bne entwickelt Quotenmodell für mehr Flexibilität im Verteilnetz

Teilen

Wie lassen sich Unternehmen und Haushalte dazu bewegen, beim Einsatz stromintensiver Anlagen die Auslastung der lokalen Verteilnetze zu berücksichtigen? Dafür hat der Bundesverband neue Energiewirtschaft (bne) jetzt ein Quotenmodell entwickelt – ein Anreizsystem, das die Stromrechnung der Verbraucher dann am günstigsten ausfallen lässt, wenn er seine Stromnachfrage nach Erneuerbarer-Energien-Einspeisung und Netzauslastung ausrichtet. Dabei behalten die Verbraucher maximalen Freiraum bei der Ausgestaltung ihres Flexibilitätsangebots.

Derzeit geben die Verteilnetzbetreiber lediglich statische Zeitfenster an, während derer sie von einer hohen Netzauslastung in ihrem Versorgungsgebiet ausgehen. Die festgelegten Fenster gelten für mehrere Monate oder länger. Wenn Verbraucher ihren Strombezug innerhalb dieser Zeiträume deutlich reduzieren beziehungsweise dem Netzbetreiber die Möglichkeit geben, den Stromverbrauch während dieser Zeit zu unterbrechen, müssen sie weniger Netzentgelte zahlen. Es fehlt allerdings ein Instrument, das die tatsächliche Netzauslastung in den Verbrauch einbezieht – und so effektiv dazu beiträgt, Engpässe zu vermeiden.

Das bne-Modell sieht nun vor, dass die Verteilnetzbetreiber Grenzen für die Netznutzung („Quoten“) festsetzen, wenn sie in bestimmten Zeiträumen ein Engpassrisiko annehmen. Das vermeidet, dass die Verbraucher zur gleichen Zeit die maximale Anschlussleistung abrufen. Die Quote definiert die maximale Leistung, die Teilnehmer am Quotenmodell für einen gewissen Zeitraum an einem konkreten Tag nutzen dürfen.

Im Gegenzug erhalten die Verbraucher eine Flexibilitätsprämie. Damit wird das netzdienliche Verhalten belohnt. „Da die Quoten im Voraus angekündigt werden, sind die netzseitigen Einschränkungen planbar. Das ist Bedingung, damit der marktliche Einsatz der Flexibilität möglich ist und Kundenbedürfnisse berücksichtigt werden können“, sagt bne-Geschäftsführer Robert Busch. So können Teilnehmer zum Beispiel das Laden ihres Elektroautos in die Stunden verlagern, in denen keine Netzengpässe zu erwarten sind.

Die Teilnahme am Quotenmodell ist freiwillig. Sie soll für sämtliche Kunden im Verteilnetz möglich sein, sowohl auf Nieder- als auch auf Mittel- und Hochspannungsebene. „Wir dürfen dabei nicht den Kunden aus den Augen verlieren: Aussicht auf Erfolg hat ein System am Ende nur, wenn Verbraucher überzeugt sind. Flexibilität soll angereizt, nicht erzwungen werden“, erklärt Busch.

Der bne ist überzeugt, dass der regulatorische Rahmen nur in geringem Maße angepasst werden muss, um dieses Modell einzuführen. Im Detail: Es müsste die bisher geltenden Netzentgeltreduktionen für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG und die in § 19 Abs. 2 Strom-NEV geregelten individuellen Netzentgelte ersetzen beziehungsweise die Verordnungsermächtigung nach § 14a EnWG konkretisieren.

Woodmac: Neue Vergütungssysteme für Flexibilität notwendig

Auch die Experten des US-amerikanischen Analystenhauses Woodmac halten es für zwingend notwendig, die Flexibilitätspotenziale dezentraler Verbrauchs- und auch Erzeugungsanlagen zu erschließen. Dafür sind neue Vergütungs- und Anreizsysteme notwendig, die sich am Nutzen für die Netze orientieren, heißt es in einem neuen Kurzbericht. Dabei haben die Woodmac-Experten vor allem die Elektromobilität sowie Wärmepumpen und andere elektrische Wärmeerzeuger im Visier.

„Mit der rasant zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen und -heizungen werden wir auch den Durchbruch von Technologien sehen, die für die Integration dieser Verbraucher in das Netz sorgen“, erklärt Woodmac-Forschungsdirektor Ben Kellison. Die Steuerung von Ladesäulen, Wärmepumpen und anderen Verbrauchern ist schon allein deshalb notwendig, weil damit ein höherer Strombedarf – und damit ein stärkerer Ausbau der erneuerbaren Energien – einher geht. Mit der Orchestrierung des Verbrauchs lässt sich der Netzausbaubedarf gering halten, so Woodmac.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am 18. März, 15.45 Uhr, um die Aussagen von Woodmac ergänzt.