Empa startet Pilotanlage für neuartiges Power-to-Gas-Verfahren

Der Methanisierungsprozess soll flexibler und robuster sein als bislang angewandte Technologien. Das Verfahren sei besonders attraktiv für die direkte Kopplung mit Photovoltaik- oder Windkraftanlagen.
Empa, (v.l.) Jürg Ardüser, Florian Kiefer, Christian Bach, Methanisierungsanlage, Demonstrator
Erfolgreicher Projektabschluss: Die Demonstrationsanlage am Empa (mit den Mitarbeitern Jürg Ardüser, Florian Kiefer, Christian Bach). | Foto: Empa / Marion Nitsch

Am Schweizer Forschungsinstitut Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) ist mit der Inbetriebnahme einer Methanisierungsanlage der erfolgreiche Abschluss des Projekts „move-MEGA“ gelungen. Erstmals, teilt die Empa mit, werde nun im Pilotmaßstab die sorptionsverstärkte Methanisierung demonstriert. Diese an der Empa entwickelte Technologie könne die Erzeugung von Gas mithilfe von Strom (Power to Gas) – genauer: die Synthese von Methan aus Wasserstoff und CO2 – flexibler und robuster machen. Im Zusammenspiel mit Methan-Pyrolyse sei die Erzeugung von CO2-negativem Wasserstoff möglich und damit die dauerhafte Entfernung von CO₂ aus der Atmosphäre.

Ein entscheidender Vorteil des Verfahrens ist der Empa zufolge seine Lastflexibilität, die eine direkte Energieversorgung des Prozesses auch aus schwankenden Stromquellen erlaubt. Die Demonstrationsanlage zeige, „wie erneuerbarer Solarstrom in direkter Kopplung mit der Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und anschließend mit CO₂ aus der Umgebungsluft zu synthetischem Methan verarbeitet werden kann“. Eine solche direkte Kopplung sei „in dieser Form einzigartig“.

Kernbestandteil der Anlage ist die sorptionsverstärkte Methanisierung (Sorption: Vorgänge, bei denen Anreicherungen eines Stoffes innerhalb einer Phase – Absorption – oder auf der Grenzfläche zwischen zwei Phasen – Adsorption – entstehen). Zeolith-Pellets mit definierter Porengröße fungieren als Katalysatorträger und adsorbieren das bei der Methanisierungsreaktion als Nebenprodukt entstehende Wasser. Hierdurch verschiebt sich das chemische Gleichgewicht zugunsten der Methanentstehung, was wiederum den Ablauf des Prozesses bei relativ niedrigen Drücken und Temperaturen erlaubt. Das entstandene Methan „kann ohne aufwendige Nachreinigung direkt genutzt oder ins Gasnetz eingespeist werden“.

Für einen kontinuierlichen Betrieb sind mindestens zwei Reaktoren erforderlich, um sie jeweils abwechselnd zur Methanerzeugung zu nutzen und regenerieren beziehungsweise trocknen zu können. Diese Trocknung erfordert ein ausgefeiltes Wärmemanagement, „bei dem Abwärme aus der Methanisierung entweder gezielt aus dem Reaktor abgeführt oder im Katalysatorbett gespeichert werden kann“. Das Team um Projektleiter Florian Kiefer und Andreas Borgschulte habe mehr als fünf Jahre an der Transformation der Technologie „aus der Grundlagenforschung über den Labormaßstab bis zu einem funktionsfähigen Demonstrator“ gearbeitet.

Die sorptionsverstärkte Methanisierung und das Wärmemanagement, erläutert Kiefer, ermöglichen gegenüber konventionellen Verfahren höhere Umsätze sowie die bereits erwähnte Lastflexibilität: „Das macht die Technologie besonders attraktiv für die direkte Kopplung mit Photovoltaik- oder Windkraftanlagen.“ Außerdem ist in den Demonstrator eine Anlage zur direkten Abscheidung des für die Methanisierung benötigten CO2 aus der Luft (Direct Air Capture) integriert. Wird das erzeugte Methan nicht direkt genutzt, sondern mittels Methan-Pyrolyse in festen Kohlenstoff und Wasserstoff aufgespalten, ist letzterer damit „CO2-negativ“: Der Kohlenstoff „dient als langfristig CO₂-Senke und kann in Baustoffen wie Beton oder Asphalt zum Einsatz kommen“.

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Kommentare

Johannes
Jul 26, 2025

Manche belächeln solche Pilotprojekte ja als Spielwiese, aber genau dort entsteht oft die Grundlage für langfristige Lösungen. Besonders spannend finde ich die direkte CO₂-Abscheidung aus der Luft, das hätte auch in anderen Bereichen Potenzial, zum Beispiel in Kombination mit einem Whistleblower System, das unethisches Verhalten bei Emissionstricksereien aufdecken könnte. Saubere Technik allein reicht eben nicht, wenn niemand auf die Einhaltung von Regeln achtet.
Wäre es denkbar, solche Systeme in zukünftige Energiegroßprojekte strukturell mit einzubinden?

Dirk Schiller
Jun 18, 2025

Ich lese immer „Power to Gas“, dabei kommt das CO2 von fossilen Brennstoffen. Hier werden fossile Brennstoffe mit Hilfe von Strom in „nicht-fossile Brennstoffe“ umgewandelt. Halleluja.

Damit is quasi jede alte Gasheizung heutzutage erneuerbar, immerhin werden Pumpen und Brenner mit Solar- und Windstrom betrieben. Das bisschen fossilen Brennstoff kann man ja mal unter den Tisch fallen lassen.

Ralf Schnitzler
Jun 18, 2025

„Ein entscheidender Vorteil des Verfahrens ist der Empa zufolge seine Lastflexibilität, die eine direkte Energieversorgung des Prozesses auch aus schwankenden Stromquellen erlaubt.“
Da forscht man 5 Jahre, um das zu schaffen und dann sind die Energiespeicherkosten so brutal gesunken und sinken täglich weiter, dass es sich womöglich gar nicht mehr lohnt und darum überhaupt nicht nötig ist, mit dem volatilen Dargebot aus Wind- und Sonne zu arbeiten.
Nun ja – immerhin ist das Forschungsziel erreicht und das ist ja der Zweck von Forschung.

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Hannes Meurer
Jun 18, 2025

Das „Dargebot“ hat mir den Tag versüßt. Herrliche deutsche Sprache! 😊

Hannes Meurer
Jun 18, 2025

Empa oder Enpal? Oder Empal?

Langsam verliere ich den Überblick! 😅