Solarindustrie soll mehr werben

Der BSW-Solar hat im Herbst seine Roadmap veröffentlicht und in den letzten Monaten mit dem Umweltministerium über die nächsten Degressionsschritte verhandelt. Hat er genug getan?

Was der BSW bis jetzt gemacht hat, war aus meiner Sicht sehr wichtig. Er hat kurzfristig erreicht, dass die Politik mit dem zufrieden ist, was die Solarbranche macht. Trotzdem müssen wir aber unbedingt in ein zweites Stadium kommen. Momentan kommunizieren der BSW oder die Lobbyisten der verschiedenen Firmen mit der Politik. Das ist nur das erste Stadium. Die Politik wird irgendwann sagen, dass sie deren Argumente nicht mehr hören will.

Warum könnte das geschehen?

Das könnte zum Beispiel geschehen, wenn der Markt trotz aller Maßnahmen wieder wächst oder wenn sich das, was in der Roadmap steht, nicht erfüllt. Zum Beispiel wenn die Modulproduktionskapazität in Deutschland nicht von etwas über einem Gigawatt auf 8,5 Gigawatt wächst, wie es die Roadmap bis 2020 in Aussicht stellt. Dann hat die Solarbranche wieder ein Glaubwürdigkeitsproblem mit der Politik. Deswegen müssen wir sehr schnell in ein zweites Stadium kommen. Damit meine ich, dass die Politik nicht deswegen die Vorschläge des BSW akzeptiert, weil es der BSW und die Lobbyisten sagen. Wir müssen stattdessen das positive Image und den volkswirtschaftlichen Nutzen der Photovoltaik der Öffentlichkeit darstellen, so dass die Öffentlichkeit von der Politik die Unterstützung für die Solarbranche fordert.

Kann es denn sein, dass die Roadmap so nicht eingehalten werden kann?

Die Autoren der Roadmap sagen zwar zum einen, dass der Markt in Deutschland schrumpfen wird. Es wird danach nur noch halb so viele Installateure geben wie heute. Das ist bitter genug. Aber zusätzlich sagen sie, dass sich in einigen Jahren die Modulproduktion in Deutschland verfünffachen wird. Und das, obwohl die Tendenz zurzeit ja eine ganz andere ist. Die Fertigung des Massenprodukts Modul wandert eindeutig nach Asien ab. Da wird die Solarbranche sehr schnell in Erklärungsnot gegenüber der Politik kommen, weil an dieser Stelle die Roadmap nicht klappt.

Sollte man die Politik also jetzt schon darauf vorbereiten?

Ich glaube zwar nicht, dass dieser Teil der Roadmap erfüllt wird. Aber man muss den Ball zur Politik zurückgeben. Wenn es nicht klappt, dann liegt es nicht daran, dass die chinesischen Modulfabrikanten geringere Arbeitskosten haben als die deutschen, sondern daran, dass sie einen einfacheren Zugang zum Kapital haben. Deswegen muss die Solarbranche der Politik sagen: Der Zubaukorridor für die Modulproduktion ist das Ziel, aber wir schaffen es nur, wenn wir ähnliche Rahmenbedingungen wie die Chinesen bekommen.

Als der BSW letzten Herbst die Roadmap veröffentlicht hat, interessierte die Medien vor allem eine Aussage: Die EEG-Umlage werde trotz anhaltenden Photovoltaikzubaus nicht über zwei Cent steigen. Hat der BSW vernachlässigt, den Rest der Roadmap anzupreisen?

Die zwei Cent sind das kurzfristige Ziel. Es ist wichtig, dass man das kommuniziert, und zum jetzigen Zeitpunkt ist das das Richtige. Aber wir müssen auch kommunizieren, dass wir das Energiesystem umbauen wollen und warum das sinnvoll ist. Wir haben jetzt sehr viel über die Kosten der Photovoltaik gesprochen. Warum formulieren wir momentan nur in der Defensive? Themen wie das Endlagerrisiko im Zusammenhang mit der Atomkraft sind sehr in den Hintergrund geraten. Ich glaube, dass viele Verbraucher nach wie vor eine gewisse Umlage ohne Weiteres akzeptieren, wenn sie sehen, dass das zum Umbau des Energiesystems führt und dass dieser sinnvoll ist.

Wer soll diese Art der Kommunikation übernehmen?

Wir werden Pressekampagnen brauchen, weil wir uns mit den Pressekampagnen der Energieversorger messen müssen. Nachdem es sonst keine Branchenvereinigung gibt, wird auch dasder BSW machen müssen. Es werden aber auch Firmen aktiv werden müssen, damit die Solarbranche gehört wird.

Sollte sich der BSW nicht parteipolitisch zurückhalten?

Der Umbau des Energiesystems sollte keine Sache der Parteipolitik, sondern ein langfristiges Ziel sein, auch der konservativen Parteien. Konservativ heißt ja eigentlich: das Gute bewahren. Das Gute ist unsere Umwelt, die wir brauchen.

Sie zielen auf das Image der Photovoltaik in der Öffentlichkeit. Bekommen Sie über Ihre Kunden schon Rückmeldungen, dass das Image schlechter wird?

Definitiv. Es gab schon Anlagen, die projektiert und am Ende nicht gebaut wurden, weil man fürchtete, dass man gegenüber den Nachbarn dasteht als Investor, der sich auf Kosten anderer bereichert.

Und das liegt an der Medienberichterstattung?

In den Medien gab es vermehrt Beiträge, zum Beispiel auf 3Sat und bei Monitor, nach dem Motto: Die Umlage steigt, wenn dein Nachbar eine Photovoltaikanlage baut, zahlst du sie mit. Es gibt inzwischen aber auch wieder Beiträge, die thematisieren, dass das Umlageverfahren falsch aufgesetzt ist und etwa der Merit-Order-Effekt nicht berücksichtigt wird, der eine preissenkende Wirkung auf den Strompreis hat. Inzwischen schlägt nach meinem Eindruck die Stimmung schon wieder etwas zum Vorteil der Photovoltaik um. Genau das müssen wir erreichen.

Mit welchen Argumenten soll die Branche, sollen die Installateure vor Ort die Öffentlichkeit überzeugen?

In der Kostendiskussion ist der langfristige volkswirtschaftliche Nutzen der Photovoltaik zu kurz gekommen. Der ist in der Studie zur Roadmap des BSW eindeutig belegt. Die Studie ist von neutralen Unternehmen, Prognos und Roland Berger, erarbeitet worden. Die haben eindeutig gesagt: Die Photovoltaik kostet langfristig die Volkswirtschaft nichts, sondern bringt der Volkswirtschaft sogar Geld, trotz der Unterstützung, die in den nächsten Jahren noch notwendig ist. Der zweite Kernpunkt ist: Photovoltaik ist ein unverzichtbarer Baustein in der regenerativen Energieversorgung der Zukunft, weil die anderen Erneuerbaren, Wind, Biomasse und Geothermie, zusammen nicht genug Potenzial haben. Photovoltaik ist zwar momentan immer noch die teuerste Energieform, hat aber zwei Vorteile: Erstens ist ihr Potenzial sehr groß, ohne zum Beispiel mit der Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz zu treten, zweitens gibt es keine Energieform und keine andere Industrie, außer der der elektronischen Speicherbausteine, die eine ähnlich rasante Kostendegression hat. Photovoltaik wird also schnell deutlich billiger.

Das Gespräch führte Michael Fuhs.

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