Neue Details zur geplanten X-Gigawatt-Fabrik

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Die geplante X-Gigawatt-Fabrik gehört zu den absoluten Lieblingsthemen des Direktors des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), Eicke Weber. Auf einer Presseveranstaltung ließ sich Weber einige weitere Details zu dem geplanten Projekt entlocken, verwies aber zugleich darauf, dass es sich derzeit noch im „Stealth-Mode“ befinde. In etwa zwei Monaten rechne er mit einer Ankündigung aus der Politik und dem wolle das Fraunhofer-ISE nicht vorgreifen.

Dennoch skizzierte Weber eine grobe Zeitplanung. So sei noch im ersten Halbjahr eine Firmengründung zu erwarten. Im zweiten Halbjahr 2014 solle dann auch mit dem Bau der Pilotlinie begonnen werden. Die Fertigstellung sei für Ende 2015 avisiert. Im Jahr 2018 soll dann eine Fertigung von Solarmodulen im Gigawatt-Maßstab stattfinden. Mit Verweis auf die Studie der Fraunhofer-Institute ISE und IPA sagte Weber, dass er von sehr konkurrenzfähigen Preisen in einer derzeit hochskalierten Fertigung ausgehe. Zum möglichen Standort für die X-Gigawatt-Fabrik sagte Weber, dass dieser voraussichtlich in Frankreich sein werde. Gern hätte er sie auch in Freiburg, wo der Hauptsitz des Fraunhofer-ISE ist, angesiedelt. Da es sich aber um ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt handele und die Unterstützung der Politik sehr erforderlich sei, werde die Wahl wohl auf Frankreich fallen. Die Kosten für die geplante Pilotlinie bezifferte Weber mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, wovon etwa ein Drittel Eigenkapital sein soll. Bei einer Gigawatt-Fertigung lägen die Kosten dann voraussichtlich zwischen 500 und 600 Millionen Euro, so Weber weiter.

Dennoch zeigte sich der Fraunhofer-ISE-Direktor optimistisch, dass sich Investoren für das Projekt finden lassen werden. Nicht zuletzt die Deutsche Bank hatte den zweiten Goldrausch für die Photovoltaik prognostiziert. Auch Weber geht davon aus, dass sich die weltweite Nachfrage in den kommenden sechs Jahren etwa verdreifachen wird. 2020 sei ein jährlicher Zubau von 100 Gigawatt zu erwarten. Bereits 2025 könnte die jährliche Nachfrage bei 300 Gigawatt liegen. „Dabei haben sich beim Prognosen historisch immer noch als sehr konservativ erwiesen“, sagte Weber weiter. Für das kommende Jahr sei angesichts der aktuellen Entwicklungen auch nicht auszuschließen, dass es bereits 2015 zu Engpässen kommen werde. Derzeit entstünden kaum neue Produktionskapazitäten, sondern es würden eher welche vom Markt verschwinden, während der Photovoltaik-Weltmarkt weiter kontinuierlich wachse. „Bei einer zu erwartenden Nachfrage von 50 Gigawatt im kommenden Jahr könnte es bereits eng werden“, sagte Weber. Dies sei auch der Hintergrund, warum der geplante Bau der X-Gigawatt-Fabrik so erfolgsversprechend sei. Die dort gefertigten Solarmodule sollen weltweit verbaut werden. Zudem sinken die Stromgestehungskosten für Photovoltaik weltweit – die Weber derzeit mit zehn bis zwölf Cent je Kilowattstunde bezifferte – weiter. In vielen Ländern lohne sich die Investition in Photovoltaik schon jetzt und es würden immer mehr. Zudem gebe es auch Regionen, die sich künftig mit Photovoltaik überhaupt erst einmal eine Energieversorgung aufbauen könnten.

Ein wesentlicher Knackpunkt, damit die X-Gigawatt-Fabrik verwirklicht werden kann, ist die Finanzierung. Derzeit gebe es in Europa kein Investmentkapital, sagte Weber. Daher sei für den Bau dringend die Unterstützung der Politik notwendig. Diese müsse sich für Kreditgarantien über die KfW oder die EIB stark machen. (Sandra Enkhardt)

Anmerkung: In die Meldung hatten sich zwei Fehler eingeschlichen und sind nachträglich geändert worden. Der Verkauf der in der Gigawattfertigung hergestellten Zellen und Solarmodule wird voraussichtlich 2018 beginnen, nicht 2017. Außerdem liegt die Investitionssumme für die 100-Megawatt-Pilotlinie nicht bei 120 Millionen Euro, sondern bei weniger als der Hälfte.