Großbritannien: Erneuerbare stechen erstmals Kohle aus

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Die Verdoppelung der installierten Photovoltaik-Kapazität in Großbritannien innerhalb von nur zwölf Monaten hat dem Erneuerbaren-Energien-Sektor im zweiten Quartal 2015 geholfen, erstmals die Kohle im Strommix des Landes zu überholen. Dies geht aus den nun veröffentlichen Daten des britischen Ministeriums für Energie und Klimawandel (DECC) hervor. Bis Ende Juni 2015 sei die kumulierte Photovoltaik-Leistung in Großbritannien auf acht Gigawatt gestiegen. Der Solarstrom habe 3,2 Terawattstunden zur Gesamterzeugung beigetragen – eine Steigerung um 115 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2014, so das DECC weiter.

Der Gesamtanteil der erneuerbaren Energien am Erzeugungsmix des Landes habe den Rekordwert von 25 Prozent erreicht. Damit lagen sie knapp hinter dem Erdgas, das 30 Prozent lieferte, wie das DECC veröffentlichte. Die Kohle sei mit 20,5 Prozent auf Platz vier abgerutscht. Erstmals lag sie damit hinter den Erneuerbaren, da einige Kohlkraftwerke stillgelegt oder abgeschaltet wurden. Die Kernkraft habe 21,5 Prozent zum Strommix beigetragen und lag damit auf dem dritten Platz.

Die wachsende Bedeutung der Photovoltaik für die Energiewende hat einige Befürworter der Erneuerbaren überrascht. Viele von ihnen kämpfen seit langem für etwas mehr Unterstützung für diese Technologie, damit sie die Netzparität mit den fossilen Brennstoffen erreicht. Nun will das britische DECC aber die Einspeisetarife für kleine Photovoltaik-Anlagen ab dem 1. Januar um bis zu 87 Prozent kürzen. Dieser Vorschlag stammt aus dem Sommer und hat viele Kritiker auf den Plan gerufen. Gerade bei privaten Photovoltaik-Dachanlagen und Gewerbeinstallationen könnte dieser Einschnitt für ein Abwürgen der Nachfragen sorgen. Zu Beginn des Jahres hatte das DECC auch beschlossen, die Förderung über Renewable Obligations (RO) für Photovoltaik-Anlagen unter fünf Megawatt Leistung zum 31. März 2015 vorzeitig zu beenden.

„Die staatliche Unterstützung hat die Kosten für erneuerbare Energien deutlich gesenkt und diese Statistiken zeigen, dass die erneuerbaren Energien nun erfolgreich mit anderen Technologien konkurrieren können“, erklärte eine DECC-Sprecherin bei der Präsentation der Daten. „Unsere Priorität ist nun, uns in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu bewegen und gleichzeitig die Förderung für die Technologien zu nutzen, die sie am meisten brauchen und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für die Stromkunden haben.“

Allerdings sorgte bei den Befürwortern der erneuerbaren Energien für Verärgerung, dass die britische Energieministerin Amber Rudd eine Kreditgarantie über 2 Milliarden Pfund (2,72 Milliarden Euro) für den Bau des umstrittenen AKW Hinkley Point C bestätigte und dabei auf das Preis-Leistungs-Verhältnis des Projekts hinwies. Der britische Schatzkanzler George Osborne verteidigte ebenfalls diesen Schritt. Der Neubau des AKW soll insgesamt rund 16 Milliarden Pfund (21,76 Milliarden Euro) kosten. Die Entwicklung des Projekts erfolgt unter Führung des französischen Energiekonzern EDF und Chinas National Nuclear Corporation. Nach Berechnungen von Greenpeace Energy sind für Hinkley Point C insgesamt Staatsbeihilfen von etwa 22 Milliarden Euro vorgesehen. Neben den Kreditgarantien soll der Atomstrom unter anderem eine Einspeisevergütung von etwa elf Cent pro Kilowattstunde erhalten. (Ian Clover, übersetzt und bearbeitet von Sandra Enkhardt)

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