Eigenverbrauch: Das beste Geschäftsmodell der Photovoltaik darf nicht sterben

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Ein Appell, warum der private Eigenverbrauch, die größte Stärke des Solarstroms, nicht belastet werden darf.

Mein Name ist Tobias Schütt. Ich bin Solarstromverkäufer. Simpel und einfach. Mit meinem Partner Florian Berghausen habe ich vor zweieinhalb Jahren DZ-4 gegründet und in den letzten Jahren aufgebaut. Simple Idee: Wir machen Solarstrom einfach und für jedermann möglich, der in seinem eigenen Haus wohnt. Das sind rund 10 Millionen Haushalte. Das reicht für einen substanziellen Beitrag zum Gelingen der Energiewende, wenn alle mitmachen. Die Idee muss einfach sein und Hürden wegnehmen: Nicht Photovoltaik-Anlagen verkaufen, sondern Strom. Und dabei die PV-Anlage als zentrales Element der Stromerzeugung und –versorgung definieren. Energiewirtschaftliche Verantwortung übernehmen, eine Brücke zwischen „alter“ Solarwelt und „alter“ Energiewirtschaft schlagen oder anders: Solar-Stromversorger sein, weil es die Etablierten nicht machen.Das ist DZ-4.

Wir haben ein Geschäftsmodell, das so gewollt sein muss, denn es spielt die ihr eigenen Vorteile und individuellen Stärken der Photovoltaik aus: Stromerzeugung am Ort des direkten Verbrauchs, auf dem Dach des Kunden. Mit diesem Modell werden Stromnetze entlastet. Kunden lernen, bewusster mit Strom und Stromverbrauch umzugehen – nämlich ihn dann zu nutzen, wenn die Sonne scheint oder der Batteriespeicher geladen ist. Das Modell ist gleichzeitig eine wirkungsvolle Energieeffizienzmaßnahme. Wir haben von vielen Seiten großen Zuspruch zu unserem Modell bekommen: von Kunden, aus der Politik, von Journalisten. Sogar potenzielle „Marktbegleiter“ (oder Wettbewerber) attestieren dem Modell viel Charme.Auch Auszeichnungen haben wir für unser Modell erhalten.

Man könnte fast meinen, eine Erfolgsstory.

Heute bin ich sehr besorgt. Denn dieses Modell, aber vor allem auch alle anderen Geschäftsmodelle, die die Photovoltaik als Teil eines intelligenten Energiekonzeptes für private Haushalte verstehen, sind in sehr großer Gefahr. Es ist zu hören, dass zukünftig auch der PV-Eigenverbrauch, also dezentral erzeugter und direkt (oder über Batterie) verbrauchter Solarstrom, mit der EEG-Umlage belastet werden soll. Dies soll selbst für Kleinanlagen gelten. Insbesondere die Einbeziehung von Kleinanlagen wäre eine fatale Entscheidung, die den gesamten Zukunftsmarkt der Solartechnik in Deutschland zum Erliegen bringen würde, denn die Wirtschaftlichkeit von neu errichteten PV-Anlagen ist nur noch über den unbelasteten Eigenverbrauch zu erreichen. Wenn dieser nun noch bestraft wird mit einer Abgabe, dann ist vor allem das Segment der Kleinanlagen – das das einzig verbliebene, stabile Segment der PV-Branche – so gut wie tot. Nicht nur der Bundesverband der Verbraucherzentralen spricht sich deshalb klar gegen eine Belastung des Eigenverbrauchs aus.

Wenn eine EEG-Umlage auf PV-Eigenverbrauch auch für Kleinanlagen käme, wäre eine solche Entscheidung aus fünf Gründen für den gesunden Menschenverstand nur schwer nachvollziehbar und äußerst verwunderlich; zu erklären nur mit dem Wissen, dass die etablierte rückwärts gerichtete Energiewirtschaft als Besitzstandswahrer eine massive Lobby hat.

1. Der Koalitionsvertrag sieht eine Bagatellgrenze für Kleinanlagen vor, der im Abschnitt „Ausbau der erneuerbaren Energien“ genannt ist: „Für kleine Anlagen soll eine Bagatellgrenze eingezogen werden.“ Ist der Koalitionsvertrag nicht das bindende Dokument, an dem sich die Regierung zu orientieren hat? Was ist in der Zwischenzeit (vier Monate) passiert, dass ein so kleiner aber verheerender Schwenk erfolgte?

2. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet die schon seit Jahrzehnten bestehenden Ausnahmen für industriellen Eigenverbrauch, der übrigens noch überwiegend fossil ist, noch weiter ausgenommen werden sollen, wohingegen dies für kleine Endkunden-Anlagen nicht gelten soll. Man muss sich dies vor Augen führen: Die industriellen, fossilen Eigenverbrauchskraftwerke waren schon immer komplett EEG-Umlage befreit. Fossile Energieträger werden hier nochmals vollkommen wettbewerbsverzerrend gefördert, zusätzlich zu den ohnehin kaum existierendem Kosten für CO2 Ausstoß, die Preise für die Verschmutzungszertifikate sind seit Jahren im Keller. Gute, saubere, auf Lebenszeitkosten – und zwar Vollkosten – kalkulierte Anlagen, mit einem versorgungssicheren Energieträger (Sonne) werden abgestraft. Darf das sein?

3. Der wirtschaftliche Nutzen einer solchen Regelung – wenn überhaupt vorhaben – ist im Vergleich zu den riesigen Geschenken an die Industrie marginal. Nehmen wir eine vierköpfige Familie, die jährlich 4.000 kWh Strom verbraucht und über PV-Anlage und Speicher 2/3 autark ist. Dann sprechen wir über ca. 2.650 kWh Eigenverbrauch. Nähmen wir eine EEG-Umlage von 6 ct an, wären ca. EUR 160 EEG-Umlage abzuführen. Zum einen wären für eine Erfassung jedoch zusätzliche Installationen / Ausrüstungen erforderlich, die mit Arbeitskosten mehrere Hundert Euro kosten, zum anderen gäbe es noch laufende Kosten für eine Abrechnung. Dies würde bedeuten einen sinnlosen Papiertiger einzurichten, an dem bis auf ein paar wenige, die die Energiewende für den Normalbürger verhindern wollen, keiner Spaß haben kann. Zumal der viel größere Hebel für eine Reduzierung der EEG-Umlage bei den Industrieausnahmen liegt.

4. Der private Eigenverbrauch entlastet die EEG-Umlage ohnehin bereits. Denn grundsätzlich könnte der Solarstrom ja auch ins Netz eingespeist werden und der Betreiber die EEG-Vergütung erhalten. Das würde die EEG-Umlage für alle natürlich erhöhen. Wenn diese intelligente und sinnvolle Verwendungsform bereits gut für alle ist, wieso soll sie dann bestraft oder verhindert werden?

5. Will die Bundesregierung wirklich diesen Präzedenzfall schaffen? Auf etwas auf dem eigenen Privatgrundstück für Erzeugtes und Verbrauchtes eine Abgabe einführen? Wie gehen wir dann zukünftig mit Tomaten aus dem Garten um, mit Holz im Kamin, mit Regenwassernutzung? Das kann nicht der richtige Weg sein.

Ich bin Tobias Schütt, ich bin Solarstromverkäufer. Ich hoffe, ich kann das noch ein paar Jahre bleiben. Denn meine Arbeit macht mir Spaß, unsere Kunden finden uns und unser Angebot toll und wir haben die Zukunft noch vor uns. So wie die gesamte PV-Branche. Ich hoffe, ich muss nicht bald sagen „Damals, da war ich mal Solarstromverkäufer!“

Ich glaube, wir müssen jetzt kämpfen.