Erlöspotenzial von PV-Grünstromspeichern steigt im Jahresvergleich
Solarstrom wird häufig dann erzeugt, wenn er an der Strombörse besonders günstig ist. Eine neue Auswertung der OHANA Invest GmbH zeigt, wie stark ein integrierter Grünstromspeicher den zeitlichen Wert dieses Stroms verändern kann: Statt den Solarstrom unmittelbar im günstigen Mittagsfenster zu verkaufen, wird er gespeichert und erst in einem höherpreisigen Abendfenster eingespeist.
Für den direkten Jahresvergleich wurden die Day-Ahead-Preise des ersten Halbjahres 2025 und 2026 auf identischer Stundenbasis ausgewertet. Der durchschnittliche Preis im gewählten Ladefenster blieb mit 3,65 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2025 und 3,81 Cent im Jahr 2026 nahezu unverändert. Der durchschnittliche Verkaufspreis im Abendfenster stieg dagegen von 15,26 auf 16,64 Cent je Kilowattstunde.
Damit erhöhte sich der durchschnittliche Brutto-Preisspread von 11,61 auf 12,83 Cent je verschobener Kilowattstunde. Das entspricht einem Anstieg von rund elf Prozent. Der Zuwachs wurde somit nicht in erster Linie durch noch niedrigere oder negative Mittagspreise verursacht, sondern vor allem durch höhere Verkaufspreise am Abend.
Positiver Preisabstand an allen 181 Tagen
Seit dem 1. Oktober 2025 wird der deutsche Day-Ahead-Markt in Viertelstunden statt ausschließlich in Stunden gehandelt. Für das erste Halbjahr 2026 konnte OHANA deshalb zusätzlich die native Viertelstundenauflösung untersuchen.
Dabei lag der durchschnittliche Preis im ausgewählten Ladefenster bei 3,66 Cent je Kilowattstunde und der durchschnittliche Verkaufspreis im Abendfenster bei 17,12 Cent. Daraus ergab sich ein durchschnittlicher Brutto-Preisspread von 13,46 Cent je Kilowattstunde. An allen 181 Tagen des ersten Halbjahres lag der ausgewählte Abendpreis über dem Preis des Ladefensters.
Die feinere Viertelstundenauflösung erhöhte den modellierten Preisabstand innerhalb des Jahres 2026 gegenüber der Stundenbetrachtung um weitere rund fünf Prozent. Zusammen mit der Marktentwicklung lag der native Viertelstundenwert 2026 damit etwa 16 Prozent über dem Stundenwert des ersten Halbjahres 2025. Dieser kombinierte Unterschied darf allerdings nicht als reiner Jahreseffekt verstanden werden, da er sowohl die Marktentwicklung als auch die feinere zeitliche Auswahl enthält. Besonders ausgeprägt war der Effekt von März bis Juni 2026. In diesem Zeitraum erreichte der durchschnittliche Brutto-Preisspread 17,89 Cent je Kilowattstunde. Im Januar und Februar waren es durchschnittlich 4,31 Cent.
Negative Preise sind keine Voraussetzung
Ein Extrembeispiel lieferte der 1. Mai 2026: Im ausgewählten Ladefenster fiel der Durchschnittspreis auf minus 49,86 Cent je Kilowattstunde, während das Abendfenster bei 18,32 Cent lag. Daraus entstand ein Brutto-Preisspread von 68,18 Cent je Kilowattstunde.
Dass der Mechanismus nicht von negativen Strompreisen abhängig ist, zeigt der 24. Juni. An diesem Tag lag das Ladefenster mit 6,82 Cent deutlich im positiven Bereich. Der durchschnittliche Abendpreis erreichte dennoch 68,16 Cent je Kilowattstunde – ein Preisabstand von 61,34 Cent.
„Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, wie viele Kilowattstunden ein Solarpark erzeugt, sondern wann er sie verkauft“, sagt Thomas Haberl, Gründer und Geschäftsführer von OHANA Invest. „Ein Grünstromspeicher macht aus günstigem Mittagsstrom steuerbare Energie für die höherpreisigen Abendstunden. Genau deshalb sind Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit integriertem Grünstromspeicher aktuell unsere Topempfehlung im Bereich der erneuerbaren Direktinvestments.“
Day-Ahead-Handel ist nur ein Erlösbaustein
Die Auswertung betrachtet ausschließlich die zeitliche Verschiebung des eigenen PV-Stroms im Day-Ahead-Markt. Weitere mögliche Erlösbausteine wie Intraday-Handel und Regelleistung werden im Whitepaper erläutert, aber nicht quantifiziert.
Auch die tatsächliche Auslegung des Systems bleibt entscheidend. Speicherleistung, Speicherdauer, verfügbare PV-Erzeugung, Netzanschluss und Vermarktungsstrategie bestimmen darüber, welcher Teil des theoretischen Preisabstands praktisch genutzt werden kann.
Eine Sensitivitätsrechnung mit einem angenommenen Round-Trip-Wirkungsgrad von 87 Prozent reduziert den durchschnittlichen Preisabstand im ersten Halbjahr 2026 von 13,46 auf 11,24 Cent je Kilowattstunde. Von März bis Juni blieb der bereinigte Wert dennoch an allen 122 betrachteten Tagen positiv.
„Ein Speicher erzeugt nicht automatisch Rendite“, betont Haberl. „Er muss technisch zum Solarpark, zum Netzanschluss und zur Vermarktung passen. Wenn diese Bausteine sinnvoll zusammenspielen, entsteht aber eine neue Generation von Solarparks, die ihren Strom nicht einfach nur produziert, sondern gezielt dann verkauft, wenn er mehr wert ist.“
Die Untersuchung basiert auf den über netztransparenz.de veröffentlichten Spotmarktpreisen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Die jeweils günstigsten Preisintervalle im Solarfenster zwischen 9 und 17 Uhr wurden den teuersten Intervallen des Abendfensters zwischen 17 und 23 Uhr gegenübergestellt.
Bei den Ergebnissen handelt es sich um eine historische Ex-post-Betrachtung. Technische Verluste, Vermarktungsgebühren, Degradation, Nichtverfügbarkeiten sowie die tatsächlich verschiebbare Energiemenge sind nicht berücksichtigt. Die gesonderte Sensitivitätsrechnung bildet davon ausschließlich den angenommenen Round-Trip-Wirkungsgrad ab. Die Werte stellen deshalb keine Renditezusage und keine vollständige Wirtschaftlichkeitsberechnung eines konkreten Projekts dar.
Whitepaper kostenfrei verfügbar
Das vollständige achtseitige Whitepaper „Was die zeitliche Verschiebung von PV-Strom im Day-Ahead-Markt bewirkt“ enthält den Jahresvergleich, die Viertelstundenanalyse, konkrete Tagesbeispiele, Sensitivitätsrechnungen und die vollständige Methodik.
Die OHANA Invest GmbH aus Regensburg vermittelt privaten Investoren Direktinvestments in Photovoltaik-Freiflächenanlagen und integrierte Grünstromspeicher. Der Fokus liegt auf transparent kalkulierten Sachwertinvestments mit professioneller technischer und kaufmännischer Betriebsführung sowie langfristiger Wertschöpfung in Deutschland.