PwC: Eon, RWE & Co. überleben nicht als Einzelkämpfer

„Kein Energieversorger kann die Herausforderungen der nächsten Jahre alleine meistern“, das ist eine der Kernaussagen von Studieautor Jan-Philipp Sauthoff, der zugleich Partner und Leiter Energy Transactions bei Price Waterhouse Cooper (PwC) in Deutschland ist. Das Unternehmen hat untersucht, mit welchen Strategien deutsche Energieversorger die Energiewende meistern wollen. „Das Marktumfeld für Energieversorgungsunternehmen (EVU) und Stadtwerke ist schwierig wie nie zuvor. Die Erträge brechen weg, der Kostendruck steigt – und zugleich sorgen Erneuerbaren Energien und die digitale Revolution dafür, dass die Branche heute ganz anders funktioniert als noch vor fünf Jahren“, erklärt Sauthoff weiter. Daher werde es in der deutschen Energiewirtschaft zu einer Welle von Transaktionen und neuartigen Kooperationen kommen.

Dieser Trend lasse sich bereits erkennen, sagt Sauthoff mit Verweis auf Eon und RWE. Die beiden größten deutschen Energiekonzerne haben ihre erneuerbaren Geschäftsfelder bereits von den fossilen Aktivitäten abgekoppelt und in neue Unternehmen ausgegliedert. Parallel dazu habe etwa Eon in eine Reihe von zielgerichteten Zukäufe investiert, vor allem in Start-ups, die digitale Lösungen für Energiewende anbieten.

Es ist nach der PwC-Studie aber nicht nur ein Vorgehen bei großen Energieversorgern. Insbesondere Stadtwerke würden sich über Kooperationen den Bereich der erneuerbaren Energien erschließen, auch um sich an größeren Projekten wie etwa Offshore-Windparks zu beteiligen. „Das alles ist jedoch nur der Anfang. Denn nicht nur die Zahl der Kooperationen wird sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen – sondern wir werden auch neue Arten von Bündnissen erleben“, so Sauthoff weiter. Dies schließe auch Partnerschaften mit ganz neuen Playern der digitalen Welt mit ein.

Hintergrund sei der Wandel der Geschäftsmodelle. Energieversorger seien nicht mehr nur Produzenten. Die Zukunft der Branche liege in der Dienstleistung. Dabei geht es nach Aussage von Sauthoff nicht nur um Services für private Haushalte, sondern auch für Elektromobilität, dezentrale Energielösungen und digitale Energieplattformen. „Die Fähigkeiten von klassischen Energieversorgern und aufstrebenden Newcomern ergänzen sich dabei in vielen Fällen perfekt. Beide Seiten haben daher ein vitales Interesse an Kooperationen“, so Sauthoff weiter. Die einen verfügten über ein breites Kundennetzwerk und die anderen über die digitalen Geschäftsmodelle. Kooperationen seien daher Win-Win-Situationen für beide Seiten.

Ein ähnliches Bild biete sich bei möglichen Investitionspartnerschaften. Während die institutionellen Investoren das nötige Kapital mitbringen, verfügten die EVUs über das Know-how, die Investitionsprojekte zu realisieren und die Anlagen später zu betreiben. „Mit Partnering-Modellen können sich Energieversorger somit auch hier als Dienstleister positionieren“, so Sauthoff. Auf all diese neuen Voraussetzungen müssten sich die Energieversorger und Stadtwerke nun vorbereiten. (Sandra Enkhardt)