Agora Energiewende: 95 Prozent Anteil von Photovoltaik, Windkraft & Co.

Am Sonntag (8. Mai) schien die Sonne in weiten Teilen Deutschland und dazu wehte ein kräftiger Wind. Nach einer vorläufigen Auswertung der Stromdaten durch Agora Energiewende haben Photovoltaik, Windkraft, Biomasse und Wasserkraft dank der Wetterbedingungen einen neuen Rekord aufgestellt und 95 Prozent des Energieverbrauchs um 11 Uhr gedeckt. Die Einspeisung der Photovoltaik-Anlagen habe zu diesem Zeitpunkt bei 26,11 Gigawatt gelegen, während die Leistung der Windkraftanlagen bei 20,83 Gigawatt beitrug, wie auch den Daten des „Agorameters“ des Berliner Think-Tanks hervorgeht. Die Biomasse habe 5,14 Gigawatt am Sonntag 11 Uhr beigetragen und die Wasserkraft knapp 2,75 Gigawatt. Der Energieverbrauch habe in Deutschland zu diesem Zeitpunkt fast 57,8 Gigawatt betragen. Knapp 95 Prozent (rund 54,8 Gigawatt) des Stromverbrauchs hätten damit die Erneuerbaren zu diesen Zeitpunkt decken können. Agora Energiewende weist aber darauf hin, dass sich diese Zahlen noch ändern können.

Gleichzeitig zeigt das „Agorameter“, dass auch die konventionellen Kraftwerke am Sonntag kräftig einspeisten. So waren es 11 Uhr immerhin rund 11,39 Gigawatt. Den ganzen Tag über lag die Erzeugung teilweise deutlich über dem Verbrauch. Dies führte schließlich auch zu negativen Preisen an der Strombörse. Am Sonntag 14 Uhr war dieser nach den Daten mit mehr als 130 Euro pro Megawattstunde im Minus. Zwischen 10 und 17 Uhr lag er die ganze Zeit im negativen Bereich. Dies bedeutet für die Betreiber der Erneuerbaren-Energien-Anlagen, die sich nach dem EEG 2014 in der Direktvermarktung befinden, dass sie für diese Zeit keine Vergütung für ihren erzeugten Strom erhalten.

Der Strompreis fiel am Sonntagnachmittag extrem ins Negative. Grafik: Agora Energiewende/Agorameter

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) macht dafür das unflexible Strommarktdesign verantwortlich. „In der Spitze zahlten Betreiber von Braunkohlekraftwerken 24 Cent pro Kilowattstunde Strom, um ihn ins Netz zu entsorgen. Dieses Bild wiederholt sich jedes Frühjahr um Pfingsten, wenn unflexibler Strom aus Braunkohlemeilern die Netze verstopfen“, heißt es beim Verband. Gerade an Wochenenden oder Feiertagen, wenn der industrielle Stromverbrauch fehle, würden die Kraftwerke nur mit minimaler Besatzung betrieben und könnten nicht adäquat heruntergefahren werden. „Es steht zu erwarten, dass sich dieses Szenario am kommenden Pfingst-Wochenende wiederholt“, erklärte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk.

Zudem kritisiert der Verband, dass sich in der energiewirtschaftlichen Praxis nicht an das EEG gehalten werde. Photovoltaik und Windkraft hätten einen Einspeisevorrang, doch diese Anlagen würden abgeregelt, während AKW und Kohlekraftwerke weiter liefen. Der BEE schlägt auch verschiedene Maßnahmen vor, wie künftig negative Börsenstrompreise durch Braunkohlekraftwerke verhindert werden könnten. So müsse es einen schnelleren Ausstieg geben, in dem die inflexibelsten Braunkohlekraftwerke zuerst vom Netz genommen werden müssten. Die KWK-Förderung sollte auf flexible Anlagen umgestellt werden, die mehr Platz im Netz für sauberen Strom schafften. In Netzengpassgebieten müsse es zudem eine Sektorenkopplung geben, wobei vor allem zuschaltbare Lasten genutzt werden sollten. Der BEE fordert überdies, den Verteil- und Übertragungsnetzausbau voranzutreiben. (Sandra Enkhardt)