Statement von Dr. Jürgen Reinert, CEO der SMA Solar Technology AG, zur aktuellen Bedrohungslage und ihre Bedeutung für die Energiepolitik
„Erst im Juli hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt offiziell die Bedrohungslage für Deutschland als „hoch“ eingestuft. Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen nun: Diese Einschätzung ist berechtigt. Unsere kritische Infrastruktur ist in Gefahr.
Dass Bund und Länder ihre Abwehrkapazitäten ausbauen, ist nicht nur angesichts der akuten Lage wichtig und angebracht. Aber wir müssen mehr tun als nur einzelne Einrichtungen und wichtige Knotenpunkte zu schützen. Die Vorbereitung darf nicht allein auf reaktive Maßnahmen begrenzt bleiben. Das Ziel muss lauten: Resilienz.
Energieinfrastruktur ist Kritische Infrastruktur. Der Bund muss seine mittel- und langfristige Energiepolitik auch und gerade durch die Brille der nationalen Sicherheit betrachten und neu denken. Unsere Energieversorgung muss auch im Falle von mehrfachen Ausfällen beispielsweise von Umspannwerken im Wesentlichen intakt bleiben.
Ein solches Ziel ist mit einer Energieinfrastruktur, die auf wenige, in Großkraftwerken angesiedelte Energiequellen konzentriert ist, nicht zu erreichen. Zu groß ist die Gefahr, dass schon bei einem Ausfall oder gar einer Zerstörung nur weniger Anlagen weite Teile des Landes betroffen sind. Dies macht unsere Versorgung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch infrastrukturell zu einem Risiko.
Erneuerbare sind ein zentraler Resilienzfaktor: Durch ihren dezentralen Aufbau sorgen sie dafür, dass die Erzeugungskapazitäten über das ganze Land verteilt sind. Zusätzlich ermöglichen Großbatteriespeicher eine flexible Netzsteuerung mitsamt der Fähigkeit zur Wiederherstellung des Netzes im Falle eines kurzzeitigen Zusammenbruchs.
Flexibilität schafft Resilienz. Unternehmen können und wollen ihren Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten, doch in der Pflicht sind Bund und Länder.“