EnBW führt bei Schnellladevorgängen: ChargePointRadar zeigt Marktanteile im DC-Laden
Für die wirtschaftliche Bewertung öffentlicher Schnellladeinfrastruktur reicht die Zahl installierter Ladepunkte nicht aus. Entscheidend ist, wie häufig sie tatsächlich genutzt werden. Eine Auswertung von ChargePointRadar zeigt nun, welche Betreiber bei DC-Ladepunkten ab 100 kW im zweiten Quartal 2026 die meisten gestarteten Ladevorgänge verbuchten.
In die Analyse flossen 13,7 Millionen gestartete Ladevorgänge ein. Den höchsten Anteil erreichte EnBW mit 27,2 Prozent. Dahinter folgen Tesla Germany mit 13,4 Prozent, EWE Go mit 10,2 Prozent, Aral pulse mit 9,4 Prozent und IONITY mit 7,9 Prozent. Zusammen entfallen damit 68,1 Prozent der betrachteten Ladevorgänge auf die fünf größten Anbieter. Die übrigen 31,9 Prozent verteilen sich auf mehr als 350 weitere Betreiber. Die Ladepunkte von EWE Go wurden in der Auswertung erst ab dem 18. April vollständig erfasst.
Die Auswertung verschiebt den Blick vom Ausbau auf die tatsächliche Nutzung. Während in der öffentlichen Debatte häufig Ladepunktzahlen im Vordergrund stehen, zeigt der Anteil an gestarteten Ladevorgängen, welche Netze im Alltag der Fahrerinnen und Fahrer besonders relevant sind. Für Betreiber ist das unmittelbar wirtschaftlich: Schnellladeparks refinanzieren sich nicht über installierte Leistung, sondern über regelmäßige Ladevorgänge, verkaufte Kilowattstunden und hohe technische Verfügbarkeit.
„Der Lademarkt kommt in eine neue Phase“, sagt Alexander Rupprecht, Gründer und Betreiber von ChargePointRadar. Weiter führt er aus: „Nach Jahren des schnellen Ausbaus geht es stärker um Auslastung, Verfügbarkeit und Standortqualität. Für belastbare Entscheidungen reicht es nicht mehr, Ladepunkte zu zählen. Entscheidend ist, wie intensiv sie tatsächlich genutzt werden.“
Nutzung entscheidet über Wirtschaftlichkeit
Gerade im Schnellladesegment sind Netzanschluss, Trafo, Tiefbau, Hardware, Betrieb, Wartung und Flächensicherung kostenintensiv. Ob sich ein Standort trägt, hängt deshalb stark davon ab, ob er dauerhaft Nachfrage erzeugt. ChargePointRadar kann die Daten bis auf einzelne Ladepunkte herunterbrechen und so bestehende Ladeparks, Betreiberstrukturen, Regionen oder benachbarte Standorte vergleichen.
„Die Auslastung eines Ladeparks ist kein Zufall“, sagt Manuel Brehm, Mitgründer von ChargePointRadar. „Bei den Auswertungen hilft es, nicht nur auf einzelne Datenpunkte zu schauen, sondern auch die Betreiberbrille aufzusetzen: Welche Standorte erzeugen verlässliche Nachfrage, wo kosten technische Ausfälle Umsatz, und wo passt das Umfeld nicht zum Ladeverhalten der Kundinnen und Kunden?“
Mehr als 160.000 Ladepunkte im Blick
ChargePointRadar wertet fortlaufend Statusdaten von mehr als 160.000 öffentlich zugänglichen AC- und DC-Ladepunkten in Deutschland aus. Erfasst wird unter anderem, ob Ladepunkte frei, belegt, gestört oder außer Betrieb sind. Daraus entstehen Zeitreihen, mit denen sich Nutzungsmuster über Tage, Wochen und Monate analysieren lassen.
Die Daten zeigen nicht nur Marktanteile nach gestarteten Ladevorgängen, sondern auch Unterschiede zwischen Standorttypen. So werden bei benachbarten und technisch vergleichbaren Schnellladeparks Standorte mit Einkaufsmöglichkeiten deutlich häufiger genutzt als klassische Tankstellenstandorte. Ladeleistung, Erreichbarkeit und Ausstattung können ähnlich sein, der zusätzliche Nutzen während der Ladezeit wirkt sich dennoch messbar auf die Attraktivität aus.
Für Betreiber, Investoren und Standortpartner liefert die Auswertung damit Hinweise darauf, wo Schnellladen bereits heute wirtschaftlich funktioniert, wo Erweiterungen naheliegen und wo Standorte trotz guter technischer Ausstattung hinter ihren Möglichkeiten bleiben.
„Mehr Ladepunkte bleiben wichtig. Aber der Markt braucht nicht nur mehr Infrastruktur, sondern bessere Infrastruktur an den richtigen Orten“, sagt Rupprecht. „Die Daten zeigen, wo das Laden bereits heute wirtschaftlich funktioniert und wo Betreiber nachschärfen sollten.“
Über ChargePointRadar
ChargePointRadar ist ein Analyseangebot für die öffentliche Ladeinfrastruktur in Deutschland. Das System überwacht mehr als 160.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, erfasst Statuswechsel nahezu live und erstellt daraus Auswertungen zu Auslastung, Verfügbarkeit, Nutzungsmustern und Standortqualität. Die Analysen richten sich unter anderem an Betreiber von Ladeinfrastruktur, Projektentwickler, Investoren, Energieversorger, Netzbetreiber, Kommunen, Forschungseinrichtungen und Beratungsunternehmen.