Schutz vor Hitze und Trockenheit – LEE NRW fordert bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau von Agri-PV

Mit Agri-Photovoltaik (Agri-PV) können landwirtschaftliche Flächen gleichzeitig für den Anbau von Lebensmitteln und die Produktion von Solarenergie genutzt werden. Bei der heutigen Vorstellung der geplanten Agri-PV Anlage bei der Westfarm GmbH in Geilenkirchen wurde der innovative Charakter des Konzepts einmal mehr deutlich.

Auf Ackerflächen der Westfarm GmbH in Geilenkirchen werden demnächst zwei große Agri-PV-Anlagen in Kombination mit einem Grünstrom-Speicher errichtet. Die Anlagen verbinden Landwirtschaft mit der Erzeugung von Solarenergie. „Agri-PV ist für uns eine weitere sinnvolle Ergänzung unserer landwirtschaftlichen Fruchtfolge und Flächen-nutzung. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels können die Anlagen mit ihrer teilweisen Beschattung bei zunehmender Sonneneinstrahlung und häufigeren Hitzeereignissen sogar positive Effekte auf die landwirtschaftliche Produktion haben“, erklären die Westfarm-Geschäftsführer Johann Wilhelm Jaeger und Max Spies von Büllesheim.

Die langanhaltende Dürre und die hohen Temperaturen dieses Sommers stellen die Landwirtschaft vor große Herausforderungen.

Agri-PV bietet als innovative Lösung für die Landwirtschaft die Möglichkeit, durch Teilbeschattung landwirtschaftliche Kulturen vor Extremwitterung zu schützen, die Bodenverdunstung zu mindern, Erträge zu sichern und gleichzeitig einen großen Beitrag zum Ausbau Erneuerbarer Energien zu leisten.

LEE NRW fordert energiepolitische Kurskorrektur

Aus Sicht des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE NRW) kommt dem Ausbau der Agri-Photovoltaik gerade vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung zu.

„Leider hat das Bundeskabinett Ende Juli mit den beschlossenen Gesetzentwürfen zum EEG 2027 und zum begleitenden Netzpaket die Weichen hinsichtlich der Agri-PV völlig falsch gestellt“, so Christian Vossler, LEE NRW-Geschäftsführer.

Die Bundesregierung setze bei der Solarenergie zwar grundsätzlich stärker als bislang auf kostengünstige Freiflächenanlagen. „Die besondere Funktion der Agri-PV als innovative Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen wird in den Gesetzentwürfen jedoch nicht entsprechend berücksichtigt. So soll etwa das Untersegment für besondere Solaranlagen, wie es die Agri-PV ist, wegfallen“, kritisiert Vossler. „Agri-PV-Anlagen haben aufgrund der erforderlichen Unterkonstruktionen Mehrkosten im Vergleich zu herkömmlichen Freiflächen-Solaranlagen. Eine gemeinsame Ausschreibung dieser Anwendungen verhindert das Ausbreiten der Agri-PV und damit auch die Standardisierung von Verfahren sowie langfristige Kostenvorteile.“

Der Verband fordert, den Ausbau der Agri-PV durch klare und einheitliche Regelungen zu erleichtern. Dazu gehören aus Sicht des LEE NRW neben einer bundespolitischen Wende der Energiepolitik insbesondere Erleichterungen im Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Die Westfarm-Geschäftsführer Johann Wilheilm Jaeger und Max Speis von Büllesheim ergänzen: „Wir dürfen Agri-PV nicht durch immer neue Vorgaben und langwierige Genehmigungsverfahren so kompliziert machen, dass Landwirte schon deshalb darauf verzichten, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Genehmigungsbehörden müssen prüfen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen eingehalten werden. Sie sollten aber nicht anfangen, die unternehmerische Sinnhaftigkeit eines landwirtschaftlichen Konzeptes bewerten zu wollen“, so die Geschäftsführer.

NRW muss Anschluss beim Agri-PV Ausbau halten

Aus Sicht des Verbandes hat NRW mit seiner starken Landwirtschaft und einem hohen Energiebedarf zwei Faktoren, die die Agri-PV hier besonders interessant machen. Gleichzeitig ist das Bundesland beim beim Ausbau von Agri-PV bislang nicht so prägend wie andere Bundesländer, beispielsweise Bayern oder Baden-Württemberg.

„Dabei wurde in NRW eine der ersten Agri-PV-Anlagen bereits vor rund 4 Jahren errichtet“, erklärt Edith Seemann, Geschäftsführerin des für die Anlagen in Geilenkirchen zuständigen Investors SUNfarming Projekt GmbH. „Nicht nur die Doppelnutzung von Flächen macht Agri-PV zu einer sehr wichtigen Option für die Energiewende“, so Seemann. „Mit dem künftig mit der Anlage der Westfarm GmbH gekoppelten Batteriespeicher kann der erzeugte Grünstrom zwischengespeichert und zeitlich flexibel verfügbar gemacht werden. Dadurch lassen sich vorhandene Netzanschlüsse effizienter nutzen und Erneuerbare Energien besser in das Stromsystem integrieren.“

Agri-PV kann für unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe und Nutzungsformen angewendet werden. „Gerade das erhöht ganz entscheidend die Akzeptanz der Agri-PV und der Erneuerbaren insgesamt“, resümieren Seemann und Vossler abschließend.

Der LEE NRW setzt nach den Kabinettsbeschlüssen Ende Juli zur EEG-Novelle und dem Netzanschlusspaket nun auf das parlamentarische Verfahren, um die notwendigen Änderungen an den Gesetzesvorhaben zu bewirken.