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Schön zu sehen, wie Lobbyisten ihr Süppchen kochen

12. Januar 2016 | Meinung

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Immer wieder wird - wie im Brief des CSU-Europaparlamentariers und Zollgegners Manfred Weber – behauptet, die Zölle auf chinesische Solarmodule seien schuld daran, dass der deutsche Photovoltaik-Markt so stark geschrumpft ist. Ich sage dazu nur: Schön zu sehen, wie Lobbyisten ihr Süppchen kochen. Da werden schon mal Tatsachen verdreht. Wer wirklich glaubt, der Rückgang der Solarinstallationen wäre ein Resultat der Strafzölle, hat ein kurzes Kurzzeitgedächtnis. Nicht falsch verstehen, der Entfall der garantierten Einspeisevergütung bei Großanlagen und deren Ersatz durch Ausschreibungen war richtig. Aber der Wettbewerb des Solarstroms gegen hochsubventionierten Kohle- und Atomstrom kann nicht funktionieren, zumal sich die Großverbraucher nicht einmal an den Kosten der Energiewende beteiligen müssen.

Als Leidtragende dann auch noch wie Manfred Weber die Automobilindustrie heranzuziehen, ist auch eine schöne Lachnummer. Gerade hier haben die Chinesen gezeigt, wie Protektonismus funktioniert, denn wer nicht in China produziert, wird schon jetzt mit satten Strafzöllen belegt, wenn er Autos dort verkaufen will. Aber wenn man in China produzieren will, geht das nur als kleiner Partner eines chinesischen Mehrheitseigners. So geht das!

Jetzt auf Solarworld zu zeigen und sie einen Schädling des freien Wettbewerb zu nennen, ist schon befremdlich, Ich bitte auch nicht zu vergessen, das dort Menschen (und Steuerzahler) arbeiten, deren Arbeitsplätze scheinen aber weniger Wert zu sein, als die von Wacker. Klar ist ja nicht in Bayern.

--- Der Autor Ingo Ernst ist Director Solar Central Europe der Business Unit Solar von Schneider Electric. ---

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Michael Stark aus Leipzig

Dienstag, 12.01.2016 15:14

Herr Ernst verkennt dabei völlig, dass es nicht nur um die Mitarbeiter von Solarworld geht. Die Strafzölle haben ohne Zweifel erheblichen Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette... und diese sehe [...]

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Kommentare 1 - 1 von 1

Michael Stark aus Leipzig

Dienstag, 12.01.2016 15:14

Herr Ernst verkennt dabei völlig, dass es nicht nur um die Mitarbeiter von Solarworld geht.
Die Strafzölle haben ohne Zweifel erheblichen Einfluss auf die gesamte Wertschöpfungskette... und diese sehe ich vom Investor bis hin zum Solateur. Durch die derzeitigen Modulpreise und Einspeisevergütungen sind PV-Anlagen für Investoren in Deutschland kaum noch interessant. Die Materialpreise machen immer noch den größten Teil der Investition aus. Was jetzt passiert ist, dass versucht wird weiter fallende Vergütung Richtung Montagepreise - also zum Solateur - zu schieben. Dort wurden dubiosen Geschäftsmodellen mit dem Mindestlohn zum Glück Grenzen gesetzt. Warum sollte man also in PV (außer eigenverbrauch) noch investieren?
Was bleibt also?
Es werden - speziell im Rahmen der Freiflächen-Ausschreibungen - durch die Beteiligten auf fallende Modul-/Anlagenpreise "Wetten" abgeschlossen. Dieses Pokerspiel wird die PV-Branche in Deutschland weiter nachhaltig schädigen und weitere Unternehmen sich von diesem Markt verabschieden.

Außer vielleicht Solarworld mit Geldgebern aus Qatar... dafür mit jeder Menge geprellten Anlegern in Deutschland.

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