Stadtwerke unsicher über Einstieg in Direktvermarktung kleiner Photovoltaik-Anlagen
Nach den Plänen der Bundesregierung für die EEG-Novelle werden Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt ab Januar keinen Anspruch mehr auf 20 Jahre feste Einspeisevergütung haben. Abgefedert durch diverse Übergangsregeln soll im Prinzip gelten: Alle müssen in die Direktvermarktung. Vor diesem Hintergrund überrascht das Ergebnis einer Umfrage des Stadtwerkenetzwerks ASEW (Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung). Demnach haben trotz der ja schon bald bevorstehenden Änderungen rund 49 Prozent der Stadtwerke noch keine Entscheidung getroffen, ob sie in das Geschäftsfeld Direktvermarktung einsteigen. Nur 17 Prozent verfolgen konkrete Pläne. Rund 13 Prozent planen derzeit keinen Einstieg, und 21 Prozent können diese Frage nach eigenen Angaben noch nicht bewerten.
Die Resultate sind allerdings nicht ganz repräsentativ. Die Umfrage fand bei einer Veranstaltung zum Thema statt, an der rund 80 Vertreterinnen und Vertreter von Stadtwerken teilnahmen. 53 von ihnen beteiligten sich an der Live-Abfrage. Nach Einschätzung der ASEW zeigt das Ergebnis aber: „Die Branche befindet sich noch in einer frühen Orientierungsphase.“
Diese Orientierungsphase beinhaltet offenkundig auch die Suche nach Partnern. Rund 16 Prozent der Befragten suchen nach ASEW-Angaben aktiv den Schulterschluss mit anderen Stadtwerken, mit denen gemeinsam sie Angebote entwickeln wollen. Rund 15 Prozent streben eine Kooperation mit spezialisierten Direktvermarktern an. „Eine kleine Minderheit“ plane hingegen, eine Direktvermarktungslösung komplett selbst aufzubauen oder bietet entsprechende Leistungen bereits selbst an.
Die Kosten sind ein Hauptproblem
Probleme sehen die Befragten vor allem hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit von Direktvermarktungsangeboten. Der Punkt „Kosten“ sei in einer offenen Abfrage mit Abstand am häufigsten genannt worden. Technische Integrationsaufwände, Abrechnungsprozesse, laufende Betriebskosten, regulatorische Anforderungen und die Abstimmungsprozesse mit Verteilnetzbetreibern gelten als weitere wesentliche Hürden.
Sascha Manikowski, Teamleiter Energiedienstleistungen bei der ASEW, bewertet die Resultate der Stichprobe optimistisch: Sie zeigen seiner Einschätzung nach „deutlich, dass die Branche den Handlungsbedarf erkannt hat“. Die ASEW baut derzeit eine Plattform für Kooperationen und strategische Partnerschaften auf (Stadtwerke-Kooperationen und strategische Partnerschaften). Ziel sei es, Stadtwerke bei der Suche nach geeigneten Partnern für neue Geschäftsfelder und energiewirtschaftliche Herausforderungen zusammenzubringen.
Nicht im Alleingang
Die Antworten der Umfrage zeigten sehr gut, dass viele Stadtwerke die Herausforderungen der Direktvermarktung nicht im Alleingang lösen wollen, sagt Christoph Landeck, Abteilungsleiter EDL & Innovationen bei der ASEW: „Wir sind überzeugt, dass Kooperationen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die kommunale Energiewirtschaft sind. Unser Ziel ist es, Stadtwerke mit Stadtwerken zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam skalierbare Lösungen zu entwickeln.“
Hierbei seien die kommenden Jahre entscheidend, so Manikoeski weiter: „Bis spätestens 2030“ müssten skalierbare Prozesse etabliert werden, wenn die Direktvermarktung kleiner Photovoltaik-Anlagen ein tragfähiger Massenmarkt werden soll: „Dafür braucht es das koordinierte Zusammenspiel von Energievertrieb, Messstellenbetrieb, Verteilnetzbetreibern und Vermarktungspartnern. Gelingt dies nicht, droht langfristig eine Abschwächung des PV-Ausbaus im Heimsegment.“
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