Neue Studie sieht viel Spielraum für schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg

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Die Studie zeigt an Hand von vier Szenarien, in wie weit verschiedene Ausbaupfade erneuerbarer Energien die CO2-Emissionen von Baden-Württemberg bis 2030 und 2050 führen. Der Fokus liegt dabei auf der Strom- und Wärmeerzeugung. Erstellt hat sie Joachim Nitsch – ein erfahrener Energieexperte, der lange Zeit beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt beschäftigt war und jetzt als Berater tätig ist.

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat sich das Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2030 um 42 Prozent  zu verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Studie zufolge die Photovoltaik von 5,8 Gigawatt in 2018 auf 11 Gigawatt ausgebaut werden, die Windenergie von 1,5 Gigawatt auf 5,6 Gigawatt.

Die Studie sieht jedoch Spielraum für ein ambitionierteres Vorgehen – Autor Nitsch empfiehlt, eine Minderung von 50 Prozent anzustreben („Szenario BW Plus“). Das Ziel soll vor allem über einen starken Ausbau der Photovoltaik erreicht werden: Die installierte Leistung könne bis 2030 auf 15,3 Gigawatt gesteigert werden. Dafür müsste im Gegenzug die Windenergie nur auf 5 Gigawatt statt auf 5,6 Gigawatt ausgebaut werden.

Franz Pöter, Geschäftsführer der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (EE BW), verweist darauf, dass der jährliche Zubau bei Photovoltaik und Windenergie in diesem Szenario zwar höher liegt als in den letzten zwei Jahren, zugleich aber weit hinter den jeweiligen Spitzenwerten zurückliegender Jahre. „Statt des bislang stark schwankenden Zubaus muss es jetzt eine Verstetigung und Stabilisierung des Marktes geben“, fordert Pöter.

Für einen erfolgreichen Klimaschutz ist auch die Umgestaltung des Wärmesektors essenziell, da knapp die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen Baden-Württembergs aus diesem Bereich stammt. Als Grundlage sieht die Studie den Ausbau von Wärmenetzen, deren Anteil an der Wärmebereitstellung sich im Ausbauszenario BW Plus von jetzt 15 auf 30 Prozent im Jahr 2030 verdoppelt. Der Neubau von bis zu zehn neuen Geothermieanlagen ist darin ebenso vorgesehen wie eine leichte Steigerung der Wärmeerzeugung durch Biomasse. Die Solarthermie-Kollektorfläche verdoppelt sich auf neun Millionen Quadratmeter, darunter vermehrt große Freiflächenanlagen, die in Wärmenetze einspeisen. Wo es keine netzgebundenen Alternativen gibt, kommen Wärmepumpen zum Einsatz, mit einem verstetigten Zubau von wie heute 25.000 Stück pro Jahr. Zusammen mit einer sinkenden Gesamtnachfrage nach Wärme (minus 20 Prozent bis 2030) durch Effizienzmaßnahmen könnte der Südwesten den Anteil erneuerbarer Energien auf 27 Prozent des Wärmeverbrauchs steigern.

Um die Ausbaupfade zu erreichen, fordert die Plattform EE BW eine Reihe von Änderungen auf landes- wie bundespolitischer Ebene. „Wir müssen Genehmigungsverfahren beschleunigen und vereinheitlichen, um Realisierungszeiträume für Erneuerbare-Energien-Projekte wieder zu verkürzen. Außerdem müssen bestehende Ausbaugrenzen und Degressionsmechanismen im Rahmen der anstehenden EEG-Novelle beseitigt werden“, fordert Pöter. „Auch eine Solardachpflicht lohnt sich für das Klima – und die Hauseigentümer.“