Intersolar Europe: Etwas weniger Photovoltaik und deutlich mehr Speicher

Die Tore zur Intersolar Europe 2015 in München haben sich geöffnet, zugleich begann auch die Belgeitmesse ees, die sich auf Speichertechnologien konzentriert. Insgesamt werden rund 40.000 Besucher erwartet. Mehr als 1.000 Anbieter aus 42 Ländern stellen ihre neuen Produkte und Lösungen aus. Das sind weniger als im vergangenen Jahr, als sich auf beiden Messen etwa 1100 Unternehmen präsentierten. Die Zahl der Aussteller aus dem Bereich der Speichertechnologien hat sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings deutlich erhöht, auf insgesamt 326. Die Ausstellungsfläche der ees hat sich innerhalb eines Jahres verfünffacht. Der Anteil der ausländischen Aussteller (56 Prozent Intersolar, 58 Prozent ees) zeigt die große internationale Bedeutung der Messe. Auch die Besucher sind bunt gemischt, nach Angaben des Veranstalter kommen sie aus 143 Nationen.

In diesem Jahr gibt es mehrere neue Angebote, so zum Beispiel die Offgrid-Plattform, unter anderem in Kooperation mit dem BSW-Solar und Otti und eine Sonderschau Innovative Mobilität. Ein neuer Schwerpunkt der Intersolar liegt auf dem Bereich Smart Energy Technologies/Solutions. Das Thema soll auch in den kommenden Jahren während Messe, Konferenz und Rahmenprogramm weiter ausgebaut werden. Für Freitag hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel angekündigt. Er will einen Vortrag zum Thema "Status Quo und Ausblicke zur Energiewende" halten. Während der Auftakt-Pressekonferenz sagte Markus Elsässer von Intersolar-Veranstalter Solar Promotion, dass er auch in den kommenden Jahren damit rechnet, dass die Intersolar Europe ihre Bedeutung als Leitmesse wird halten können, unter anderem auch aufgrund der First-Mover-Rolle im Speichersegment.

Photovoltak und Speicher nicht mehr aufzuhalten

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), betonte zum Messeauftakt das steile Wachstum der weltweiten Photovoltaik-Branche. Der Markt könne sich im Vergleich zum Jahr 2014 bis zum Jahr 2020 ungefähr verdreifachen. Für 2015 werde ein globaler Zubau von rund 50 Gigawatt erwartet. Auch was die Kosten für Solarstrom angeht, zeige die Entwicklung eine klare Tendenz. Seit 2005 seien die Kosten um rund 80 Prozent gesunken. Derzeit koste Solarstrom zum Teil nur noch neun Cent pro Kilowattstunde, was auf dem Niveau von neuen Gas- und Kohlekraftwerken liege. Das Fraunhofer ISE gehe bis 2025 von Photovoltaik-Gestehungskosten von fünf Cent pro Kilowattstunde und bis 2050 von drei Cent pro Kilowattstunde aus.

Starke Wachstumschancen sieht Körnig vor allem in China, Japan und den USA. Aber auch Lateinamerika und Nordafrika seien auf dem Vormarsch. In der Sub-Sahara-Zone in Afrika trieben immer mehr Regierungen den Offgrid-Ausbau voran und in der Golfregion bestünde ein hervorragendes Investitionsklima für große PV-Projekte zu Niedrigstpreisen. In Deutschland und Europa erwartet Körnig nach einem Marktrückgang nun wieder eine Stabilisierung. Leider würden aber zuvor teils sehr ambitionierte Fördermechanismen stark zurückgefahren und teils sogar Barrieren gegen einen zu schnellen PV-Ausbau errichtet. "Manchmal gaube ich, die Photovoltaik ist zu billig geworden, so dass die Konkurrenz für die konventionellen Energieversorger zu groß geworden ist", sagte Körnig dazu.

Dass der Speichermarkt in Zukunft von China dominiert wird, wollte Körnig so nicht unterschrieben. Die Batteriebranche und die Automobilbranche seien in Deutschland gut aufgestellt. Wie in der Photovoltaik werde aber auch in der Speicherbranche ein harter Wettbewerb auf die Hersteller zukommen. Um hier zu bestehen sei für Hersteller allerdings auch ein sicheres Standbein in einem gut funktionierenden Binnenmarkt Deutschland wichtig. (Mirco Sieg)