Mieterstrom-Pilotprojekt im Kärntnerviertel: GWW Wiesbaden und Stadtwerke setzen mit metergrid auf ein gemeinsames Messkonzept
Stuttgart / Wiesbaden, 30. September 2026 – Im Wiesbadener Kärntnerviertel versorgt seit Kurzem eine Photovoltaikanlage 32 Wohneinheiten der GWW Wiesbaden mit lokal erzeugtem Solarstrom. Das Mieterstromprojekt im 4. Bauabschnitt des Quartiers ist ein Pilotprojekt für gleich zwei Partner: für das kommunale Wohnungsunternehmen GWW und für die Stadtwerke Wiesbaden, mit denen das Mess- und Abrechnungskonzept als virtuelles Summenzählermodell neu aufgesetzt wurde. Die operative Umsetzung – von der Abrechnung bis zur Mieterkommunikation – verantwortet das Mieterstrom-Unternehmen metergrid.
Solarstrom für 32 Haushalte – rund 20 Prozent günstiger
Die Anlage auf dem Mehrfamilienhaus leistet 47 kWp und erzeugt jährlich rund 42.000 Kilowattstunden Strom. Die teilnehmenden Haushalte beziehen diesen Strom rund 20 Prozent gegenüber der Grundversorgung und das komplett ohne eigene Investition und ohne Aufwand bei der Abrechnung. Ein teilnehmender Durchschnittshaushalt spart damit rund 150 Euro pro Jahr. Betrieben wird das Modell über die Servicegesellschaft der GWW, so dass die Wertschöpfung im Wohnungsunternehmen bleibt.
Zum Start nehmen rund 30 Prozent der Haushalte teil, mit steigender Tendenz. Der Eigenverbrauch (aktuell ca. 40 Prozent) wächst mit jeder weiteren Teilnahme. Ein typischer Verlauf, bei dem die Wirtschaftlichkeit eines Mieterstromprojekts über die Zeit zunimmt.
Die größte Hürde ist die Abrechnung – gelöst mit den Stadtwerken
Die größte bürokratische Hürde bei Mieterstrom ist nicht die Technik auf dem Dach, sondern die Abrechnung. Im Kärntnerviertel kommt dafür ein virtuelles Summenzählermodell zum Einsatz, das gemeinsam mit den Stadtwerken Wiesbaden als grundzuständigem Messstellenbetreiber (gMSB) realisiert wurde. Intelligente Messsysteme (Smart Meter) liefern die fernausgelesenen Verbrauchsdaten, die rechnerisch zusammengeführt werden. Die Abrechnung übernimmt metergrid als Kombination aus Software und Dienstleistung im Rahmen von metergrid Plus – automatisiert, transparent und rechtssicher nach EnWG.
Stimmen zum Projekt
„Unser Ziel ist es, unseren Mieterinnen und Mietern einen einfachen Zugang zu lokal erzeugtem und nachhaltigem Strom zu ermöglichen. Gemeinsam mit metergrid konnten wir ein Mieterstrommodell umsetzen, das die technischen und wirtschaftlichen Anforderungen berücksichtigt und den Bewohnerinnen und Bewohnern eine zusätzliche Versorgungsoption bietet“, sagt Jürgen Schuld, Leiter Finanzen und Prokurist bei der GWW Wiesbaden.
„Die gemeinsame Projektarbeit hat gezeigt, dass erfolgreiche Mieterstromprojekte weit mehr brauchen als eine gute technische Idee: Entscheidend sind Umsetzungssicherheit, Datenqualität und enge Abstimmung. Besonders wertvoll war die partnerschaftliche Zusammenarbeit, in der wirtschaftliche Transparenz und technische Machbarkeit konsequent zusammen gedacht wurden“, sagt Julian Schulz, Co-Gründer von metergrid.
Das Pilotprojekt im Kärntnerviertel liefert nützliche Erkenntnisse für künftige Mieterstromprojekte:
- Stabile und vollständige Messdaten sind die Grundlage für Abrechnung, Transparenz und Wirtschaftlichkeit.
- Technische Inbetriebnahme, Messkonzept, Gateway-Betrieb, Vermarktung und Belieferungslogik müssen parallel vorbereitet werden.
- Die Teilnehmergewinnung muss früh beginnen und eng mit dem technischen Rollout verzahnt sein.
- Feste Ansprechpartner auf beiden Seiten und ein Koordinator auf Kundenseite, der die beteiligten Abteilungen zusammenbringt, halten das Projekt im Takt.
- Standardisierbare, kleinere Projekte lassen sich schneller und robuster umsetzen; größere oder technisch komplexere Vorhaben brauchen mehr Vorabklärung und Abstimmung mit externen Partnern.
- Transparente Wirtschaftlichkeitsrechnungen und nachvollziehbare Variantenvergleiche schaffen Vertrauen und erleichtern Entscheidungen auf Kundenseite.
- Mieterstromprojekte entscheiden sich vor allem an der operativen Umsetzung, nicht allein an der Planung.
Blaupause für weitere Quartiere
Das Projekt im Kärntnerviertel zeigt, dass Mieterstrom im Bestand kommunaler Wohnungsunternehmen wirtschaftlich und operativ funktioniert. Vorausgesetzt, dass Wohnungsunternehmen, Stadtwerke und ein spezialisierter Dienstleister ihre Rollen klar verteilen. Das gemeinsam mit den Stadtwerken Wiesbaden etablierte Messkonzept ist auf weitere Gebäude übertragbar. Die GWW und metergrid realisieren bereits weitere Bauabschnitte und Quartiere. Mit jedem neuen Projekt profitieren mehr Haushalte von günstigem Solarstrom vom eigenen Dach. So kommt die Energiewende dorthin, wo mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt: ins Mehrfamilienhaus.
Energie-Entscheider-Forum in Frankfurt am 20. Oktober
Nähere Informationen zum Projekt im Kärntnerviertel gibt es auch beim anstehenden Energie-Entscheider-Forum am 20. Oktober in Frankfurt. Jörn Knögel von der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW und metergrid Gründer Julian Schulz beantworten dort gern mögliche Fragen von Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft zu dem Projekt.
20.10. im OutOfOffice, Bockenheimer Landstraße 94–96, Frankfurt
Anmeldung und weitere Informationen zur Veranstaltung unter: metergrid.de/event-ffm.