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Vertikale Photovoltaik-Anlagen erzielen bis zu drei Cent höhere Marktwerte

Während klassische Freiflächenanlagen oft in Zeiten niedriger oder negativer Börsenstrompreise produzieren, profitieren vertikale Photovoltaik-Anlagen von ihrem Erzeugungsprofil und sind seltener von negativen Preisen betroffen. Als Ergänzung zu südausgerichteten Solarparks könnten sie zudem bestehende Netzanschlüsse deutlich besser auslasten. Next2Sun-Vorstand Sascha Krause-Tünker sieht darin Potenzial für zusätzliche 20 Gigawatt vertikale Photovoltaik.
Vertikale Photovoltaik, Next2Sun, Solarpark in Löfflingen
Nex2Sun will in diesem Jahr noch Anlagen mit rund 50 Megawatt realisieren oder zumindest ausliefern. | Foto: Next2Sun

pv magazine: Wie läuft das Geschäft von Next2Sun derzeit?

Sascha Krause-Tünker: Wir sehen aktuell deutlichen Rückenwind für vertikale Photovoltaik. Der Markt zeigt sehr klar, dass unser Ansatz zunehmend gefragt ist. Während konventionelle Freiflächenanlagen unter sinkenden Marktwerten leiden, beobachten wir bei vertikalen Anlagen den gegenteiligen Effekt. Nicht nur die Mehrerlöse steigen kontinuierlich, sondern auch die absoluten Marktwerte. Seit drei Jahren erzielen vertikale Anlagen steigende Marktwerte.

Können Sie das quantifizieren?

Im ersten Halbjahr lag der Mehrerlös verglichen mit südausgerichteten, herkömmlichen Freiflächenanlagen bei knapp drei Cent pro Kilowattstunde. Das macht für die Wirtschaftlichkeit einen erheblichen Unterschied. Der Markt zeigt sehr deutlich, dass zusätzliche Erzeugung außerhalb der Mittagsstunden benötigt wird. Wir haben inzwischen rund 120 Gigawatt überwiegend südorientierte Photovoltaik im Netz. Dadurch entsteht mittags häufig ein Überangebot. Vertikale Anlagen ergänzen dieses Profil sehr gut, weil sie zu anderen Tageszeiten Strom erzeugen. Genau dort ist im Netz noch Kapazität vorhanden, und der Markt honoriert diese Erzeugung entsprechend.

Die höheren Marktwerte hängen auch damit zusammen, dass vertikale Anlagen seltener von negativen Strompreisen betroffen sind?

Absolut, unsere Anlagen profitieren gleich doppelt. Zum einen erzielen wir bessere Preise, zum anderen verlieren wir weniger Erzeugung durch negative Strompreise und Abregelungen. Je nach Betrachtung liegen unsere Verluste etwa 30 bis 40 Prozent niedriger als bei konventionellen Anlagen. Im ersten Halbjahr lagen wir sowohl bei den erzielten Preisen als auch bei den vermarkteten Strommengen deutlich höher. Beides verbessert die Wirtschaftlichkeit der Projekte.

Sascha Krause-Tünker von Next2Sun
Sascha Krause-Tünker ist CFO bei Next2Sun. | Foto: Next2Sun

Allerdings sind die Installationskosten bei vertikalen Anlagen doch auch höher und Sie benötigen mehr Fläche?

Das stimmt. Die Kosten sind höher und wir benötigen mehr Fläche. Allerdings wird das Thema Flächenbedarf aus meiner Sicht teilweise überbewertet. Bei Agri-Photovoltaik nutzen wir Flächen weiterhin landwirtschaftlich. Zudem sehe ich derzeit nicht mehr die Flächenverfügbarkeit als größtes Hindernis im Projektgeschäft. Natürlich verursacht die vertikale Bauweise höhere Kosten, etwa durch die Anforderungen an Statik und Windlasten. Dennoch lassen sich solche Projekte wirtschaftlich umsetzen.

Ein größerer Flächenbedarf bedeutet doch auch höhere Pachtkosten?

Nicht zwangsläufig. Bei Agri-Photovoltaik bleibt die landwirtschaftliche Nutzung erhalten. Deshalb bewegen wir uns nicht in dem Wettbewerb, bei dem die höchsten Pachtpreise gezahlt werden. Die Doppelnutzung wirkt sich auch auf die Pachtstruktur aus.

Benötigen Sie für solche Projekte zwingend einen Zuschlag aus den Ausschreibungen und den Aufschlag für Agri-Photovoltaik?

Wir setzen bereits heute Projekte ohne spezielle Agri-Photovoltaik-Förderung um. Die Frage ist eher, wie breit sich der Markt entwickeln soll. Für größere Projekte auf mehr als 15 Hektar funktioniert das bereits heute. Für kleinere Vorhaben oder Standorte mit höheren Anschlusskosten wird es schwieriger. Deshalb halte ich die Förderung für wichtig, wenn Agri-Photovoltaik in die Breite gehen soll. Würden wir uns ausschließlich auf große Projekte konzentrieren, könnten wir auch ohne Förderung auskommen. Das ist jedoch nicht unser Ziel.

Der Markt zeigt sehr deutlich, dass zusätzliche Erzeugung außerhalb der Mittagsstunden benötigt wird.

Wie wichtig ist es für Ihr Unternehmen, dass die EEG-Novelle noch in diesem Jahr verabschiedet wird?

Das ist vor allem für die gesamte Branche wichtig. Wenn es keine rechtzeitige Nachfolgeregelung gibt, entsteht zunächst Unsicherheit. Für uns ist die Situation etwas entspannter, weil wir über eine sehr solide Projektpipeline verfügen. Insgesamt haben wir rund 250 Megawatt in der Pipeline. Davon besitzen etwa 70 Megawatt bereits EEG-Zuschläge. Diese Projekte können wir umsetzen. Damit sind wir mindestens bis Mitte nächsten Jahres gut ausgelastet. Verzögerungen würden uns deshalb nicht unmittelbar treffen.

Viele Freiflächenanlagen werden inzwischen zusammen mit Batteriespeichern geplant. Gilt das auch für vertikale Agri-Photovoltaik?

Grundsätzlich ja. Speicher können auch bei vertikalen Anlagen zusätzliche Erlöse ermöglichen. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass wir wirtschaftlich nicht zwingend auf Speicher angewiesen sind. Sie stellen für uns eine Ergänzung dar, keine Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit eines Projekts.

Haben Sie zusätzlichen Erlösmöglichkeiten durch Speicher mal durchgerechnet?

Wir haben das anhand eines konkreten Projekts untersucht. Bei einer Vier-Megawatt-Anlage in Donaueschingen wären bei einer konventionellen Auslegung rund 15 Megawattstunden Speicherkapazität notwendig, um die Verluste durch negative Strompreise auf etwa fünf Prozent zu reduzieren. Bei einer vertikalen Anlage reichen dafür etwa 9 Megawattstunden. Damit sinkt der notwendige Speicherbedarf erheblich.

Das heißt, die Kombination aus vertikaler Photovoltaik und Speicher ist schon interessant?

Genau. Speicher bleiben wichtig. Aber weil wir bereits ein besseres Erzeugungsprofil mitbringen, können die Investitionen in Speicher gezielter und effizienter eingesetzt werden. Der Speicher muss nicht die systembedingten Nachteile einer südorientierten Anlage kompensieren.

Speicher bleiben wichtig. Aber weil wir bereits ein besseres Erzeugungsprofil mitbringen, können die Investitionen in Speicher gezielter und effizienter eingesetzt werden.

Wie bewerten Sie die diskutierte Regelung aus der EEG-Novelle, nach der die Einspeiseleistung neuer großer Photovoltaik-Anlagen auf 70 Prozent begrenzen soll?

 Für unser Geschäftsmodell wäre eine solche Regelung vergleichsweise gut verkraftbar. Vertikale Anlagen weisen grundsätzlich geringere Leistungsspitzen auf und erzeugen Strom gleichmäßiger über den Tag verteilt. Die Auswirkungen wären deshalb geringer als bei konventionellen Freiflächenanlagen.

Halten Sie diesen Vorschlag für richtig?

Nein, das Problem liegt aus meiner Sicht weniger in der konkreten Höhe der Begrenzung, sondern in der Pauschalität. Netzengpässe entstehen typischerweise zu bestimmten Zeiten, insbesondere während der Mittagsstunden in Regionen mit hoher Photovoltaik-Dichte. Eine dauerhafte oder starre Abregelung würde jedoch auch Strommengen betreffen, die für das System wertvoll sind.

Was wäre eine bessere Lösung?

Sinnvoller wäre es, Begrenzungen gezielt in tatsächlichen Engpasssituationen anzuwenden. Dann würde nur dort eingegriffen, wo das Netz tatsächlich entlastet werden muss.

Netzanschlüsse sind gerade generell ein großes Thema. Wie sind da Ihre Erfahrungen?

Wir sehen ein enormes Potenzial darin, bestehende südausgerichtete Solarparks mit zusätzlicher vertikaler Photovoltaik zu überbauen. Während derzeit vor allem über Speicher oder die Kombination von Wind und Photovoltaik gesprochen wird, ist dieses Potenzial bislang kaum im Fokus.

Was ist da aus Ihrer Sicht möglich?

Nehmen wir als Beispiel eine konventionelle Photovoltaik-Anlage mit 10 Megawatt Leistung und einem Netzanschluss von 9 Megavoltampere. Diesen Netzanschluss könnten wir mit vertikaler Photovoltaik um rund 60 Prozent überbauen. Dabei müssten lediglich etwa fünf Prozent der zusätzlich erzeugten Energie abgeregelt werden, um innerhalb der bestehenden Anschlusskapazität zu bleiben. Wirtschaftlich fällt dieser Verlust noch geringer ins Gewicht, weil die Abregelung überwiegend in Zeiten mit niedrigen Strompreisen stattfinden würde. Der Ertragsverlust läge deshalb bei weniger als drei Prozent.

Wieviel zusätzliche Photovoltaik-Leistung ließe sich damit an vorhandenen Netzanschlüssen ergänzen?

Wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland bereits rund 35 Gigawatt südorientierte Photovoltaik-Leistung installiert sind, ergibt sich daraus ein erhebliches Potenzial durch die Überbauung von zusätzlich etwa 20 Gigawatt vertikaler Photovoltaik-Anlagen. Das wäre eine große Chance, vorhandene Netzanschlüsse deutlich besser auszulasten. Offen ist allerdings die Frage, ob eine solche Überbauung künftig mit zusätzlichen Netzentgelten oder anderen Abgaben belegt würde.

Haben Sie berechnet, wie groß das Potenzial für vertikale Photovoltaik insgesamt wäre, bevor sich aus Marktwertsicht Kannibalisierungseffekte einstellen könnten?

Da wir in den produktionsstarken Morgen- und Abendstunden eher mit fossilen Erzeugern an der Strombörse konkurrieren, glaube ich nicht, dass sich Kannibalisierungseffekte schnell zeigen. Vielmehr würde mehr vertikale Photovoltaik dazu beitragen, noch mehr fossile Erzeugung aus dem Strommarkt zu drängen.

Next2Sun hat kürzlich eine Kapitalmaßnahme gestartet. Was ist der Hintergrund?

Wir verfolgen weiterhin ambitionierte Wachstumsziele. In den Jahren 2021 bis 2024 sind wir im Durchschnitt um rund 80 Prozent pro Jahr gewachsen. Nach einem schwierigen Marktumfeld im Jahr 2025 sehen wir jetzt wieder deutlich bessere Rahmenbedingungen. Um diese Chancen zu nutzen und unser Wachstum zu finanzieren, wollen wir unsere Kapitalbasis stärken.

Wofür soll das zusätzliche Kapital konkret eingesetzt werden?

Zum einen benötigen wir finanzielle Flexibilität, um Projekte schneller entwickeln und umsetzen zu können. Zum anderen bauen wir derzeit ein eigenes Portfolio von Stromerzeugungsanlagen auf. Unser Ziel ist es, stärker entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv zu sein und langfristig selbst von den besonderen Ertragsprofilen vertikaler Photovoltaik zu profitieren.

Sie meinen damit durch den Aufbau eines eigenen IPP-Geschäfts?

Genau. Neben dem Anlagenbau und der Projektentwicklung wollen wir künftig verstärkt auch als unabhängiger Stromerzeuger auftreten. Dadurch können wir einen größeren Teil der Wertschöpfung im Unternehmen halten.

Wie ist die aktuelle Aktienemission ausgestaltet?

Das Emissionsvolumen beträgt fünf Millionen Euro. Zunächst erhalten bestehende Aktionäre die Möglichkeit, ihre Bezugsrechte wahrzunehmen. Die Platzierung erfolgt öffentlich auf Grundlage eines Wertpapierinformationsblatts.

Wie ist die Resonanz bisher?

Die Rückmeldungen sind positiv. Bereits kurz nach dem Start lagen erste Zeichnungen im sechsstelligen Bereich vor. Wir sehen Interesse sowohl bei bestehenden Aktionären als auch bei neuen Investoren.

Wer investiert typischerweise in Next2Sun?

Unsere Aktionärsstruktur ist traditionell stark von privaten Anlegern geprägt. Viele von ihnen unterstützen das Unternehmen seit Jahren und identifizieren sich mit der technologischen Ausrichtung und den Zielen der Energiewende. Das unterscheidet uns teilweise von Unternehmen, die überwiegend von institutionellen Investoren getragen werden.

Welche Ziele haben Sie für das laufende Jahr?

Unser Ziel ist es, in diesem Jahr rund 50 Megawatt zu realisieren beziehungsweise auszuliefern. Damit würden wir den Wachstumspfad der vergangenen Jahre fortsetzen. Derzeit errichten wir unter anderem ein Projekt in Gersheim im Saarland mit einer Leistung von rund 16 Megawatt. Das ist aktuell eines unserer größeren Vorhaben. Darüber hinaus starten wir in Kürze mit einem Projekt in Adorf bei Chemnitz mit etwa sieben Megawatt Leistung. Weitere Projekte in Niedersachsen und Bayern befinden sich in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase. Uns hilft dabei, dass die Marktwerte und die Erlössituation inzwischen stärker für vertikale Anlagen sprechen als noch vor einigen Jahren. Dadurch werden größere Projekte einfacher finanzierbar.

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