Drei Jahre Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende – die SMI zieht Bilanz

Als das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GDEW) des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck heute vor drei Jahren in Kraft trat, waren Smart Meter in der deutschen Öffentlichkeit noch ein Nischenthema, während andere europäische Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen oder die Niederlande teilweise schon vor Jahren 100 Prozent Smart-Meter-Abdeckung erreichten. 2026 steuert Deutschland auf […]

Als das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GDEW) des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck heute vor drei Jahren in Kraft trat, waren Smart Meter in der deutschen Öffentlichkeit noch ein Nischenthema, während andere europäische Länder wie Dänemark, Schweden, Norwegen oder die Niederlande teilweise schon vor Jahren 100 Prozent Smart-Meter-Abdeckung erreichten.

2026 steuert Deutschland auf ein neues Rekordjahr von negativen Strompreisen zu – und die Themen Smart Meter und dynamische Stromtarife werden inzwischen breit in der Öffentlichkeit diskutiert.

Waren 2023 in deutschen Haushalten noch so gut wie keine Smart Meter verbaut, zeigen die jüngsten verfügbaren Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) von Ende 2025 zufolge zuletzt immerhin eine Gesamtrolloutquote von 5,5 Prozent. Für die SMI sind die drei Jahre seit Inkrafttreten des Gesetzes Anlass für eine Zwischenbilanz des Rollouts in Deutschland.

Knapp 600 MSB mit weniger als 30.000 Messstellen: Wir brauchen die Konsolidierung!

Der Blick auf den Smart-Meter-Atlas der SMI zeigt: die größeren grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB) tun sich im Schnitt deutlich leichter mit dem Rollout als die vielen kleinen. Große Messstellenbetreiber wie Stromnetz Berlin und Westnetz haben die Pflicht-Rollout-Quote von 20 Prozent zum vierten Quartal 2025 von 20 Prozent mehr als überfüllt. Die beiden genannten MSB haben die Smart-Meter-Pflicht bereits in  mehr als der Hälfte der Haushalte, für die sie zuständig sind, umgesetzt.

Auf der anderen Seite stehen 77 oft sehr kleine Messstellenbetreiber, die noch kein einziges intelligentes Messsystem ausgerollt haben und unzählige, überwiegend kleine, die die 20-Prozent-Quote nicht erfüllt haben.

Die schlechte Nachricht: Die Kleinteiligkeit der deutschen Mess- und Netzbetreiber bremst den Smart-Meter-Rollout massiv. Die BNetzA zählte zuletzt 599 Messstellenbetreibern mit weniger als 30.000 Messstellen. Diese Kleinteiligkeit wirkt sich strukturell nachteilig aus: Unter diesen 599 kleinen Messstellenbetreibern wurde das Ziel der Pflicht-Rollout-Quote mit einem Schnitt von 14,6 Prozent klar verfehlt.

Die gute Nachricht: Die Konsolidierung hat begonnen, Fusionen von Stadtwerken nehmen zu: Kürzlich kündigten drei kleine Stadtwerke in der Pfalz ihren Zusammenschluss für Anfang 2027 an, in Thüringen bahnt sich eine weitere Fusion an.

„Aus Branchenkreisen ist immer wieder zu hören, dass es mindestens 500.000 Messstellen braucht, damit sich die Investitionen lohnen. Die in Europa fast einzigartige Kleinteiligkeit des deutschen Messstellenbetriebs ist daher aus ökonomischen Gründen eine strukturelle Bremse des Rollouts“, sagt Matthias Martensen, Co-Founder von Ostrom, Mitglied der SMI.

Dynamische Tarife müssen der Standard werden

„Mittelfristig sollten dynamische Stromverträge zum Standard werden, zumindest in Eigenheimen mit E-Auto, Wärmepumpe und Batteriespeichern“, sagt  Matthias Martensen. Zwar können schon heute Haushalte durch dynamische Tarife individuell enorme Stromkosten sparen – das volkswirtschaftliche Einsparpotenzial für das Gesamtsystem unter anderem durch weniger Netzausbaukosten entfaltet sich aber erst bei einem breitflächigen Rollout.

Die schlechte Nachricht: Obwohl seit 2025 alle Stromanbieter in Deutschland einen dynamischen Stromtarif anbieten müssen, existieren viele dieser Angebote nur auf dem Papier. Oft werden sie versteckt und sind unattraktiv ausgestaltet. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Haushalte steckt noch in einem Fixtarif – darunter sogar einige Haushalte, die bereits mit einem Smart Meter ausgestattet sind.

Die gute Nachricht: Vor drei Jahren waren dynamische Stromtarife in Deutschland noch die Ausnahme. Laut einer Erhebung des vzvb von 2022 nutzten nur zwei Prozent der deutschen Haushalte dynamische Stromtarife – 2024 waren es laut vzbv-Umfrage bereits 7 Prozent. Gleichzeitig stieg das Interesse von 45 auf 60 Prozent.

„Das sprunghafte Wachstum ist ein guter Anfang – mittelfristig aber müssen die dynamischen Stromtarife zum Standard werden. Wenn finanzielle Anreize fehlen, verschiebbare Verbräuche in günstige und grüne Stunden zu verlegen, läuft die Wirkung der Smart Meter ins Leere“, sagt  Matthias Martensen.

Wir brauchen dynamische Netzentgelte

„Damit für Haushalte finanzielle Anreize bestehen, mit ihrem Verbrauchsverhalten die Netze zu entlasten, brauchen wir neben dynamischen Strompreisen auch dynamische Netzentgelte“, sagt Matthias Martensen.

Die schlechte Nachricht: Echte dynamische Netzentgelte, bei denen die Netzbetreiber die Netzgebühren von der tatsächlichen aktuellen Auslastung abhängig machen, lassen auf sich warten. Dafür fehlt den Netzbetreibern oft sowohl die IT-Infrastruktur als auch die notwendigen Daten durch flächendeckend Smart Meter.

Die gute Nachricht: Durch die Umsetzung von Modul 3 des § 14a EnWG 2026 sind zumindest zeitvariable Netzentgelte endlich Realität auf den Preisblättern geworden und bieten echten finanziellen Rückenwind: Wer steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie eine Wärmepumpe oder eine Wallbox besitzt, kann seine Kosten durch das Verschieben des Verbrauchs drastisch senken. Die Netzbetreiber bieten in Phasen schwacher Auslastung – meistens in den tiefen Nachtstunden – extrem reduzierte Netzentgelte an.