Agri-Photovoltaik-Anlage mit 48 Megawatt in Betrieb genommen
Auf rund 76 Hektar Fläche der Berliner Stadtgüter GmbH (BSG) im Ortsteil Selchow der Gemeinde Schönefeld (Brandenburg) entstand in elfmonatiger Bauzeit eine Agri-Photovoltaik-Anlage mit 74.064 Solarmodulen. Mit einer Leistung von rund 48 Megawatt sie nach Angaben der Projektbeteiligten die deutschlandweit größte ihrer Art in Verbindung mit Ackerbau – größere Anlagen etwa in Tützpatz (Mecklenburg-Vorpommern) kombinieren die Solarstromproduktion zumindest teilweise mit Nutztierhaltung.
Mindestens 90 Prozent der Fläche in Schönefeld werden den Angaben zufolge in ökologischer Bewirtschaftung genutzt. Staatssekretär Severin Fischer, der die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe bei der feierlichen Inbetriebnahme am Montag vertrat, zeigte sich besonders erfreut darüber, „dass die Berliner Stadtgüter GmbH hier initiierend mit gutem Beispiel vorangegangen und durch die Bereitstellung ihrer Fläche Teil dieses Leuchtturmprojekts sind“. Für die Stadtgüter, die im Brandenburger Umland der Hauptstadt rund 17.000 Hektar Fläche bewirtschaften, ist dies das erste Agri-PV-Projekt.
Die Errichtung der Anlage erfolgte durch den Projektentwickler Elysium Solar und Goldbeck Solar. Die einachsig nachführbaren Module sind 3,50 Meter hoch aufgeständert, zwischen den Modulreihen wurde ein überdurchschnittlich breiter Abstand von 11 Metern belassen. 9 Meter stehen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zur Verfügung, der Platz direkt unter den Modultischen ist für Wildblumenstreifen mit regional erzeugtem Saatgut als Lebens- und Rückzugsraum für Insekten und Kleintiere reserviert. Außerhalb der eigentlichen Anlage stellen die Berliner Stadtgüter außerdem als Ausgleichsmaßnahme 17 Hektar für die Ansiedlung von Brutvögeln, insbesondere der Feldlerche, zur Verfügung. Eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgt demnach unter anderem durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und die Technische Universität Dresden mit Unterstützung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN).
„Wir brauchen innovative Ansätze“
Die „ganzheitliche Projektentwicklung aus Solarenergie, biologischer Landwirtschaft mit Begleitforschung sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und regionaler Teilhabe auf derselben Fläche“ setzte für die Akzeptanz der Energie- und Agrarwende „neue Maßstäbe“, so Richard Härtel, COO von Elysium Solar. Das Unternehmen geht bei allen seinen Projekten nach einem vergleichbaren Konzept vor und gibt an, dass es rund 250 Megawatt Gesamtvolumen in der aktuellen Projektentwicklung hat sowie weitere rund 2 Gigawatt „in der weiteren Projektpipeline“.
Neben den breiten Reihenabständen und der besonders hohen Aufständerung biete die Anlage in Schönefeld für die landwirtschaftliche Nutzung auch den Vorteil, dass der Acker durch die Module vor Starkregen und extremer Sonneneinstrahlung geschützt sei. „Wir brauchen innovative Lösungsansätze für die Folgen der Klimaveränderung. Ein Weiter-So auf den Brandenburger Böden ist zukünftig kaum möglich“, erklärt hierzu der Biolandwirt Sven Geelhaar vom Landgut Geelhaar, der die Bewirtschaftung der Fläche übernimmt.
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].
Please login to comment
Zunächst einmal Glückwunsch zum größten Agri-PV-Projekt mit Ackerbau in Deutschland, welches Ökolandwirtschaft, grüne Stromerzeugung, Biodiversitätsmaßnahmen und Begleitforschung verbindet. Dennoch bleibt die Frage: WARUM? So eine Anlage mag ein paar Jahre gut laufen, aber sollten Solarparks nicht mindestens 40-50-100-200 Jahre funktionieren. Brandenburger Sandkörnchen – bei der alljährlich steigenden Trockenheit immer wieder mal umherfliegend – werden der Drehmechanik zusetzen, und dann? Und wie lange soll das Solardach gegen den Klimawandel helfen? Vermutlich keine 10-20 Jahre und dann ist der Hitzestress im Schatten leider zu groß und da wächst jedes zweite Jahr nichts vom angesäten.
Meine Meinung: Lieber konsequent Biodiv-Solarparks mit Zaun drum. Die können preiswerter Strom erzeugen, ewig betrieben werden, egal welches Wetter kommt und es bräuchte keine Feldlerchenausgleichsflächen, denn Feldlerchen und Solarparks passen einfach zusammen (https://www.pv-magazine.de/2026/02/26/feldversuch-von-enerparc-solarparks-und-feldlerchen-passen-einfach-zusammen/). Ackerbau im Solarpark scheint mir weniger zusammen zu passen. In einem elektrischen Betriebsraum – was ein Solarpark nun mal ist – wünsche ich mir möglichst wenig Menschen, die was beschädigen können.
Nun ja – es ist gebaut und wir werden erleben, was in den nächsten Jahrzehnten dort passiert.