Brand in einem Haus mit Solardachziegeln in Gütersloh
Nach Angaben der Feuerwehr im ostwestfälischen Gütersloh brach das Feuer am Samstag um 13:21 Uhr aus. Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, hatten sich die Flammen bereits unter die Dachkonstruktion ausgebreitet. Die Solardachziegel erschwerten die Löscharbeiten erheblich, insbesondere den Zugang zu versteckten Brandherden unter der Dachhaut.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Photovoltaik-Dachanlagen sind Solardachziegel direkt in die Gebäudestruktur integriert. Bei Löscharbeiten erschwert das sowohl die taktische Dachbelüftung als auch das Entfernen von Dachabschnitten erheblich.
Feuerwehrleute aus den Höhenrettung mussten Solardachziegel manuell und systematisch demontieren, um versteckte Brandherde zu erreichen und ein Wiederentflammen zu verhindern.
Feuerwehrmann nicht lebensbedrohlich verletzt
Die Arbeiten wurden unter Einhaltung strenger Sicherheitsvorschriften durchgeführt, da bei solchen Anlagen eine doppelte Gefahr besteht: das Sturzrisiko bei Demontagearbeiten aus Dachhöhe und die Gefahr durch den erzeugten Strom. Selbst in solchen Gefahrensituationen können Photovoltaik-Anlagen weiterhin Strom erzeugen, wenn sie Sonnenlicht oder Umgebungslicht ausgesetzt sind.
Während des Einsatzes erlitt ein Feuerwehrmann einen Stromschlag durch ein Photovoltaikmodul. Rettungssanitäter versorgten den Feuerwehrmann vor Ort, bevor sie ihn zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus brachten. Nach ersten Angaben der Rettungskräfte waren seine Verletzungen nicht lebensbedrohlich.
Die Feuerwehr Gütersloh berichtete in den sozialen Medien, dass der Einsatz gegen 20:00 Uhr abgeschlossen wurde.
Please login to comment
„Eine PV-Anlage auf der DC-Seite hat in der Regel…“
…ein Potential gegenüber Erde, so es sich um einen Trafolosen Wechselrichter handelt und dieser im MPP Betrieb ist.
Insofern ist dieser Unfallhergang nicht gänzlich auszuschliessen.
Weiter kann aber auch durch die wuselige Verstringung (unter den Ziegeln) sehr wohl ein Stromkreis durch den Feuerwehrmann geschlossen worden sein, wenn an 2 Stellen im String Beschädigungen vorlagen und oder Wasser im Spiel war.
Sicher wird die Unfallkasse der FW sowie externe Brandermittlungsgutachter den Fall versuchen zu rekonstruieren.
Solarziegel sind aber so oder so völlig zurecht ein Exot und werden nicht Massenware werden.
Gruß, Andreas
Stromschlag? Imho sehr unwahrscheinlich – wie soll denn der Stromkreis geschlossen werden? Eine PV-Anlage auf der DC-Seite hat in der Regel keine Bezugserdung wie ein normales 230-V-Netz. Wenn man nur ein einzelnes Modul oder einen einzelnen Leiter berührt, fehlt normalerweise der Rückweg.
Auch im Fehlerfall müsste man für einen relevanten Körperschluss zwei unterschiedliche Potenziale überbrücken: also zum Beispiel Plus und Minus eines Strings, zwei beschädigte Leitungen mit ausreichend Spannungsdifferenz oder ein leitfähiges Bauteil, das durch einen Isolationsfehler tatsächlich mit einem Pol verbunden ist. Nur „PV-Modul angefasst“ reicht dafür technisch nicht.
Bei Solardachziegeln mag es durch viele Steckverbinder, beschädigte Leitungen, Nässe und Brandrückstände unübersichtlicher sein, aber trotzdem bleibt die Frage: Wo genau war der geschlossene Stromkreis? Ohne diese Angabe klingt „Stromschlag durch ein Photovoltaikmodul“ eher nach einer stark verkürzten oder missverständlichen Formulierung. Ich halte einen Krampf für wahrscheinlicher.
Ich mag mich aber auch irren. Wird sowas im Nachhinein untersucht? müsste ja Ein- und Austrittsstellen geben…
Laut anderen Berichten, hat wohl das Demontieren der Solardachziegel nicht gereicht. Das wohl erst kürzlich sanierte Dach wurde am Ende mit einem Bagger komplett abgetragen. Fehler können immer passieren. Ein Dach mit Solardachziegel bietet sehr viele Möglichkeiten für Fehler. Jetzt geht es dort um sehr viel Geld. Solardachziegel dürften kein Massenprodukt werden.
Wann gibt es eine Brandursachenermittlung? Könnten die Solarziegel in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen? Mir ist bekannt, dass defekte Module sowie erhebliche Teil-Verschattung Brände auslösen können.
Das ist natürlich Spekulation. Aber wenn der Brand direkt unterhalb der Module um die Uhrzeit ausbrach, dann ist eine Ursache durch die Solardachziegel ja naheliegend. Da reicht ja schon eine lose Steckverbindung zwischen den Modulen, ein Lichtbogen der dann umliegendes Dämmaterial entzündet… Der Lichtbogen bleibt ja bestehen, selbst wenn man im Keller den Strom abschaltet, oder den String kurzschließt.
Welche Entwicklung kann man für ‚elektrisch nicht/vermindert leitfähige Löschschäume‘ dazu mitteilen?