Bertelsmann Stiftung: Energiepolitischer Kurswechsel der Bundesregierung gefährdet tausende Jobs
Die Erneuerbare-Branche hat es schon zwei Mal erlebt: Die Kürzung der EEG-Vergütung für die Photovoltaik ab 2011 und die Deckelung sowie neue Ausschreibungsverfahren bei der Windenergie ab 2017 haben die Beschäftigungszahlen einbrechen lassen. Der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könnte einen ähnlichen Effekt haben, fürchtet die Bertelsmann Stiftung – tausende Jobs sind gefährdet.
„Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen“, erklärt Jana Fingerhut, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. Das belegt die Stiftung mit einem Blick in die Vergangenheit: Als 2010/2011 die Investitionen auf ein Hoch von fast 28 Milliarden Euro jährlich stiegen, erreichte auch die Beschäftigung einen ersten Höchststand von 415.000 Personen.
Mit den danach einbrechenden Investitionen ging auch die Stellenzahl wieder zurück. Im vergangenen Jahr erreichten die Investitionen mit 37,5 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand, während zugleich die Zahl der Beschäftigten auf 436.000 anwuchs.
Arbeitsmarkt reagiert sensibel auf politische Rahmenbedingungen
Die Entwicklung bei Wärmepumpen zeigt der Bertelsmann Stiftung zufolge deutlich, wie sensibel die Beschäftigungszahlen im Bereiche Erneuerbare auf veränderte politische Rahmenbedingungen reagieren: Nach mehr als 350.000 neu installierten Wärmepumpen 2023 gingen der Zubau im folgenden Jahr angesichts der Kritik am Gebäudeenergiegesetz auf 200.000 Anlagen zurück. Im vergangenen Jahr wurden dann wieder knapp 300.000 Wärmepumpen installiert. Die Beschäftigungszahlen in diesem Sektor fielen zunächst um 28 Prozent auf 51.300 Personen, stiegen 2025 aber wieder auf über 72.000 Mitarbeiter.
Auch die Photovoltaik-Branche führt die Stiftung als Beispiel an. Dort haben sich nach drastischen Förderkürzungen und dem Einbruch der inländischen Fertigung von Solarmodulen zwischen 2011 und 2013 die Beschäftigtenzahlen von 156.700 auf 70.200 halbiert. Bis 2017 gingen sie gar auf 39.900 zurück.
In der Windbranche sank die Beschäftigung nach der Einführung eines neuen Ausschreibungsverfahrens und einer Deckelung des Ausbaus von 167.700 im Jahr 2016 auf 130.500 Personen im Jahr 2018, also etwa um ein Fünftel.
„Wir sollten die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen“
Umso wichtiger sei es, dass die Bundesregierung ihre geplanten Energiegesetze – EEG-Novelle, Netzpaket, Gebäudemodernisierungsgesetz und Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) – beschäftigungssicher ausgestaltet. Wenn kleinere Photovoltaik-Anlagen keine Förderung mehr erhalten, Unsicherheit bei der Entschädigung im Fall von Netzengpässen Erneuerbare-Investitionen hemmt, Gaskraftwerke statt Speicher gebaut werden und klare Regeln für klimafreundliches Heizen wegfallen, kann das wieder Arbeitsplätze kosten, so die Stiftung.
„In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen“, sagt Roman Wink, ein weiterer Arbeitsmarkt-Experte der Bertelsmann Stiftung. „Wir dürfen den Ausbau der erneuerbaren Energien kein weiteres Mal abwürgen. Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit.“
Rund 88.000 Beschäftigte im Bereich Solarenergie
Die Zahl der Beschäftigten im Bereich Erneuerbare stieg nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung zwischen 2023 und 2025 um rund 30 Prozent auf 436.000. Die Windenergie stellt dabei mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze. Weitere wichtige Säulen sind die Biomasse mit circa 97.000 Personen sowie die Solarenergie mit gut 88.000 Menschen. An vierter Stelle folgt die Fertigung und Installation von Wärmepumpen. Hier waren im vergangenen Jahr nach einem starken Auf und Ab rund 72.000 Menschen beschäftigt.
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Hier wird wieder der Teufel an dir Wand gemalt. Die Situation heute ist nicht vergleichbar mii 2012, damals hing die Solarindustrie am Tropf der EEG-Subventionen. Und Subventionen schaffen keine dauerhaften Arbeitsplätze.
Die Musik spielt inzwischen immer mehr in der Freifläche und das ist absolut sinnvoll und billiger für alle.
„… absolut sinnvoll und biliger für alle“? Leider nur kurzfristig. Der zurzeit wieder steigende Flächenverbrauch, gerade auf der Freifläche, erzeugt Folgekosten bei den nächsten Generationen. Auch abnehmende Artenvielfalt ist nicht umsonst.
Vize
Sie argumentieren wie die AFD.
1. Keiner verbietet die Dächer voll zu machen, nur 7 cent Einspeisevergütung sind zu viel und auch alles Einzuspeisen ohne Abregelung
2. Und diese Übertreibung als ob wir jetzt in den nächsten 3 Jahren überall PV-Freiflächenalgen haben werden
3. Welche Kosten für die nächste Generation
2.
Die aktuelle Wärmephase wird mit hoher Wahrscheinlichkeit alle paar Jahre zum neuen Normal im Sommer. Eventuell wird die „Gluthitze“ in den nächsten Jahren noch eine Schippe drauf legen, und sieben Tage lang am Stück die 45 Grad Celsius – „Todeszone“ am Tag erreichen. Unklimatisierte Wohnungen erwärmen sich dann dauerhaft auf 35 Grad Celsius im Innenraum. Das ist dann doch etwas sehr warm. Der Körper muss dann nur noch 2 Grad Eigenleistung erbringen um auf 37 Grad zu kommen. Da ist man ja wirklich „lebendig “ wie eine Schildkröte.
Vielleicht ist es am Ende ein Glück, dass Deutschland fast genau zur Hälfte in Wohneigentum und Mietwohnungen gesplittet ist. Diversifikation ist seltsamerweise immer auch irgendwie vorteilhaft.
Die großen Träume der “ kleinen Menschen “ sind ohnehin nicht mehr im Buch der Zukunft als realistisch vermerkt .
Der eigene kleine Bauernhof mit kleinem Café und freilaufenden Kaninchen, alles für einen schmalen Taler erworben, dies wird in der Zukunft nur wenigen fleißigen Menschen zuteil werden.
Die extrem befremdliche Entwicklung der aussterbenden Dörfer ist eigentlich wirklich ein paar Dutzend Doktorarbeiten wert. Das grundsätzliche Problem ist , dass Menschen nicht mehr vollständig in der Arbeit ihre Lebensverwirklichung sehen , beziehungsweise sehen können. Wohnen ,schlafen ,essen war früher der “ Kollateralschaden“ den man hingenommen hat , um auf der unvermeidlichen Arbeit bestehen zu können.
Heute ist die Arbeit beinahe der „Kollateralschaden“ , der die Gesellschaft beim erquicklichen Wohnen ,Essen,Reisen und Schafen beeinträchtigt . Natürlich übertreibe ich stark , aber die Tendenz ist richtig dargestellt glaube ich.
Wenn aber Besitz in Form von Wohneigentum in Form eines Einfamilienhauses zukünftig überhaupt nicht mehr zeitgemäß und erstrebenswert ist , weil es unfassbar viel Pflege bedarf , dann sind Mietwohnungen zukünftig wieder eine gute Alternative.
Stadtnahe Mietwohnungen in grossen MFH mit hervorragender ökologischer Klimatechnik und angeschlossenem Micro-Gardening unter der Dach-Photovoltaikanlage sind lebendige Wohnformen.
Diese Wohnung kosten dann natürlich etwas mehr, aber wenn w/m/d sowieso lebenslang nie anstrebt ein arbeitsintensives Einfamilienhaus zu erwerben, dann passt das durchaus in das Konzept einer nachhaltigen Lebensweise.