ESMC: Europa könnte sich auch ohne chinesische Wechselrichter versorgen
Die Debatte über mögliche Beschränkungen chinesischer Wechselrichter aufgrund von Cybersicherheitsbedenken gewinnt in Europa weiter an Fahrt. In den vergangenen Wochen hatten sowohl die Europäische Kommission als auch die Bundesregierung erklärt, mögliche Maßnahmen gegen den Einsatz chinesischer Wechselrichter zu prüfen. Zudem hat die Europäische Investitionsbank (EIB) ihre Finanzierungsrichtlinien angepasst und investiert keine EU-finanzierten Projekte mehr, in denen Wechselrichter von Herstellern aus als Hochrisiko eingestuften Staaten eingesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Europa den weiteren Ausbau der Photovoltaik auch ohne chinesische Wechselrichter bewältigen könnte. Neue Daten von S&P Global Commodity Insights legen nahe, dass dies grundsätzlich möglich wäre.
Demnach verfügt Europa derzeit über eine Produktionskapazität für Wechselrichter von rund 104 Gigawatt. Hinzu kommen weitere 120 Gigawatt an Fertigungskapazität in Nord- und Südamerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum außerhalb Chinas. Allein für den europäischen Markt stehen laut der Analyse mehr als 53 Gigawatt Produktionskapazität zur Verfügung. Das entspricht nahezu der gesamten neu installierten Photovoltaikleistung in der Europäischen Union im Jahr 2025.
„Das Angebot ist nicht der Engpass“, sagte Christoph Podewils, Generalsekretär des European Solar Manufacturing Council (ESMC). „Die Kapazitäten, um risikobehaftete Anbieter zu ersetzen, sind bereits heute vorhanden.“
Der Industrieverband verweist zudem darauf, dass viele westliche Wechselrichterhersteller bereits seit Jahren über Produktions-, Vertriebs- und Servicestandorte in zahlreichen europäischen Ländern verfügen. Dadurch seien lokale Lieferketten, Serviceangebote und technische Unterstützung etabliert.
Zudem sei der Einsatz von europäischen, genauer gesagt nicht-chinesischen Wechselrichtern mit überschaubaren Mehrkosten verbunden, wie ESMC feststellt. Eine Analyse von Wood Mackenzie komme zu dem Ergebnis, dass der Einsatz eines westlichen Wechselrichters die Kosten eines Gewerbe- oder Freiflächenprojekts lediglich um rund zwei Prozent erhöhe. Bei Strangwechselrichtern für Wohngebäude liege der Aufpreis bei etwa drei bis vier Prozent.
Dieser Inhalt ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wenn Sie mit uns kooperieren und Inhalte von uns teilweise nutzen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf: [email protected].
Please login to comment