IEA Renewable Energy Medium-Term Market Report 2016

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihren Renewable Energy Medium-Term Market Report 2016 veröffentlicht. Der Druck der EWG (http://energywatchgroup.org/issues/iea-related-studies/) und anderer Akteure hat die IEA zwar dazu bewegt die Projektionen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien anzuheben. Die IEA hat aber offensichtlich nur auf die nicht zu leugnenden weiter schnell gestiegenen Erneuerbaren Energien Investitionen reagiert und damit nach oben angepasst. Trotz angepasster Zahlen aber verfehlen die Projektionen wohl wieder die kommende Realität. Die IEA hat lediglich auf die Kritik und die vergangenen Entwicklungen reagiert; aber die richtigen Konsequenzen zieht sie weiterhin nicht.

Damit täuscht sie nur darüber hinweg, dass sie die gleichen Fehler wie die letzten Jahre macht: eine völlige Unterschätzung der kommenden Ausbaugeschwindigkeiten, insbesondere im Solar- und Windsektor und neu auch im Bereich der E-Mobilität. Dies scheint eine bewusste Methode zu sein, um die unter ökonomischem Druck stehende fossile Wirtschaft noch eine Weile zu schützen.

Die IEA projiziert völlig unverständlich sogar einen Rückgang des jährlichen Solar- und Windausbaus nach 2016 und erwartet einen stagnierenden jährlichen Markt auf niedrigerem Niveau als das heutige über die nächsten fünf Jahre (S. 116 Fig. 2.2 im Report). Eine absurde Projektion, da Solar- und Windkraftanlagen heute in den allermeisten Weltregionen die kostengünstigste Form der Elektrizitätsgewinnung darstellen. Wieso also sollten die Investitionen zurückgehen, wenn diese beiden regenerativen Energiequellen günstiger sind als neue Kernkraft-, Kohle- oder Gaskraftwerke?

Die IEA scheint bewusst gesteckte nationale Ziele für unrealistisch zu halten. Beispielsweise hat die indische Regierung ihr Ziel bestätigt, Photovoltaik als günstigste Energiequelle mit weiteren 90 GW bis 2022 auf dann 100 GW weiter auszubauen. Die IEA scheint davon auszugehen, dass das Land seine Ziele nicht erreichen wird und nimmt selbst im ambitionierten Szenario nur einen Ausbau auf 68 GW bis zum Jahr 2021 an. Wie sie diese Vermutung begründet, wird nicht klar (S.35).

Darüber hinaus setzt die IEA für 2016 einen Erzeugungspreis für PV-Strom an, der fast doppelt so teuer ist wie der Preis, der in der Realität schon erreicht wurde. Die erwarteten Kosten für 2020 sind zum Teil sogar schon heute niedriger. Grund hierfür ist unter anderem die zu niedrig angesetzte Nutzungsdauer für Solaranlagen: Während der Report von einer Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren ausgeht (S. 23), werden in der Realität 30 Jahre erreicht. Durch eine geringere Nutzungsdauer steigen folglich auch die Stromgestehungskosten (engl. Levelized Cost of Electricity, kurz LCOE).

Nun fängt die IEA auch noch an, die Entwicklung der E-Mobilität gering zu reden, indem sie deren Möglichkeiten vollkommen unrealistisch darstellt. Nach 2020 setzt sie kein jährliches Marktwachstum für E-Mobilität mehr an, obwohl vielfach angenommen wird, dass nach 2020 ein Elektroauto billiger sein wird, als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor. Diese vorsichtig formuliert extrem konservativen Projektionen der IEA konnten schon in den vergangenen zwei Dekaden im Photovoltaikbereich beobachtet werden.

In diesem Bericht der IEA wird nur ein weiteres Mal bestätigt, dass die pessimistischen Projektionen ohne belastbaren Grund in der Welt verbreitet werden und so negativen Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen. Die IEA als eine der wichtigsten Instanzen für Energieanalysen sollte die Entwicklung der Erneuerbaren Energien und auch eine auf Erneuerbaren Energien aufbauende nachhaltige E-Mobilität mit positiven und belastbaren Projektionen vorantreiben und sie nicht weiterhin mit extrem konservativen Projektionen trüben und damit bremsen, insbesondere da aus der Vergangenheit nur zu gut bekannt ist, dass diese Projektionen insbesondere im Bereich der Photovoltaik regelmäßig falsch weil viel zu niedrig waren.

— Der Autor Hans-Josef Fell saß für die Grünen von 1998 bis 2013 im Deutschen Bundestag. Der Energieexperte war im Jahr 2000 Mitautor des EEG. Nun ist er Präsident der Energy Watch Group (EWG). Mehr zu seiner Arbeit finden Sie unterwww.hans-josef-fell.de. —

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