspannwerken entschieden, sondern zunehmend auch durch Daten und die smarte Anwendung dieser. Der Data-/AI Hub von iPEN sorgt dafür, dass dieses Potenzial nutzbar wird. Er bringt Daten, Technologien und Menschen zusammen und verkürzt den Weg von der ersten Idee bis zur produktiven Lösung erheblich. So entstehen Anwendungen wie “Cable Age”, die ihren Nutzen schnell über einzelne Netzgesellschaften hinaus entfalten und einen konkreten Beitrag zu einem digitalen, leistungsfähigen Netz der Zukunft leisten.

Unternehmensinformationen

Über Avacon Netz
Avacon Netz ist der regionale Netzbetreiber in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Von der Nordseeküste bis nach Südhessen sorgt Avacon Netz über seine mehr als 85.000 Kilometer Strom- und Gasnetze rund um die Uhr für die sichere Energieversorgung von Kommunen, Industrie, Gewerbe und Haushalten. Über 155.000 dezentrale Erzeugungsanlagen hat der regionale Netzbetreiber bereits an seine Netze angeschlossen, die jährlich mehr als 22 Milliarden Kilowattstunden Erneuerbare Energie einspeisen. Energienahe Serviceleistungen wie Straßenbeleuchtung sowie Planung, Bau und Betrieb von Energienetzen und -anlagen runden das Angebot ab.

Avacon Netz ist als 100prozentige Tochtergesellschaft der Avacon AG Teil der Avacon-Unternehmensgruppe, die mit über 3.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 354 Auszubildende, Studierende und Praktikanten, einer der größten Arbeitgeber und Ausbilder der Region und damit ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Avacon ist Teil des E.ON-Konzerns, zugleich aber auch stark kommunal geprägt. Mehr als 200 Kommunen und Landkreise halten 38,5 Prozent der Anteile an Avacon.

Über E.ON Grid Solutions
Die E.ON Grid Solutions GmbH ist der zentrale Dienstleister für Digitalisierung, Standardisierung und Prozessservices im Netzgeschäft von E.ON in Deutschland. Mit standardisierten IT-Plattformen, energiewirtschaftlichen Lösungen und umfassenden Dienstleistungen unterstützt E.ON Grid Solutions Energie- und Messstellenbetreiber bei der effizienten Abwicklung ihrer Kernprozesse – von der Netzinfrastruktur über das Metering bis hin zur Abrechnung. Mit rund 1.300 Mitarbeitenden an bundesweit acht Standorten leistet E.ON Grid Solutions einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Energiewende und zur sicheren Energieversorgung von Millionen Kundinnen und Kunden.

Über MITNETZ STROM
Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (MITNETZ STROM) mit Sitz in Kabelsketal ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM). Als einer der größten regionalen Verteilnetzbetreiber in Ostdeutschland ist MITNETZ STROM unter anderem für Planung, Betrieb und Vermarktung des enviaM-Stromnetzes verantwortlich. Das durch die MITNETZ STROM betreute Stromverteilnetz hat eine Länge von fast 71.000 Kilometern und erstreckt sich über Teile der Bundesländer Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Über Schleswig-Holstein Netz
Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) betreibt für rund 2,8 Millionen direkt oder indirekt angeschlossene Kunden Strom- und Gasleitungen in mehr als 900 Kommunen in Schleswig-Holstein. Rund 400 schleswig-holsteinische Kommunen halten Anteile an SH Netz. Sie haben umfangreiche Mitspracherechte und erhalten eine Garantiedividende. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 30 Standorten in Schleswig-Holstein.

SH Netz hat als Partner der Energiewende bereits zehntausende Windräder und Solaranlagen an das Stromnetz angeschlossen. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen Energielösungen wie Smart-City-Anwendungen und unterstützt den Ausbau der Elektromobilität. SH Netz engagiert sich in Innovationsprojekten für mehr Klimaschutz. Dazu gehören beispielsweise Einspeiseanlagen, mit denen Biogas oder aus Windstrom produzierter Wasserstoff ins Erdgasnetz aufgenommen werden kann, oder staatlich geförderte Forschungsprojekte.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität stellt SH Netz ihre sämtlichen Standorte, ihre mehrere hundert Fahrzeuge umfassende Flotte sowie den Strom- und Gasnetzbetrieb in mehreren Stufen entsprechend um. Außerdem unterstützt das Unternehmen seit vielen Jahren den regionalen Spitzen- und Breitensport in Schleswig-Holstein, zum Beispiel den SH Netz Cup in Rendsburg, das härteste Ruderrennen der Welt.