European Survey 2026: Vertrauen in Energieversorgung bricht ein – Sorge vor dem Klimawandel steigt in Europa
Der European Survey 2026 ist die vierte Ausgabe einer seit 2023 erhobenen Studienreihe der E.ON Foundation. Sie ermöglicht es, Einstellungen der Menschen zu Klimawandel und Energiewende im Zeitverlauf nachzuvollziehen. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wurden dafür Menschen in elf europäischen Ländern befragt.
Zentrale Erkenntnisse
- Vertrauen in die Stabilität der Energieversorgung sinkt deutlich: Das Vertrauen in eine stabile Energieversorgung hat europaweit spürbar abgenommen – besonders in Ländern, die von großflächigen Stromausfällen betroffen waren: In Deutschland sank das Vertrauen um 10 Prozentpunkte auf 50%, in Spanien sogar um 13 Prozentpunkte auf 56%.
- Besorgnis über die Folgen des Klimawandels steigt nach zwischenzeitlichem Rückgang wieder an: Die Sorge, dass der Klimawandel die Lebensqualität kommender Generationen drastisch einschränken wird, hat sich in allen untersuchten Ländern intensiviert. Europaweit liegt der Anteil inzwischen bei 75% (Vorjahr: 71%).
- Erneuerbare Energien werden als wirtschaftliche Chance gesehen – Deutschland zeigt sich jedoch skeptisch: Europaweit trauen 67% der Befragten den Erneuerbaren langfristig zu, zur wirtschaftlichen Stabilität beizutragen (Vorjahr: 45%). In Deutschland teilen diese Einschätzung jedoch nur 48% (Vorjahr: 41%).
- Wunsch nach stärkerem staatlichen Handeln nimmt zu: Nach einem Rückgang in den Vorjahren fordern nun 82% der Befragten entschlosseneres Handeln ihrer Regierung im Klimaschutz. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft, durch eigenes Verhalten zur Transformation beizutragen.
Wachsende Unsicherheit trifft auf steigende Erwartungen
Europa erlebt eine Gleichzeitigkeit von wachsender Zukunftsangst und erodierendem Systemvertrauen. Besonders besorgniserregend ist der Einbruch des Vertrauens in die Stabilität der Energieversorgung. Nach Ausfällen wie in Berlin glaubt in Deutschland nur noch jeder Zweite an ein krisenfestes Netz. Diese Entwicklung kann die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende langfristig belasten.
Dieses geringe Vertrauen in Deutschland zeigt sich auch in anderen Bereichen: Während erneuerbare Energien europaweit als ökonomische Chance wahrgenommen werden, ist die Skepsis hierzulande weiterhin vergleichsweise hoch. Damit droht Deutschland hinter die Dynamik anderer europäischer Länder zurückzufallen.
Angesichts von Stapelkrisen und finanzieller Verunsicherung fordern 82% der Europäerinnen und Europäer eine entschlossene staatliche Steuerung im Energiesektor. Die Transformationserwartung wird an die Politik delegiert, während die individuelle Akzeptanz im Alltag schwindet. Für die politische Praxis bedeutet dies, dass der geforderte staatliche Klimaschutz unter den Bedingungen einer schwindenden gesellschaftlichen Eigenverantwortung realisiert werden muss.
„Wir erleben eine wachsende Skepsis gegenüber einfachen Heilsversprechen in der Klimapolitik“, sagt Stephan Muschick, Geschäftsführer der E.ON Foundation. „Das Problembewusstsein für den Klimawandel hat sich durch Krisen aber vor allem durch die Sorge um nachfolgende Generationen emotional weiter vertieft. Doch im Alltag der Menschen zeigt sich eine deutliche Verzichtsmüdigkeit. Sie erwarten stärker als zuvor, dass Lösungen sozial verträglich wie finanziell berechenbar bleiben und die Politik einen verlässlichen Rahmen vorgibt.“
Über die Studie
Der European Survey 2026 ist eine repräsentative Studie der E.ON Foundation. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wurden im Zeitraum vom 27. März bis 07. April 2026 und vom 04. Mai bis 22. Mai 2026 (Themen Wohlstand / finanzielle Überforderung) je 1.000 Personen ab 18 Jahren in Deutschland, Vereinigtes Königreich (UK), Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Niederlande, Tschechien, Schweden, Ungarn (500 Personen), Slowakei (500 Personen) quantitativ online befragt.