Solare Lärmschutzwand: Modellprojekt in Brandenburg gescheitert

Die solare Lärmschutzwand entlang der A10 nahe Berlin wird es nicht geben. Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Scheider habe nun die Bürgerinitiative „Lärmschutz jetzt“, die Gemeinde Michendorf und den Landkreis Potsdam-Mittelmarkt darüber informiert, teilte ihr Ministerium am vergangenen Freitag mit. Grund dafür seien zwei gescheiterte Ausschreibungen. Während sich beim ersten Vergabeverfahren kein Investor beteiligt habe, seien die Rahmenbedingungen nochmals deutlich verbessert worden. Bei der zweiten Ausschreibungsrunde habe es dann auch ein Angebot gegeben, das aber nicht die Mindestkriterien erfüllt habe, so das Ministerium weiter. Aber auch wegen der stark gekürzten Solarförderung rechne sich das Projekt nicht. „Die höheren Kosten sollten mit der Vergütung für den eingespeisten Solarstrom finanziert werden. Nach dem aber in den vergangenen Jahren die Vergütungen immer weiter gekürzt worden sind, rechnen sich solche Projekte nicht mehr. Auch die besseren Bedingungen für die zweite Ausschreibung haben daran nichts geändert“, erklärte Scheider.

Bei dem Modellprojekt sollte die Lärmschutzwand auf einem Abschnitt von neun Kilometern mit Hilfe von Solarmodulen von acht auf zehn Meter erhöht werden. Nach dem Scheitern der integralen solaren Lärmschutzwand (SLSW) werde nun der reguläre Lärmschutz umgesetzt. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) ist für die Sanierung der Autobahn 10 bei Berlin verantwortlich. Sie hatte das Modellprojekt im April zum zweiten Mal ausgeschrieben. Dabei sollte ein Auftragnehmer gefunden werden, der sich sowohl um den Bau der Lärmschutzwände als auch der Photovoltaik-Anlagen kümmert. Nach Einschätzung der Beteiligten wären entlang der Lärmschutzwände Photovoltaik-Installationen mit einer Gesamtleistung von bis zu zehn Megawatt möglich gewesen. Der erzeugte Solarstrom hätte anschließend vom Betreiber direkt vermarktet werden müssen. In der Ausschreibung ist die Zahlung einer Anschubfinanzierung nach Baufortschritt vorgesehen. Die maximale Höhe beträgt 21,48 Millionen Euro, wobei Projektbeteiligte mit Gesamtkosten für Lärmschutzwände und Photovoltaik-Anlagen von rund 25 Millionen Euro rechnen. Die Anschubfinanzierung war deutlich aufgestockt worden, nachdem bereits 2013 die Suche nach einem geeigneten Investor gescheitert war. (Sandra Enkhardt)