Deutsche Haushalte könnten mit Flexibilität 1,65 Milliarden Euro sparen
18,6 Terawattstunden, so hoch ist das Flexibilitätspotenzial beim Strombezug deutscher Haushalte. Diese Zahl haben der Energieversorger Eon und die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) in einer Studie ermittelt, die sie in einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag vorstellten. Die jährlich verschiebbare Strommenge steige in diesem Jahr somit auf das Anderthalbfache des Jahresstromverbrauchs der Hauptstadt Berlin, erläuterte Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland. „Würden alle Menschen in Deutschland ihre bereits aktuell vorhandenen E-Autos, Wärmepumpen und Heimspeicher entsprechend optimiert nutzen, könnten sie insgesamt jährlich bis zu 762 Millionen Euro sparen – ohne, dass auch nur eine einzige Kilowattstunde weniger verbraucht würde.“ Die Summe wächst auf 1,65 Milliarden Euro an Einsparungen, wenn auch die Nutzung sogenannter „weißer Ware“, also Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler, auf diese Weise optimiert würden.
Doch die Verschiebung des Stromverbrauchs in preislich günstigere Zeitfenster hätte nicht nur einen positiven Effekt auf den Geldbeutel, auch die CO2-Emissionen ließen sich entscheidend senken, da in den preislich günstigsten Zeiten viel Wind- und Solarstrom im Netz ist und die Einspeisung von Strom aus anderen Energieträgern, wie Erdgas reduziert wird. Durch die zeitlich flexible Nutzung von Haushaltsgeräten, Wärmepumpen, Heimspeichern und das flexible Laden von Elektroautos ließen sich über eine Million Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Das entspreche dem, was rund eine halbe Million Verbrenner-Autos in einem ganzen Jahr ausstoßen, so Eon.
Schon 278.000 bidi-fähige Fahrzeuge
Um das theoretische Flexibilitätspotenzial festzustellen, haben die Studienautoren schon zum zweiten Mal in Folge die Ausstattung deutscher Eigenheime mit verschiedenen Energiewendetechnologien wie Photovoltaik-Heimspeicher, Wärmepumpen und Elektroautos ermittelt. Serafin von Roon, Geschäftsführer der FfE, zählte auf: „Die verschiebbare Energiemenge von etwa 18 Terawattstunden speist sich zunächst aus 2,2 Millionen Heimspeichern mit 4,9 Terawattstunden, mehr als zwei Millionen Elektroautos, davon bereits circa 278.000 bidirektional-fähig mit insgesamt 3,6 Terawattstunden und knapp 2 Millionen Wärmepumpen mit 1,5 Terawattstunden. Gleichzeitig wurde die Hochlaufdynamik bis 2031 simuliert.
Die Verteilung von Mikro-Flexibilitäten wie Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine erhob eine repräsentative Yougov-Umfrage mit mehr als 4.250 Teilnehmern. Anhand der Verbräuche der jeweiligen Technologien und verschiedenen Ab- und Aufschlägen, zum Beispiel für Ladeverluste, Nutzungsszenarien und Expertenschätzungen, wurde für jedes Bundesland und die Jahre 2026 und 2031 eine theoretische, technisch potenziell verschiebbare Energiemenge ermittelt. Demzufolge steigt das Flexibilitätspotenzial in den nächsten fünf Jahren auf 34 Terawattstunden an. Die voraussichtlichen Einsparungen bei den CO2-Emissionen sinken auf 920.000 Tonnen pro Jahr, da der Strommix in der Zeit insgesamt sauberer wird.
68 Prozent sind offen für Lastverschiebungen
Um die Frage zu beantworten, wie viel des technisch verschiebbaren Potenzials auch praktisch realisierbar sein könnte, enthält die Studie eine repräsentative Bevölkerungsumfrage. Sie zeigt, dass das Wissen zu flexiblen dynamischen Tarifen wächst. Gut 46 Prozent geben an, bereits über dynamische Tarife oder Tarife mit Flexibilitätsboni informiert zu sein. 68 Prozent aller Befragten sind offen dafür, bestimmte Verbräuche in günstige Tageszeiten zu verlegen, wenn sie davon finanziell profitieren. Eon bietet seinen Kunden zwei Modelle zur Nutzung ihrer Flexibilitäten an, den dynamischen Tarif mit schwankenden Arbeitspreisen oder einen Tarif mit Flexibilitätsbonus. Die Optimierung erfolgt in der Regel automatisiert über eine Steuerung im Hintergrund. Den Umfrageergebnissen zufolge seien dreimal so viele Befragte an der Variante mit Festpreis und Flexbonus interessiert, berichtet Thon.
Aus den Umfrageergebnissen und dem technischen Potenzial ermittelt die Studie ein Bundesländer-Ranking. Demzufolge habe Bayern nicht nur das größte technische Potenzial mit 550 Kilowattstunden pro Haushalt, es liegt auch beim Wissen und der Bereitschaft, die Flexibilitäten zu nutzen, vorn. Dahinter folgen Baden-Württemberg und Niedersachsen. Das geringste Flexibilitätspotenzial weist mit 236 Kilowattstunden pro Haushalt Berlin auf.

Regulatorischer Rahmen muss stimmen
„Unsere gemeinsame Studie zeigt: Das Potenzial ist enorm und die Menschen sind bereit, es zu nutzen. Mit entsprechenden Tarifen, die wir bereits erfolgreich anbieten, schaffen wir dafür die Grundlage“, sagt Filip Thon. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen müssten. Mit Blick auf die Regelungen zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten (MiSpeL) wären einfache, massentaugliche Lösungen für Millionen Haushalte notwendig, „statt hochkomplexe Modelle für wenige Experten.“ Auch Netzentgelte müssten klare und verständliche Anreize für netzdienliches Verhalten setzen, unter anderem durch die Ausweitung statisch-zeitvariabler Netzentgelte. Gleichzeitig dürfe zwischengespeicherter Strom nicht mehrfach mit Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen belastet werden, so das Unternehmen. Gerade beim bidirektionalen Laden sei zudem ein freier Zugang zu den relevanten Fahrzeugdaten für Heim-Energiemanagementsysteme und Energiedienstleister wichtig. „Richtig eingesetzt, senkt Flexibilität nicht nur die Stromkosten einzelner Haushalte, sondern auch die Kosten des Energiesystems für alle insgesamt.“
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„Gerade beim bidirektionalen Laden sei zudem ein freier Zugang zu den relevanten Fahrzeugdaten für Heim-Energiemanagementsysteme und Energiedienstleister wichtig.“
und nur darum gehts.