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ZHAW-Bericht ergründet, warum es in der Schweiz kaum Agri-Photovoltaik gibt

Das technische Potenzial für Photovoltaik in Kombination mit Landwirtschaft ist auch in der Schweiz sehr groß. Warum es so gut wie gar nicht genutzt wird und wie sich dies ändern ließe, ist Thema eines Berichts der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Agri-PV, Anlage auf dem ZHAW Campus Grüental in Wädenswil (Schweiz)
„Primär Forschungs- und Pilotanlagen“ (im Bild auf dem Campus Grüental der ZHAW): Agri-Photovoltaik spielt im Energiesystem der Schweiz keine Rolle. | Foto: ZHAW

„Anlagen auf Freiflächen machen derzeit 0.1 Prozent der installierten Kapazitäten aus, Agri-PV-Anlagen 0.0 % (gerundet).“ Dieser Satz aus dem Technischen Bericht „Treiber und Hemmnisse für Agri-PV in der Schweiz“ der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sagt im Prinzip schon fast alles über den Stand der Schweizer Freiflächen-Photovoltaik im Allgemeinen und den der Agri-Photovoltaik im Besonderen.

Weil aber gemäß Energiegesetz die Erneuerbaren-Stromproduktion (ohne Wasserkraft) bis 2035 auf jährlich 35 Terawattstunden steigen soll und bis 2050 auf 45 Terawattstunden, werden sich Freiflächen kaum noch länger aussparen lassen. 2025 erzeugten 8,2 Gigawatt in der Schweiz installierte Photovoltaik-Leistung rund 8,2 Terawattstunden Energie, zur Erreichung der Erneuerbaren-Ziele mit der vorgesehenen tragenden Rolle der Photovoltaik wären 2 bis 2,5 Gigawatt Zubau jährlich erforderlich. Ob solche Zahlen „mit dem starken Fokus auf Dachflächen erreicht werden können, bleibt offen, insbesondere weil die Potenziale unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderungen bei Dachflächen zu wenig konsequent ausgeschöpft werden“, heißt im Bericht. Auch hierzu gibt es bereits Analysen der ZHAW.

Potenzial: fast der doppelte Stromverbrauch des Landes

Der nun vorliegende Bericht zur Agri-Photovoltaik zählt eingangs die Vorteile dieses Konzepts auf, die in der Schweiz dieselben sind wie in anderen Ländern. Da wäre zunächst einmal das immense Potenzial: Der Bericht nennt theoretisch mögliche 323 Terawattstunden jährlich und selbst für die Annahme, dass keine Anlage mehr als 300 Meter zum nächsten Einspeisepunkt entfernt sein soll, immer noch 113 Terawattstunden. „Dies entspricht fast dem doppelten Strombedarf der Schweiz in den vergangenen Jahren und übertrifft den zukünftigen Strombedarf diverser Netto-Null-Szenarien deutlich“, stellt das Autorenteam klar.

Weitere Treiber sind unter anderem die an geeigneten Standorten hohe Rentabilität, die Nutzung von Flächen mit eingeschränkter landwirtschaftlicher Eignung, die Diversifizierung von Landwirtschaftsbetrieben, der zusätzliche Schutz landwirtschaftlicher Kulturen und Klimaanpassung sowie die positive Öffentlichkeitswirkung und grundsätzliche gesellschaftliche Akzeptanz. Letztere ist auch in der Schweiz, wo Vorbehalte gegen Freiflächenanlagen tendenziell noch weit größer sind als etwa in Deutschland, für Agri-Photovoltaik eher vorhanden als für alleinige Photovoltaik-Nutzung von Flächen. Zumindest würden Studien darauf hindeuten, heißt es im Bericht.

Gesetzliche Hürden sind zentral

Gleichzeitig wird fehlende lokale Akzeptanz aber auch als eines der wesentlichen Hemmnisse für Agri-Photovoltaik-Projekte genannt. Unsichere beziehungsweise mangelnde Rentabilität ist ein weiterer Faktor, ebenso die möglichen Einschränkungen für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung insbesondere mit großen Maschinen. Auch Eigentumsstrukturen – rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Schweiz sind Pachtland – spielen eine Rolle.

Noch bedeutsamer erscheinen in der Gesamtschau aber gesetzliche und administrative Hürden. Zentral ist hierbei Artikel 24 des Raumplanungsgesetzes (RPG): Für landwirtschaftliche Flächen gilt, dass eine Photovoltaik-Nutzung die landwirtschaftliche Produktion nicht beeinträchtigen darf; sie muss vielmehr sogar Vorteile für diese Produktion bewirken oder landwirtschaftlichen Versuchs- und Forschungszwecken dienen. Das allein ist schon eine nahezu hinreichende Erklärung für die geringe Zahl der Agri-Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz. Der Bericht zitiert eine Zählung aus dem Jahr 2024, bei der 22 Anlagen ermittelt wurden und geht für heute von „weniger als 100“ aus, was bereits sehr optimistisch scheint. Es könne davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei „primär um Forschungs- und Pilotanlagen handelt“.

Von den Fehlern der Nachbarn lernen

Damit dies nicht so bleibt, enthält der Bericht auch Handlungsempfehlungen. Da wäre zunächst die Schaffung von Investitionssicherheit, etwa durch Anpassung vorhandener Förderinstrumente an die Erfordernisse von Agri-Photovoltaik oder durch einen Aufschlag auf die seit 2025 verfügbare – bislang aber nur sehr wenig genutzte – gleitende Marktprämie aus Auktionen; solche Aufschläge gibt es etwa für Parkplatz-Photovoltaik oder für Anlagen mit großem Neigungswinkel (und entsprechend hoher Stromproduktion im Winterhalbjahr). Mindestens ebenso wichtig wäre aber wohl die ebenfalls vorgeschlagene Absicherung von Agrarförderungszahlungen auch für Agri-Photovoltaik-Flächen.

Unter der Überschrift „Anpassung, Vereinfachung und Vereinheitlichung des gesetzlichen Rahmens“ finden sich eine ganze Reihe von Maßnahmen, darunter vor allem eine Änderung von Artikel 24 RPG. Weitere Punkte sind die Ermöglichung und Unterstützung lokaler Beteiligungsstrukturen wie Bürgerbeteiligungsmodellen oder lokalen Energiegenossenschaften. Der Aufbau von Beratungsangeboten ist eine weitere Empfehlung, ebenso eine lokale Verankerung der bislang für landesweit formulierten Erneuerbaren-Ausbauziele: Derzeit würden die Kantone zwar „einen Großsteil der für Agri-Photovoltaik entscheidenden Gesetze definieren“, müssten aber keine Zubauziele erfüllen.

Der Bericht schließt mit der Empfehlung, von den Nachbarländern und den dort bereits begangenen Fehlern zu lernen: Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich seien der Schweiz „bei der Entwicklung von Agri-Photovoltaik sowohl im regulatorischen Bereich als auch bei konkret umgesetzten Projekten (deutlich) voraus. Daher gibt es die Chance, Fehler zu überspringen und direkt auf funktionierende Maßnahmen zu setzen“.

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