See all

Chinas Batterieproduktion könnte bis 2030 den weltweiten Bedarf übersteigen

Chinas Produktionskapazitäten für Batteriezellen könnten bis 2030 die prognostizierte weltweite Nachfrage übersteigen, so ein neuer Bericht von Carnegie Endowment. Die Autoren empfehlen eine selektive Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen, um Risiken in der Lieferkette zu verringern.
Batterieproduktion in China (bei Jinko). | Foto: Jinko Solar

Von ESS News

Chinas Produktionskapazitäten für Batterien könnten bis 2030 den prognostizierten weltweiten Bedarf übersteigen, so ein Bericht der US-amerikanischen Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace. Der Bericht prognostiziert für China bis zum Ende des Jahrzehnts eine Produktionskapazität für Batteriezellen zwischen 5.862 und 6.720 Gigawattstunden und damit deutlich über dem erwarteten weltweiten Bedarf von 4.000 bis 5.100 Gigawattstunden.

Der Bericht taxiert die bis 2030 erreichte Produktionskapazität für Batteriezellen in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dem gegenüber auf 1.881 Gigawattstunden und das potenzielle Maximum auf 2.422 GWh. Schwellenländer wie Indien und Indonesien werden demnach voraussichtlich weitere 217 Gigawattstunden beitragen.

Fast die Hälfte der Lieferungen nach Europa

Der Studie zufolge beruht Chinas Wettbewerbsvorteil weiterhin auf seinem großen Vorsprung bei den Kosten. In Europa liegen die Preise für in China hergestellte Nickel-Mangan-Kobalt- (NMC-) Batteriezellen um 10 bis 27 Prozent unter denen lokal produzierter Alternativen, während Lithium-Eisenphosphat- (LFP-) Zellen 24 bis 50 Prozent günstiger sind. Die chinesischen Batterieexporte erreichten im Jahr 2025 ein Volumen von mehr als 6 Milliarden US-Dollar pro Monat, wobei fast die Hälfte der Lieferungen nach Europa ging.

Der Bericht identifiziert LFP-Batterien als die größte Schwachstelle in der Lieferkette westlicher Volkswirtschaften und stellt fest. Diese Batterietypen machen demnach mittlerweile etwa die Hälfte des globalen Marktes für Lithium-Ionen-Batterien aus, insbesondere durch Elektrofahrzeuge und Batteriespeichersysteme. Die Autoren schätzen, dass etwa 98 Prozent der weltweiten LFP-Produktionskapazitäten in China angesiedelt sind. Sie warnen zudem davor, dass die Entwicklung bei Natrium-Ionen-Batterien einen ähnlichen Verlauf nehmen könnte, da sich auch hier die Produktion im kommerziellen Maßstab derzeit fast ausschließlich auf China konzentriert. Im Gegensatz dazu hätten die OECD-Volkswirtschaften eine stärkere Position bei Batterietechnologien der nächsten Generation mit Silizium-Anoden und Lithium-Metall-Batterien.

Mehr Bedarf für stationäre Speicher

Dem Bericht zufolge gewinnen stationäre Energiespeicher zunehmend an Bedeutung für die Nachfrage, weil der Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromverbrauch von Rechenzentren weiter zunehmen. Eine breitere Einführung von Natrium-Ionen- und Lithium-Metall-Batterien könnte nach Einschätzung der Autoren die europäische Nachfrage nach Graphit bis 2035 um etwa 25,6 Prozent und nach Kobalt um 8,7 Prozent senken, während die Lithiumnachfrage um etwa 5,4 Prozent steigen würde.

Anstelle einer vollständigen Entkopplung der Lieferketten befürwortet Carnegie Endowment eine selektive Zusammenarbeit zwischen den OECD-Volkswirtschaften und chinesischen Unternehmen durch Joint Ventures und industrielle Partnerschaften insbesondere in Segmenten, in denen es nach wie vor nur wenige alternative Lieferanten gibt. Außerdem empfiehlt der Bericht eine Koordination der Industriepolitik zwischen den USA, Europa, Japan und Südkorea sowie eine stärkere Unterstützung für Natrium-Ionen-Hersteller außerhalb Chinas und den verstärkten Einsatz von Automatisierung, digitalen Zwillingen und künstlicher Intelligenz zur Verbesserung der Produktionseffizienz.

Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].

Kommentare