KI im Stromnetz: „Wir sind noch lange nicht beim Replace“
pv magazine: Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Inwiefern ist sie auch im Netzbetrieb bereits ein Thema?
Thomas Dederichs: Sie wird sehr schnell zu einem immer größeren Thema. Wir unterscheiden dabei drei Bereiche. Zum einen klassische Anwendungen wie ChatGPT, Copilot oder Deepl, die wir nutzen, um unsere rund 3500 Mitarbeitenden bei Alltagsprozessen zu unterstützen. Zum zweiten energiewirtschaftliche Standardprozesse, etwa Regelenergieprognosen, bei denen wir bereits KI-Methoden einsetzen, um die Güte der Vorhersagen zu verbessern, beispielsweise indem die KI unterschiedliche Wetterdaten berücksichtigt. Und zum dritten strategische Zukunftsthemen, unsere sogenannten „Big Bets“. Dazu gehört die Leitwarte der Zukunft.

Was sind für Sie „Big Bets“?
Die Dynamik im Stromsystem nimmt zu. Ein oft genanntes Beispiel ist der Blackout in Spanien.In dieser Situation mussten die Kolleginnen und Kollegen in kürzester Zeit reagieren und Entscheidungen treffen. Im Netzbetrieb gilt heute noch der Grundsatz, dass der Mensch die letzte Entscheidung trifft. Ich vergleiche das gerne mit autonomen Fahrzeugen: Es gibt die Stufen Advice, Assist und Replace. Im Netzbetrieb sind wir derzeit klar bei Advice und Assist. KI kann unterstützen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die Verantwortung bleibt aber beim Menschen. Gleichzeitig steigt die Zahl der Schalthandlungen und die Komplexität des Systems. Deshalb müssen wir uns fragen, welche Aufgaben KI künftig übernehmen oder unterstützen kann.
Wann könnte das Realität werden, dass die KI in der Leitwarte das Kommando übernimmt?
Das sind langfristige Entwicklungen. Viele Fragen sind regulatorischer Natur und müssen gemeinsam mit Behörden, Regulierern und europäischen Partnern geklärt werden. Bei manchen Themen reden wir eher über fünf bis zehn Jahre als über die nächsten ein oder zwei Jahre.
Welche Rolle könnte KI künftig im Zusammenspiel von Netz und Markt spielen?
Wir gehen davon aus, dass sich die Schnittstelle zwischen Netz und Markt grundlegend verändern wird. Früher hatten wir einige Hundert große Kraftwerke. Heute gibt es bereits über 1200 Bilanzkreisverantwortliche und künftig möglicherweise Zehntausende Akteure sowie immer mehr Speicher und Prosumer. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten, Marktanreize intelligenter mit den Bedürfnissen des Netzes zu verknüpfen. Statt relativ grober Instrumente könnten deutlich feinere Steuerungsansätze entstehen, etwa indem Speicher gezielt netzdienlich eingesetzt werden.
Hilft KI auch dabei, die Energieflüsse im Netz besser sichtbar zu machen, also auch das Thema Digitalisierung voranzutreiben?
Im Übertragungsnetz haben wir bereits heute eine sehr hohe Transparenz. KI kann uns dabei helfen, die Sichtbarkeit auch bis hinunter in die Verteilnetze noch weiter zu verbessern. Gleichzeitig gewinnen intelligente Schaltkonzepte an Bedeutung. Durch gezielte Schalthandlungen lassen sich Netzflüsse verändern und Redispatch-Maßnahmen reduzieren. Das wird in einem immer dynamischeren System herausfordernder. Ob jemand zehn, hundert oder tausend Schalthandlungen pro Stunde ausführen soll, macht einen enormen Unterschied. Genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, bei welchen Aufgaben die Verantwortlichen in der Leitwarte künftig von KI unterstützt werden können.
Kann KI bei Extremsituationen oder Sicherheitsvorfällen, wie unlängst an den Umspannwerken der Übertragungsnetzbetreiber, helfen und diese vielleicht sogar verhindern?
Resilienz ist eines der spannendsten Anwendungsfelder für KI. Hier kann KI einen Beitrag leisten, indem sie dabei unterstützt, große Datenmengen in kurzer Zeit auszuwerten und komplexe Situationen einzuordnen. Insbesondere bei seltenen oder außergewöhnlichen Ereignissen, für die nur wenige Erfahrungswerte im Realbetrieb vorliegen, kann sie eine wertvolle Entscheidungshilfe sein.
Veranstaltungshinweis
Was kann Künstliche Intelligenz für das Energiesystem konkret leisten und wo liegen ihre Grenzen? Am 22. und 23. September 2026 findet der AI Energy Summit vom Veranstalter Conexio-PSE beim Gastgeber Meteocontrol in Augsburg statt: Eine Fachkonferenz für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die genau diese Frage für die Praxis von Erzeugung, Netzbetrieb, Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle beantworten wollen.
Aber auch die KI muss dafür mit sehr verschiedenen Szenarien trainiert werden?
Richtig. Unsere Netzführer trainieren heute bereits in hochrealistischen Simulatoren. Eine KI kann theoretisch Millionen von Szenarien durchspielen und dadurch sehr viel schneller lernen. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wo die Maschine einen echten Mehrwert liefert und wo menschliche Erfahrung unverzichtbar bleibt.
Glauben Sie die KI kann in solchen Fällen den Menschen ersetzen?
Unsere Netzführer verfügen über enorme Erfahrungen und Wissen. Aber bei außergewöhnlichen Ereignissen stößt auch Erfahrung irgendwann an Grenzen. KI könnte helfen, Muster zu erkennen oder Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die nicht unmittelbar offensichtlich sind. Das erinnert an „AlphaGo“: Die KI hat Züge entdeckt, die jahrhundertelang niemand in Betracht gezogen hatte. KI ersetzt den Menschen nicht, kann aber zusätzliche Perspektiven eröffnen.
Sie sehen die KI auf absehbare Zeit eher als Hilfsinstrument?
Ja, genau. KI kann schon in der Rolle als Berater oder Assistenzsystem enormen Mehrwert stiften. Aber wir sind noch lange nicht beim Replace. Gerade im Übertragungsnetz gilt weiterhin: Wir nutzen jede Unterstützung durch IT und KI, die uns hilft. Gleichzeitig braucht es immer eine funktionierende Rückfallebene durch den Menschen. Als Übertragungsnetzbetreiber tragen wir eine besondere Verantwortung. Deshalb gehen wir das Thema mit einer bedachten und besonders sorgfältigen Grundhaltung an.
Bei KI sollte man ja auch immer kritisch bleiben, auch ihr können Fehler unterlaufen. Wie sehen Sie das?
Absolut. Deshalb reden wir über lange Einführungsphasen mit Tests, Begleitbetrieb und Validierung. Unser Stromsystem ist grundsätzlich fehlertolerant ausgelegt. Es gibt immer Redundanzen, Rückfallebenen und Sicherheitsmechanismen. Das gilt auch für mögliche KI-Anwendungen.
Die Verantwortung bleibt aber letztendlich beim Menschen?
Genau. Im Übertragungsnetz gelten extrem hohe Zuverlässigkeitsanforderungen. Deshalb müssen neue Technologien sehr gründlich getestet werden. Hinzu kommt die Frage der Trainingsdaten. Wir verfügen zwar über jahrzehntelange Betriebsdaten, diese stammen aber aus einem Energiesystem, das noch von Großkraftwerken geprägt war. Die Energiewelt der Zukunft mit Millionen dezentraler Einspeiser sieht anders aus. Simulationen und KI helfen uns dabei Prozesse zu verbessern, aber das Urteilsvermögen und die Erfahrung unserer Experten bleibt unverzichtbar.
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Märkte & Politik.
Wenn KI irgendwo sinnvoll wirken kann , dann in der zunehmend dezentralen Strominfrastruktur. Ohne Menschen wird es aber auch auf lange Zeit auch im Stromnetz nicht sicher zugehen. Die intuitiven Fähigkeiten der gegenwärtigen KI werden massiv überschätzt, wie immer eben wenn die „Jungs aus der Doppelgarage“ im Silikon Valley wieder mal von der Weltherrschaft zu ihren Gunsten und Bedingungen träumen…
Nichtsdestotrotz ist die Existenz und die Weiterentwicklung höherwertiger neuronaler KI ein Impact biblischen Ausmaßes , welcher das Leben und Zusammenleben der Menschheit komplett durcheinanderwirbeln wird.
Aus meiner persönlichen Sicht muss man sich zukünftig entscheiden, ob man sich wirklich zu 99,999 % digital durchleuchten lassen möchte , was so ziemlich alle Tätigkeiten des eigenen Lebens betrifft,.Oder die berühmte Hütte im Wald baut , um sich dort der Überwachung zu entziehen, und sich frei und glücklich von Baumrinden und Beeren ernährt. Ich denke da wird zukünftig nicht mehr viel
dazwischen möglich sein.
Der gegenwärtige Tankrabatt nach Gießkannensystem ist aus meiner Sicht so herrlich
altmodisch , dass es beinahe unglaublich ist.
Hat der Deutsche Staat nicht zig Millionen Einkommensteuererklärungen, die auf den Euro genau die weiße Finanzlage der Staatsbürger*innen
über Jahrzehnte dokumentieren , in seinen Leitz-Ordnern und Röhren-Rechnern ?
Einen nachgelagerten individuellen Tankzuschuss per Steuergutschrift ,welcher die Einkommens- und Vermögensverhältnisse berücksichtigt, würde jeder MEDION – Rechner in einigen Minuten ausrechnen können. Eine einfache MIN und MAX Vorgabe von Seiten der Politik würde genügen.
Deutschland ist gefühlt die einzige Nation auf diesem Planeten, die Bürgern das Recht auf vollständige Nichtanwendung der eigenen , manchmal schmalen , manchmal breiten , Intelligenz einräumt. Wenn ich als Deutscher Staatsbürger nicht mal die ELSTER Funktion des Finanzamtes lernen möchte, was will ich dann überhaupt noch können? Wozu ist man denn zur Schule gegangen, und hat Lesen , Schreiben und Rechnen gelernt? Wieso immer diese Abneigung dem Finanzamt gegenüber, selbst bei Menschen die ansonsten jede noch so aufwändige 2- Faktor Authentifizierung mal eben so aus dem Handgelenk schütteln. Eine langmütigere und verzeihendere Behörde wie das Deutsche Finanzamt gibt es ja fast gar nicht ,was das Einhalten von Fristen betrifft.
Ich bin für die Pflicht, dass jeder Mensch ab 16 Jahren jährlich eine ELSTER Einkommensteuererklärung abgeben muss . Ganz egal ob diese nun zu Finanztransfers führt oder nicht. Wenn Big Tech irgendein neues Devive rausbringt…..Aber Hallo ! Da ist der Geist plötzlich wach , und jede Funktion wird erforscht und erlebt.
Wer in Deutschland ALG 2 bezieht, ist dem Wortlaut nach ohne Arbeit und bekommt Finanzhilfe. Nach dem Wortlaut ist der/die Betreffende auf der Suche nach Arbeit. Nun braucht man in Deutschland aber doch eine Mindestintelligenz , auch für die Arbeiten die kein Studium erfordern. Und diese Anforderung ist weit höher , als das Ausfüllen einer ELSTER – Steuererklärung.
Wie auch immer sich die KI weiterentwickelt, es wird der Menschheit nicht das sagenumwobene Schlafraffenland bringen , in welchem einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, und die eigene Wohnung von einem geschenkten humanoiden Roboter aufgeräumt wird. Es bleiben Finanzströme, die Pflicht zur geistigen Entwicklung und eine Loyalitätspflicht dem zukünftigen, hoffentlich gerechteren , Gesellschaftssystem gegenüber.