Fehlt es der deutschen Photovoltaik-Industrie an Strategie?

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Als der Photovoltaik-Markt 2004 in Gang kam, war die deutsche Solarindustrie gut aufgestellt. Eine starke Forschungsinfrastruktur und eine verlässliche Förderpolitik sorgten für exzellente Voraussetzungen für den Aufbau einer weltweit führenden Solarindustrie am Standort Deutschland. Das Resultat waren die Erfolgsgeschichten von Firmen wie Q-Cells oder Solarworld, die sich zu den führenden Firmen der Branche entwickeln konnten. Heute wissen wir, dass diese Führungsposition von kurzer Dauer war. Allerdings wird dabei oft übersehen, wie kurz dieser Zeitraum wirklich war. Bis 2006 verfügten japanische Hersteller über fast doppelt so viele Produktionskapazitäten wie die deutsche Industrie. Im folgenden Jahr verfügte China bereits über mehr Produktionskapazitäten als Deutschland. Kurz, die vermeintlich verlorengegangene Führungsrolle hat Deutschland nie erreicht. In keinem einzigen Jahr waren deutsche Hersteller in der Lage die Nachfrage in Deutschland mit den eigenen Modulen zu versorgen. Deutschland war immer ein Nettoimporteur von Photovoltaik-Modulen.

Die häufig gestellte Frage, warum Deutschland seine Führungsrolle an China verloren hat, ist demnach gar nicht die richtige Frage. Es geht vielmehr darum, warum es als Gegenstück zur ambitionierten Nachfrageförderung keine angebotsseitige Strategie gab – weder von Politik noch von Unternehmen. Stattdessen gab es Angebotsengpässe, die Modulpreise in die Höhe trieben. Um die deutsche Nachfrage zu bedienen, griffen vereinzelte deutsche Hersteller sogar auf OEM-Verträge mit jungen Wettbewerbern aus China zurück. Auf diese Weise wurden chinesische Modulhersteller in Deutschland salonfähig gemacht und konnten Umsätze erwirtschaften, um ihre Expansionsstrategien zu finanzieren.

War das nun also eine verpasste Chance der deutschen Hersteller? Es erscheint unwahrscheinlich, dass Deutschland in der Massenfertigung von Solarmodulen einen Vorteil gegenüber chinesischen Herstellern besitzt. Es stellt sich allerdings schon die Frage, warum es keinem großen deutschen Hersteller gelungen ist, durch Übernahmen oder Joint Ventures eine nachhaltige Wettbewerbsposition aufzubauen. Vielleicht können deutsche Unternehmen und Politiker da etwas von den chinesischen Wettbewerbern lernen.

Rainer Quitzow forscht am Forschungszentrum für Umweltpolitik zu Fragen einer ökologischen Wirtschafts- und Innovationspolitik. Insbesondere befasst er sich mit der Internationalisierung im Rahmen neuer Umweltindustrien und der veränderten Rolle von Schwellenländern in diesem Rahmen. Er wird sich weitergehend mit Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Photovoltaik-Branche auf dem 14. Forum Solarpraxis befassen. Dort ist auch ihre Meinung zum Thema gefragt. Das vollständige Programm der Konferenz in Berlin am 21. und 22. November finden Sie unterwww.solarpraxis.de.

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