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Start-up des Monats: Smarte Sensoren von Hula Earth kartieren Biodiversität für Photovoltaik-Projektentwickler

Hula Earth verteilt autonome Sensoren in Solarparks, die Tierstimmen erkennen und daraus gemeinsam mit Satellitendaten ein kontinuierliches Bild der Artenvielfalt erzeugen. Projektentwickler und Betreiber können damit die Ökologie besser bewerten und Auflagen gezielter erfüllen.
Foto: Hula Earth

Wer seid ihr?

Florian Geiser, Co-Founder & CEO: Wir machen Natur messbar. Hula Earth ist ein 2023 in München gegründetes Start-up, das kleine, autonome Sensoren entwickelt, die draußen im Feld – auf Solar- und Windparks, in der Landwirtschaft, auf Firmengeländen – rund um die Uhr zuhören und Tierstimmen erkennen: Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Insekten. Kombiniert mit Satellitendaten entsteht daraus ein laufendes, belastbares Bild davon, wie es um die Artenvielfalt an einem Ort tatsächlich steht – statt einer einzelnen Stichprobe einmal im Jahr. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Energiebranche, wo wir Solar- und Windpark-Betreiber begleiten. Unsere Sensoren sind bereits weltweit im Einsatz und begleiten Kunden auf insgesamt über 50.000 Hektar Fläche.

Wer sind eure Kunden?

Unsere Kunden sind vor allem Solar- und Windpark-Betreiber. Bei Solarparks wie Enerparc geht es darum, die tatsächliche ökologische Entwicklung einer Fläche über die ursprünglichen Anforderungen hinaus zu belegen – als Grundlage für Gespräche mit der Naturschutzbehörde. Bei Windparks wie Engie Green geht es um kontinuierliches Vogelzug- und Fledermaus-Monitoring als Grundlage für Betriebsentscheidungen. Daneben arbeiten wir mit Industrieunternehmen, Kommunen sowie landwirtschaftlichen Betrieben und Lebensmittelhändlern zusammen, die ihre Flächen oder Lieferketten ökologisch nachvollziehen wollen. Was alle eint: Sie brauchen belastbare, kontinuierliche Biodiversitätsdaten statt punktueller Stichproben, um ökologische Aufwertungen wirtschaftlich nachzuweisen, in ihrer Lieferkette zukunftsfähig zu bleiben oder regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

Welches Problem, welche Herausforderung haben eure Kunden?

Solarpark-Betreiber müssen Ausgleichsflächen oft über viele Jahre binden und pflegen – ein Kostenfaktor, den sie nur mit belastbaren Biodiversitätsdaten nachvollziehbar verkürzen können. So erlischt z.B. ein Tatbestand durch die nachgewiesene Wiederansiedlung von Feldlerchen auf der Projektfläche und Pacht und Pflege einer externen Fläche entfällt. Windpark-Betreiber wiederum brauchen verlässliche Daten zum Vogelzug und Fledermausvorkommen, um Abschaltzeiten zu rechtfertigen, ohne auf pauschale, oft überkonservative Annahmen angewiesen zu sein. Auch Industrieunternehmen, Kommunen sowie Landwirtschaft und Lebensmittelhandel brauchen zunehmend belastbare Flächendaten, etwa für CSRD/ESRS-E4-Berichterstattung oder um Ernten und Erträge abzusichern. Allen gemeinsam fehlt heute eine verlässliche, kontinuierliche Datengrundlage.

Start-up des Monats von pv magazine und Vireo Ventures

In Kooperation mit Vireo Ventures, einem Frühphasen-Investor für eine vollständig elektrifizierte Welt, präsentieren wir monatlich ein aufstrebendes Unternehmen, das an Innovationen für die Solarbranche arbeitet und das wir für interessant halten. Wir wollen aufzeigen, was die Visionen der Unternehmer sind, aber auch wo diese Start-ups heute stehen und wo es konkrete Möglichkeiten für Kooperationen gibt.

Wenn du Dein Unternehmen als Start-up des Monats präsentieren möchtest, fülle bitte den folgenden Fragebogen aus:
-> Zum Fragebogen

Du kannst uns auch per Email an pv magazine und Vireo kontaktieren:
-> [email protected]

Wir freuen uns auch über für Rückmeldungen zu den vorgestellten Unternehmen, zu deren Fragen (siehe ganz unten) und zu unserer Auswahl an diese E-Mail-Adresse.

Hier finden Sie die bisherigen Start-up des Monats

Welche Lösungen gibt es dafür bisher auf dem Markt?

Bisherige Methoden sind klassische, manuelle Vor-Ort-Erhebungen: gründlich, aber teuer, selten und schwer über viele Standorte hinweg skalierbar. Alternative Ansätze wie eDNA-Analysen liefern punktuelle Momentaufnahmen statt kontinuierlicher Daten. Reine Satellitenlösungen wiederum decken zwar große Flächen ab, liefern aber keine belastbaren Aussagen zur tatsächlichen Artenvielfalt am Boden. Keine dieser Methoden verbindet echtzeitnahe, kontinuierliche Datenerhebung mit flächendeckender Abdeckung und wissenschaftlicher wie regulatorischer Belastbarkeit zugleich.

Welche Lösung bietet ihr euren Kunden an und gibt es bei euch ein Alleinstellungsmerkmal?

Hula Earth bietet eine vollautomatisierte „Space-to-Ground“-Plattform für Biodiversitäts-Management. Autonome, solarbetriebene BioT-Sensoren erkennen per Edge-KI direkt vor Ort und in Echtzeit über 10.000 Tierarten anhand ihrer Rufe. Die Daten werden automatisch übertragen, niemand muss mehr rausfahren und SD-Karten wechseln. Satellitendaten ergänzen das um flächendeckende Vegetationsindizes und Strukturdaten. Beides zusammen ergibt standardisierte, auditfähige Biodiversitätsindikatoren in Echtzeit-Dashboards, mit denen Flächenverantwortliche den Zustand ihrer Flächen laufend verfolgen und Reporting automatisieren können. Unser Alleinstellungsmerkmal: eine kontinuierliche, digitale Verifizierungsebene, die klassische manuelle Erhebungen und punktuelle Alternativen ersetzt und datengetriebene Maßnahmen ermöglicht.

Gibt es bereits Nachweise, dass die Lösung funktioniert, und Referenzen? Wenn ja, welche?

Zwei Beispiele von vielen unserer Kunden: Im 55-Megawatt-Solarpark Lauterbach von Enerparc hat sich die Fläche selbst zu einem Feldlerchen-Habitat entwickelt – die Reviere sind von 4 vor Projektbeginn auf rund 20 gestiegen, worüber pv magazine bereits selbst berichtet hat. Genau solche kontinuierlich erhobenen Nachweise ermöglichen die Begründung gegenüber der Naturschutzbehörde, dass separate Ausgleichsflächen oder Maßnahmen gar nicht im vollen Umfang nötig sind. Bei Engie Green liefert unser kontinuierliches Vogelzug-Monitoring an Windpark-Standorten in Deutschland und Frankreich die Datengrundlage, um Abschaltzeiten am tatsächlichen Vogelaufkommen auszurichten statt an pauschalen Zeitfenstern.

Könnt Ihr das Beispiel detaillierter beschreiben?

Im Solarpark Lauterbach von Enerparc in Hessen (21,3 ha) haben 19 unserer Sensoren zwischen Ende April und Mitte September 2025 die komplette Brutsaison erfasst: Insgesamt wurden 44 verschiedene Brutvogelarten nachgewiesen – von der Feldlerche, die mit über 77.000 registrierten Rufen die häufigste Art war, über Goldammer und Dorngrasmücke bis zu selteneren, gefährdeten Arten wie Wachtel, Heidelerche und dem stark gefährdeten Wiedehopf. Besonders im Fokus stand die Feldlerche, da sie sensibel auf Veränderungen der Flächennutzung reagiert: Über die gesamte Fläche verteilt konnten mehrere Brutreviere kartiert werden, mit einem Schwerpunkt im Nordosten des Parks.

Kartierung mit Hula-Sensoren. Foto: Hula Earth

So hören sich die Vögel im Solarpark an

19 Sendoren haben Vogelstimmen im Solarpark Lauterbach augenommen. Neugierig daruaf, auf was für Aufnahmen sich die analyse stützt?

Gibt es bereits Fälle, in denen Behörden eure automatisiert erhobenen Daten als alleinigen Nachweis anerkannt und daraufhin Auflagen oder Ausgleichsmaßnahmen angepasst haben?

Ja, das ist bereits vorgekommen: Wenn unsere Daten zeigen, dass sich eine Fläche ökologisch besser entwickelt hat als ursprünglich angenommen, kann die zuständige Behörde das anerkennen – der ursprüngliche Eingriffstatbestand entfällt dann, und damit auch die Pflicht zu weiteren Ausgleichsmaßnahmen. Wir verstehen uns dabei nicht nur als Monitoring-Anbieter, sondern unterstützen den gesamten Prozess: von der Ableitung geeigneter Maßnahmen über die Erfolgskontrolle bis zur Nachsteuerung, falls nötig. So entsteht quasi ein Biodiversitäts-Solarpark.

Inwiefern bringt diese Lösung die Energiewende voran?

Naturschutz und Bürokratie gehören zu den häufigsten Bremsen beim Ausbau von Solar- und Windenergie – Genehmigungsverfahren ziehen sich hin, wenn belastbare ökologische Daten fehlen. Bei Solarparks sind es oft Ausgleichsflächen, die Betreiber über viele Jahre binden und pflegen müssen, während eine geschickte Kombination von Biodiversität und Solarparks eine deutlich effizientere Flächennutzung zulässt. Bei Windparks bedeutet die laufende Erhebung von Vogelzug- und Fledermausdaten, dass sich Abschaltzeiten am realen Tierverhalten statt an groben Faustregeln orientieren kann. Jedes Projekt, das dadurch schneller genehmigt wird oder weniger Ertrag durch überzogene Standardauflagen verliert, trägt am Ende direkt dazu bei, dass mehr erneuerbare Kapazität schneller und wirtschaftlicher ans Netz geht.

Wie seid ihr finanziert?

Eine Anschubfinanzierung hat Hula Earth 2024 von Point Nine Capital erhalten. Ergänzend zu Fördermitteln der europäischen Raumfahrtbehörde und Projektumsätzen steht Hula auf soliden Beinen und kann gut gewappnet in die nächste Wachstumsphase gehen.

Habt ihr Fragen an die Leser von pv magazine?

  • Wie geht ihr aktuell mit der Bindungsdauer von Ausgleichsflächen bei euren Solarparks um und was sind eure Strategien einer effizienten Flächennutzung von PV und Natur?
  • Welche Datenanforderungen stellen eure Genehmigungsbehörden konkret an den Nachweis ökologischer Aufwertung?

Bitte schicken Sie Ihre Fragen und Anmerkungen an [email protected] (pv magazine und Vireo). Wir leiten Sie an unsere Gesprächspartner weiter.

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