Jinko Solar: „Neue Impulse ab 2028“
„Wir befinden uns im dritten Jahr in Folge in einer Konsolidierung der Solarindustrie“, sagt Frank Niendorf, Vice President bei Jinko Solar im Gespräch mit pv magazine auf der The smarter E Europe in München. Die Photovoltaik-Hersteller schrieben weiterhin Verluste. Dennoch seien die großen Hersteller noch alle da. Niendorf hatte im Vorjahr prophezeit, dass die großen Verluste, die viele Modulhersteller in der jüngsten Vergangenheit erlitten hätten, einige Unternehmen vom Markt verschwinden lassen würden. „Eine Bereinigung findet statt“, sagt Niendorf vor allem mit Blick auf die Bemühungen der chinesischen Zentralregierung, Produktionskapazitäten aus dem Markt zu nehmen. „Doch die Provinzregierungen stützen die Hersteller in ihren Gebieten massiv.“
Immerhin hat sich der Modulpreis in den vergangenen Monaten bei etwa 12 bis 13 Cent pro Watt eingependelt. Es gebe aber durchaus noch Hersteller, allerdings eher aus der zweiten, dritten Reihe, die ihre Solarmodule für weniger und unter Herstellungskosten verkauften, sagt Niendorf weiter. Zusätzlicher Druck für die Hersteller besteht zudem durch die volatilen Rohstoffpreise. So stieg der Silberpreis zu Jahresbeginn auf Rekordhöhen. Zu der Zeit machte Silber dann etwa 25 Prozent des Modulpreises aus, erklärt Niendorf. Mittlerweile habe sich die Situation aber wieder entspannt.
Sicher auch eine Rolle bei der Preisentwicklung spielt, dass die Nachfrage gerade in China und Europa aktuell eher verhalten ist. „In Deutschland erleben wir eine Verlangsamung des Marktes“, sagt Niendorf weiter. „Angesichts der aktuellen politischen Diskussionen sehen wir hierzulande eine große Investorenunsicherheit.“ Auch für das kommende Jahr geht Niendorf für Deutschland und den europäischen Markt eher von einer Stagnation aus. „Ab 2028 erwarte ich dann aber neue Impulse“, sagt Niendorf. „Die fortschreitende Elektrifizierung sowie Investitionen in Rechenzentren werden die Nachfrage in Deutschland wieder steigen lassen.“
Dazu kommt, dass auch der chinesische Photovoltaik-Markt aktuell schwächelt. Niendorf rechnet damit, dass der Zubau von rund 300 Gigawatt im Vorjahr auf etwa 150 Gigawatt in diesem Jahr sinken wird.
Trotz der aktuellen Herausforderungen auf dem Markt ist Niendorf der Ansicht, dass das Unternehmen für die nächste Wachstumsphase der Branche außerordentlich gut aufgestellt ist. Dieses Jahr markiert zudem einen wichtigen Meilenstein, da Jinko sein 20-jähriges Jubiläum feiert – ein Beweis für die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens, seine kontinuierliche Innovationskraft und sein langfristiges Engagement für die globale Energiewende. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe sich Jinkosolar von einem Photovoltaik-Hersteller zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der sauberen Energietechnologie entwickelt. Nach eigenen Angaben bedient es Kunden in mehr als 200 Ländern und Regionen. Trotz wechselnder Marktzyklen hat das Unternehmen konsequent in Technologie, Fertigungsqualität und Kundenpartnerschaften investiert, wodurch es seine Position unter den weltweit führenden Unternehmen der Branche behaupten konnte, wie Niendorf erklärt.
Auf dieser Grundlage habe sich Jinko Solar zu einem umfassenden Anbieter von Energielösungen entwickelt, der Solarmodule, Batteriespeicher und intelligente Energiemanagementlösungen aus einer Hand anbietet. Die strategische Expansion des Unternehmens in den Bereich der Energiespeicher im Jahr 2022 habe dabei die Fähigkeit, Kunden in den Bereichen Privathaushalte, Gewerbe und Industrie sowie Großkraftwerke zu unterstützen, weiter gestärkt. Jinko Solar hat dabei auch massiv in eigene Produktionskapazitäten investiert. So verfügt es Niendorf zufolge mittlerweile über eine eigene Batteriezellproduktion mit zwölf Gigawattstunden Jahreskapazität. Auch ein eigenes Energiemanagementsystem hat das Unternehmen mittlerweile auf den Markt gebracht. „Rund 90 Prozent unserer Großprojekte kombinieren Photovoltaik mit Batteriespeichern, was die steigende Nachfrage des Marktes nach hybriden Energielösungen widerspiegelt“, sagt Niendorf weiter.
Doch nicht nur in sein Speichergeschäft investiert Jinko Solar massiv. Auch bei den Solarmodulen setzt es auf ständige Weiterentwicklung. „Rund fünf Prozent unseres Umsatzes werden in Forschung und Entwicklung investiert“, sagt Niendorf. Viel Geld fließt dabei auch in die „Tiger Neo“-Serie. Auf der Messe in München waren unter anderem die Module der Serie 3.0 zu sehen, darunter auch eines mit 760 Watt für den Kraftwerksbereich. In China ist Jinko auch schon zwei Schritte weiter. Auf der Anfang Juni stattgefundenen Messe SNEC in Shanghai stellte es die Module seiner „Tiger Neo 5.0“-Serie vor. Die für private Photovoltaik-Anlagen bestimmten Module der Serie erreichen bis zu 500 Watt und sind eine Reaktion des Unternehmens auf die wachsende Nachfrage nach effizienten Rückkontakt-Modulen. Sie sollen demnächst auch in Europa angeboten werden, wie Niendorf erklärt.
Doch sein Blick geht schon weiter in die Zukunft. Niendorf rechnet damit, dass in zwei, drei Jahren die Silizium-Perowskit-Tandemmodule eine breite Markteinführung sehen werden. Auch Jinko Solar arbeite bereits intensiv daran. Aktuell sei es wegen der schwächelnden Nachfrage und den niedrigen Preisen nicht das passende Marktumfeld, um sie auf breiter Front anzubieten.
„Unsere 20-jährige Geschichte hat uns gelehrt, dass diese Branche zyklisch ist“, sagt Niendorf. „Die Unternehmen, die auch in schwierigen Zeiten weiter investieren, gehen gestärkt daraus hervor. Wir bekennen uns weiterhin zur Innovation, zu unseren Kunden und zur langfristigen Energiewende. Wir sind zuversichtlich, dass sich die nächste Wachstumsphase der Solarbranche bereits abzeichnet“, so Niendorf
Er selbst ist übrigens schon seit 15 Jahren an Bord des Unternehmens, hat mehrere Hochs und Tiefs der Branche miterlebt. Seit Mitte März hat Jinkosolar nun einen neuen Vorstandschef, während der bisherige CEO Kangping Chen in den Verwaltungsrat wechselte. Doch auch unter der neuen Führung von Haiyun Cao ist Niendorf optimistisch, dass der Hersteller weiterhin gut durch die schwierigen Phasen manövrieren wird.
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