Vom Bürgerprojekt zum integrierten Energiedienstleister – 25 Jahre Tauber-Solar

Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums von Tauber-Solar blickt Geschäftsführer Arne Weinig auf die Entwicklung der Photovoltaikbranche und des eigenen Unternehmens zurück. Das EEG war laut Weinig der entscheidende Impulsgeber: Es schuf nicht nur einen Markt, sondern ermöglichte Bürgerbeteiligungen und die breite gesellschaftliche Teilhabe an der Energiewende. Ohne das EEG wäre Photovoltaik in Deutschland ein Nischenthema geblieben.

25 Jahre EEG – welchen Unterschied hätte es für Tauber-Solar und die Energiewende gemacht, wenn es dieses Gesetz nicht gegeben hätte?

Einen enormen. Das EEG hat nicht nur einen Markt geschaffen, es hat eine Bewegung ausgelöst. Ohne diesen Rechtsrahmen wäre Photovoltaik in Deutschland noch lange ein Nischenthema geblieben, reserviert für Pioniere mit hoher Risikobereitschaft und tiefem Kapital. Was uns als Unternehmen ausgemacht hat, war der Gedanke, diese Technologie in die Breite zu tragen: Bürgerbeteiligungen, gemeinschaftlich getragene Projekte, der Einstieg in die Energiewende für jeden. Das wäre ohne die Investitionssicherheit des EEG schlicht nicht möglich gewesen. Insofern: Das Gesetz hat nicht nur unsere Gründungsgeschichte geprägt – es hat den gesamten Pfad vorgegeben, auf dem wir heute unterwegs sind.

Tauber-Solar ist heute ein anderes Unternehmen als vor zehn Jahren. Was hat funktioniert und was hätten Sie rückblickend anders gemacht?

Was gut funktioniert hat: der konsequente Fokus auf technologische Tiefe statt auf Volumen um jeden Preis. Wir haben uns nie auf ein einziges Segment festgelegt, sondern die Wertschöpfungskette schrittweise erschlossen – von der Projektentwicklung über EPC bis hin zum Betrieb. Das zahlt sich heute aus, weil Kunden keine Einzellösungen mehr wollen, sondern Partner für den gesamten Lebenszyklus. Was ich anders machen würde? Den Schritt ins O&M-Geschäft früher und entschlossener gehen. Betrieb und Wartung galten lange als das unspektakuläre Ende der Wertschöpfungskette. Heute wissen wir: Genau hier entsteht langfristiger Mehrwert – für Kunden wie für uns.

Sie haben gerade einen neuen Standort in München eröffnet und wollen das C&I-Geschäft ausbauen. Was macht Gewerbe- und Industriekunden heute zu einem attraktiveren Kundensegment als noch vor fünf Jahren und wo liegen die Grenzen?

Der entscheidende Wandel ist: Gewerbe- und Industriekunden haben verstanden, dass Energie kein Commodity mehr ist, das man einfach einkauft. Wer heute in der Produktion, Logistik oder im Handel wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Energiekosten aktiv steuern. Das schafft eine ganz andere Gesprächsqualität als früher. Wir reden nicht mehr über Kilowattstunden, sondern über Investitionsrenditen, Lastprofile und Resilienz. Mit dem neuen Standort in München haben wir die Möglichkeit genutzt, ein außergewöhnliches Team an Bord zu holen. Exzellente Köpfe, die die Energie, die Expertise und den Anspruch mitbringen, den wir für komplexe, integrierte Projekte brauchen. Mit diesem Team setzen wir Projekte um – PV, Speicher, Ladeinfrastruktur, Werksnetzeinbindung – in der Qualität, die unsere Kunden erwarten.

Die Grenze liegt im Regulatorischen. Eigenverbrauchsmodelle, Direktleitungen, Mieterstrom – all das ist in der Theorie attraktiv, in der Praxis aber oft bürokratisch aufwändig und rechtlich komplex. Da wünsche ich mir mehr Pragmatismus vom Gesetzgeber.

Wie verändert der Speicher das C&I-Geschäft und was unterschätzen Kunden dabei noch?

Speicher machen aus einer PV-Anlage ein steuerbares Asset. Das ist der fundamentale Unterschied. Ein Produktionsbetrieb, der seinen Eigenverbrauch optimieren will, braucht keine größere Anlage, er braucht einen intelligenten Speicher, der Lastspitzen kappt, Überschüsse puffert und auf Preissignale reagiert. Was viele Kunden noch unterschätzen: die Erlöspotenziale aus der Vermarktung von Flexibilität. Wer einen Speicher hat, kann aktiv am Regelenergiemarkt teilnehmen. Das lohnt sich, aber es braucht die richtige Systemintegration und das Know-how, diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Tauber Energy ist der neue Name im Markt für Großspeicher. Wo steht der Markt und was sind derzeit die größten Hürden?

Tauber Energy ist unsere 2024 gegründete Tochtergesellschaft. Der Markt wächst schnell, aber er ist noch nicht gereift. Auf der Nachfrageseite ist das Interesse enorm – Netzbetreiber, Energieversorger, industrielle Direktabnehmer, alle suchen nach Speicherlösungen. Auf der Angebotsseite wiederum fehlt es vielfach noch an standardisierten Prozessen bei Netzanschlüssen, Genehmigungen, und Präqualifikationsverfahren für den Regelenergiemarkt. Mit Waltershausen haben wir bewiesen, dass wir diese Komplexität meistern können. Das nächste Projekt mit 15 Megawatt und 40 Megawattstunden befindet sich bereits kurz vor der Inbetriebnahme. Diese Erfahrung aus dem Großspeichergeschäft fließt direkt in unsere C&I-Projekte bei Tauber-Solar ein. Wenn wir heute für einen Produktionsbetrieb oder einen Logistikstandort eine integrierte Lösung aus PV, Speicher und Ladeinfrastruktur konzipieren, bringen wir das gleiche systemische Verständnis mit und Kunden bekommen dieselbe Kompetenztiefe. Kurz gesagt: Die Technologie ist bereit. Was jetzt zählt, sind die Umsetzungsgeschwindigkeit und der professionelle Umgang mit den Eigenheiten des deutschen Genehmigungsmarkts.

O&M gilt als das stille Wachstumsfeld. Sie haben 2025 das Deutschlandgeschäft von ENcome übernommen. Was hat das verändert und was kommt 2026 noch?

Es hat unsere Servicekompetenz auf ein neues Level gebracht. Wir betreuen jetzt deutschlandweit Solar- und Speicheranlagen mit eigenem Team: Monitoring, Wartung, Instandhaltung, Co-Location, BESS-Service. Wir sind nicht mehr nur Projektierer und Bauherr, sondern dauerhafter Partner über den gesamten Anlagenlebenszyklus. 2026 investieren wir stark in die Digitalisierung unserer O&M-Prozesse. Und wir sehen großes Potenzial im Repowering: Viele Altanlagen aus der frühen EEG-Ära laufen aus der Förderung heraus. Durch gezieltes Revamping lassen sich diese Anlagen wirtschaftlich neu aufstellen ohne Neuplanung von Grund auf. Das ist ein Markt, der gerade erst entsteht.

Zum Abschluss ein aktuelles politisches Thema: Das BMWK diskutiert eine Begrenzung des Ausschreibungsvolumens für große Dachanlagen. Ist Photovoltaik reif genug, um ohne staatliche Stütze auszukommen – oder ist das die falsche Frage?

Es ist tatsächlich die falsche Frage. Photovoltaik als Technologie ist erwachsen – das stimmt. Aber Märkte brauchen nicht nur Technologiereife, sie brauchen systemische Reife: flexible Netzzugänge, wirtschaftlich tragfähige Speicherintegration, regulatorisch saubere Eigenverbrauchsmodelle. Wer Förderinstrumente zurückfährt, bevor diese Voraussetzungen stimmen, bremst nicht nur den Markthochlauf – er schwächt auch die Resilienz des Energiesystems insgesamt. Und er nimmt den Druck von den Netzbetreibern, ihre Prozesse und Genehmigungen konsequent weiterzuentwickeln. Genau dort liegen heute vielfach die eigentlichen Engpässe. Gewerbe- und Industriekunden treffen Investitionsentscheidungen mit Horizont von 20 Jahren. Was sie brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen – keine Regeln, die im Zwei-Jahres-Rhythmus neu justiert werden. Der Markt ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jetzt kommt es darauf an, dass die politischen Leitplanken diesen Übergang unterstützen und nicht ausbremsen.