EnBW: Netzausbau kann teilweise vermieden werden

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht darüber geschrieben wird, was der Netzausbau kostet. In der Regel verstehen die Beteiligten darunter das Verlegen weiterer Kabel. Dass Alternativen nicht nur theoretisch bestehen, sondern aktiv ausprobiert werden, zeigt sich heute auf der Tagung „PV System Technology Forum“ der Solarpraxis AG, die das pv magazine herausgibt.

Seit einigen Jahren betreibt etwa die EnBW Regional AG, die die Verteilnetze im EnBW Konzern betreibt, einen Feldversuch im Ort Sonderbuch. Statt eine weitere Ortsnetzstation zu errichten, was jetzt nötig sei, experimentiert das Unternehmen mit einem regelbaren Ortznetztrafo und plant einen Batteriespeicher.

Bei jeder vierten Photovoltaik-Anlage muss das Netz ausgebaut werden

Sonderbuch hat 190 Einwohner und 60 Solaranlagen. Schon 2008 hat der Ort über das Jahr gesehen mehr Strom erzeugt als verbraucht, inzwischen ist es nochmal deutlich mehr. Von daher ist Sonderbuch ein Beispiel für ein sehr starken Photovoltaik-Ausbau. Je mehr Solaranlagen es gibt, umso öfter muss der Netzbetreiber beim Anschluss einer Solaranlage den Bagger zum Netzausbau mitschicken. „Wir sind für das gesamte Netzgebiet bei einer Ausbauquote von vier, das heißt bei jeder vierten Anlage müssen wir das Netz ausbauen. Vor einigen Jahren habe die Quote noch bei zehn gelegen“, sagt EnBW Regional-Experte Daniel Schölhorn. Es geht auch darum, diese Quote wieder zu senken.

An bewölkten Tagen schwankt die Leistung an den drei Ortsnetzstationen in Sonderbuch zwischen 80 Kilowatt Rückspeisung durch Solarstrom bis 20 Kilowatt Last, wenn Wolken über das Dorf ziehen. „Es hat uns überrascht, dass die Worst Case Annahmen wirklich eintreten“, sagt er. Innerhalb eines Tages kann die Leistung am Ortsnetztrafo mehrmals zwischen maximalem Verbrauch und der maximaler Einspeisung schwanken. Die Leistungssprünge führen zu Spannungssprüngen, die wiederum dazu führen können, dass sich Wechselrichter abschalten.

In Sonderbuch arbeiten bereits regelbare Ortsnetztrafos, die die Spannung im Ortsnetz anpasst. Das Netz ist mit vielen Messstellen ausgestattet, so dass die Experten die Ergebnisse überprüfen können. „Wir gehen davon aus, dass wir in einem halben Jahr die Technologie des regelbaren Ortsnetztrafos als Standardlösung einsetzen können“, sagt er. Um die schnellen Fluktuationen zu glätten, will EnBW zusätzlich einen Lithium-Ionen Batteriespeicher einsetzen, der deutlich anders ausgelegt sein wird, als Speicher für Eigenverbrauchsteigerung. Um die Fluktuationen auszugleichen, muss er eine hohe Lade- und Entladeleistung von 28 Kilowatt bereitstellen können und benötigt im Vergleich dazu nur eine Kapazität von 30 Kilowattstunden.

Solarkraftwerk mit Speicher

Was in Deutschland der Verteilnetzbetreiber realisiert, organisiert in einem Pilotprojekt in Spanien der Projektierer mit dem Wechselrichterhersteller Ingeteam. Sie haben ein Solarkraftwerk bei Navarra mit einem 150 Kilowattstunden Speicher und ein anderes mit einem 1,1 Megawattstunden Speicher ausgerüstet. Damit wollen sie die Erzeugungskurve glätten und teilweise auch ganz nach hinten verschieben. In einem anderen Projekt kombinieren sie Solaranlage, Batteriespeicher und Dieselgenerator. Der Batteriespeicher dient dazu, die Lücke zwischen einem Einbruch der Solarstrahlung und dem Start des Dieselgenerators zu überbrücken. Solche Lösungen sind vor allem dort als Übergangslösung interessant, wo Dieselgeneratoren sowieso noch im Einsatz sind.

Momentan arbeiten die Experten sehr stark an technischen Lösungen. Die Diskussion zeigte, dass die nächsten Aufgaben darin liegen, die Systeme wirtschaftlich zu realisieren und Geschäftsmodelle zu entwickeln. So blieb auch die Frage offen, was der Netzanschluss einer Photovoltaik-Anlage auf einem freien Markt kosten würde, wenn die neuen Technologien verwendet werden. (Michael Fuhs)