Kaco mit 9,5 Gigawatt

Kaco und Siemens liefern sich im aktuellen Ranking der Wechselrichterproduzenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den dritten Platz. Das Ranking basiert auf Schätzungen der renommierten Analysten von IHS über die verkaufte Wechselrichterleistung und erschien in der Oktoberausgabe der photovoltaik . Kaco verkaufte danach Wechselrichter mit zusammen 1,1 Gigawatt. Die mögliche Produktionskapazität haben die Analysten auf 2,625 Gigawatt geschätzt, also deutlich geringer, als Kaco selbst meldet.

Kaco wiederum gibt jedoch an, in drei Fabriken in Neckarsulm, einer Fabrik im kanadischen Ontario, einer Fabrik im US-amerikanischen San José und einer Fabrik in Seoul die Produktion schnell hochfahren und dann 9,5 Gigawatt produzieren zu können. „Die Fabriken und Maschinen dafür sind vorhanden“, sagt Andreas Schlumberger, Leiter Unternehmenskommunikation bei Kaco New Energy. „Eine hohe Produktionskapazität ist uns wichtig, um schnell auf kurzfristige Marktnachfrage zu reagieren.“ Fährt das Unternehmen die Produktion hoch, muss es allerdings noch die Mitarbeiter einstellen und die Komponenten einkaufen. „Wir machen uns detaillierte Gedanken darüber, wie lange es dauert, Personal zu finden und einzuarbeiten, um die kurzfristig erreichbare Kapazität abzuschätzen“, sagt Schlumberger.

Die Frage, wie schnell ein Unternehmen bei vorhandenen Fabrikhallen und Maschinen die Produktion hochfahren kann, ist nur schwer zu beantworten. „Das ist sehr subjektiv. Bei börsennotierten Unternehmen ist es einfacher als bei nicht börsennotierten, da es dort mehr Informationen gibt“, sagt Ash Sharma, bei IHS verantwortlich für den Solarbereich und das Wechselrichter-Ranking in der photovoltaik . „Wir nutzen für unsere Abschätzung keine von Unternehmen angekündigten Kapazitäten, sondern müssen uns auf Basis der erhältlichen Informationen ein Urteil darüber bilden.“

Kapazitätsberechnung bei Kaco

Die Angabe der Kapazitätszahlen ist allerdings auch per se nicht eindeutig. Kaco schätzt sie wie folgt: Als Erstes ermitteln die Experten die Zahl der Arbeitsplätze. Dann berechnen sie, wie viele Wechselrichter mit einer bestimmten Leistung an diesen Arbeitsplätzen in einer Woche gefertigt werden können. Dann rechnen sie die Wochenleistung auf eine Jahresleistung um.

In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2011 entstanden nach Angaben des Unternehmens die beiden nordamerikanischen Werke und eine der drei Wechselrichterfabriken in Neckarsulm. Bei der Kapazitätsangabe zählen die darin vorhandenen Arbeitsplätze natürlich mit. Zwei Werke seien obendrein mit einem „Reserveflächenkonzept“ geplant. Außerdem halte das Unternehmen externe Produktionskapazität vor, so dass sich über die 9,5 Gigawatt hinaus sogar „eine Spitzenkapazität von zehn Gigawatt und mehr“ erreichen lasse. Diese Zahl gibt also an, welche Wechselrichterleistung Kaco produzieren kann, wenn es der Markt verlangt.

Die Analysten von IHS schätzen dagegen die Wechselrichterleistung, die ein Hersteller in dem zu betrachtenden Jahr unter realistischen Bedingungen tatsächlich produzieren kann. Wenn ein Hersteller die Kapazität in dem betreffenden Jahr ausgebaut hat, wie es bei Kaco der Fall war, stand die erhöhte Kapazität noch nicht das ganze Jahr zur Verfügung, und die Analysten kommen dadurch auf eine geringere Kapazität. Das erklärt einen Teil der Diskrepanz zwischen den Angaben von IHS und Kaco.

Im Wechselrichter-Ranking des vergangenen Jahres hat die photovoltaik die Kapazität von Kaco übrigens auch mit zehn Gigawatt angegeben. Damals wurden die Herstellerangaben herangezogen. Wie schnell sich die Kapazität im Bedarfsfall wirklich hochfahren lässt, ist von Seiten der Redaktion als Außenstehende allerdings nur sehr schwer einschätzen.