Auf dem Weg an die Spitze

Auf der Solar Power International im Herbst 2010 in Los Angeles präsentierte sich Power-One mit einem zweistöckigen Messestand. Firmenleitung und Kunden konnten so während ihrer Gespräche von oben den Ausblick über die weitläufige Ausstellungsfläche genießen. Dieser Messestand symbolisiert gleichsam den kometenhaften Aufstieg des Unternehmens im Wechselrichtermarkt. 2008 lag der Hersteller mit seinem Marktanteil noch auf Platz neun, dann schoss er 2009 auf den vierten Rang und war Anfang 2010 bereits die Nummer zwei – und wird diesen Platz nach Angaben von IMS Research über das gesamte Jahr halten können.

Aktienwert verfünffacht

Der Wert der an der Nasdaq gehandelten Power-One-Aktie hat sich seit dem letzten Quartal 2009 verfünffacht. Damals gab es einen Run auf Photovoltaikanlagen in Deutschland und anderen europäischen Schlüsselmärkten, viele Wechselrichterhersteller verzeichneten in diesem Quartal besonders große Erfolge. Seitdem hat die Finanzlage von Power-One dank der Fähigkeit des Unternehmens, die Nachfrage besser als die Konkurrenz zu decken, einen erheblichen Auftrieb erfahren. In den ersten neun Monaten des Jahres sind die Erlöse des Unterneh mens auf 681 Millionen US-Dollar geschnellt und haben sich somit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt (289 Millionen). Die Nettoerlöse aus den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 lagen bei 93,5 Millionen Dollar. Dagegen steht ein Verlust in Höhe von 69,5 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Andere Geschäftsfelder verlieren an Bedeutung

Doch das Unternehmen stellt nicht nur Wechselrichter für Photovoltaik- und Windenergieanlagen her. Zum Leistungsportfolio gehören auch Stromrichter und Steuerungselektronik für Rechenzentren, Telekommunikationsnetzwerke und andere gewerbliche Infrastrukturen. Gegenüber der Wechselrichtersparte mit einem Umsatz von 452,7 Millionen Dollar in den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 hat dieses andere Geschäftsfeld allerdings an Bedeutung verloren: Sein Umsatz betrug im selben Zeitraum nur 228,3 Millionen. Im Jahr 2009 war das Gegenteil der Fall: Mit der Wechselrichtersparte wurde damals ein Umsatz von 60,4 Millionen erzielt, während dieser bei den übrigen Elektrosparten bei 228,7 Millionen lag. Das Geschäft mit den Wechselrichtern wuchs so schnell, dass das Unternehmen im letzten Sommer Umstrukturierungen vorgenommen und einen eigenen Geschäftsbereich für Wechselrichter geschaffen hat.

Die Unternehmensführung sieht die Gründe für die immer stärkere Position des Unternehmens in der Technologie, im Service und in den Plänen zur Erweiterung der Herstellungskapazitäten. „Unser Produktportfolio ist exzellent, und unsere Produkte sind sehr zuverlässig“, so Alex Levran, im Vorstand zuständig für den Unternehmensbereich Alternative Energien. „Wir bieten einen guten Service auf der ganzen Welt. Schäden können wir schnell entdecken und beheben.“ Aus Sicht der Konkurrenz ist das Wachstum von Power-One in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Wurzeln seines Wechselrichtergeschäfts in Italien liegen – wo sich der Markt in den letzten beiden Jahren dynamisch gezeigt hat. Es ist dem Unternehmen auch gelungen, sich die notwendigen Komponenten für die Wechselrichterproduktion zu sichern, als die Konkurrenz dazu nicht in der Lage war. Letztendlich stellt sich für alle die Frage, ob Power-One stark genug ist, in einem wachsenden Markt zu bestehen, in den ständig neue Wettbewerber drängen.

Gutes Timing

Power-One wurde 1973 gegründet und ist somit kein Neuling in der Elektronikbranche. Als die Telekommunikationsbranche in den 90er Jahren boomte, konnte das Unternehmen, das seit 1997 an der Börse notiert, Erfolge verzeichnen. Als aber immer mehr Internetunternehmen nach ihrem schnellen Wachstum zusammenbrachen, geriet dieser Markt, der öffentliche und private Anleger in Massen angezogen hatte, Anfang des neuen Jahrtausends ins Wanken. Telekommunikationsanbieter, die hofften, durch Aufrüstung und Erweiterung ihrer Netze auf der Dotcom-Welle mitzuschwimmen, sowie Hersteller von Ausrüstungen dazu erlebten einen dramatischen Rückgang der Nachfrage und der Preise. Aus den Finanzberichten des Unternehmens an die amerikanische Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass auch Power-One mehrere Jahre lang mit der Situation zu kämpfen hatte.

Mit dem Kauf der italienischen Stromrichter-Sparte von Magnetek für circa 69 Millionen US-Dollar im Oktober 2006 erweiterte Power-One das Unternehmensportfolio um Solar- und Windwechselrichter. Die ersten Wechselrichter lieferte Magnetek 2004, so Levran. Zeitgleich mit dem Kauf wurde die Herstellung in Italien, Ungarn und China aufgenommen. Damit war Power-One zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In Europa nahm der Solarmarkt dank der Einspeisevergütungen an Fahrt auf. Private Kapitalanleger investierten viel Geld in Start-up-Unternehmen, die alternative Materialien für die Herstellung von Solarzellen entwickelten, denn Silizium war teuer und knapp.

Gute Geschäfte in Italien

Auch Italien entwickelte sich zu einem attraktiven Markt. Im Jahr 2007 kündigte der Solarmodulhersteller Sunpower an, einen italienischen Solaranlagenhändler kaufen zu wollen, denn die Regierung hatte zu Beginn des Jahres neue Anreizprogramme ins Leben gerufen, der Strompreis in Italien war ohnehin schon hoch und das Land bietet viel Sonnenschein. Sharp und der italienische Energieversorger Enel kündigten 2008 Pläne für den Bau eines gemeinsamen Solarparks an. Zu Beginn des Jahres 2010 gründeten Sharp, Enel und STMicroelectronics unter dem Namen 3Sun ein Joint Venture und vereinbarten, mit einer Investitionssumme von 150 Millionen Euro für die Produktion von Triple-Junction-Dünnschichtmodulen aus amorphem Silizium eine Fabrik mit einer Kapazität von 160 Megawatt zu errichten.

Natürlich ist die Geschäftstätigkeit in Italien allein kein Garant für Erfolg. Dass es Power-One besser als der Konkurrenz gelang, sich Wechselrichterkomponenten in ausreichender Menge zu sichern, war für die Positionierung des Unternehmens von Vorteil, als Ende 2009 die Nachfrage unerwartet anstieg, weil Entwickler vor der Senkung der Einspeisevergütung, wie beispielsweise in Deutschland, Projekte noch schnell zum Abschluss bringen wollten. Komponentenhersteller, auch die von Leistungstransistoren, hatten ihre Produktion Anfang 2009 stark heruntergefahren, da Bankdarlehen wegen der Rezession nur eingeschränkt zur Verfügung standen und Entwickler nicht mehr in der Lage waren, ihre Projekte umzusetzen.

Der größte Wechselrichterhersteller, SMA Solar Technology, wurde kalt erwischt. Power-One hingegen war besser aufgestellt. „Die meisten Wechselrichterhersteller waren schlicht nicht vorbereitet. Sie wurden vom erneuten Wachstum überrascht und hatten nicht genügend Komponenten eingekauft“, so Ash Sharma, Leiter der Photovoltaik-Forschungsgruppe von IMS Research. „Power-One hat sich schon früh auf die Komponentenknappheit eingestellt. Sie waren in Italien erfolgreich und wussten, dass ihnen dort ein gutes Jahr bevorstand. Also haben sie bereits im Voraus Komponenten erworben.“

Während der Verkauf der Aurora-Wechselrichter florierte, begann Power-One auch mit dem Ausbau seiner Produktionskapazitäten. Das Unternehmen eröffnete kürzlich eine Fabrik in Arizona, deren jährliche Produktionskapazität nach Unternehmensangaben Mitte 2011 ein Gigawatt betragen wird. Im vergangenen September teilte das Unternehmen mit, auch im kanadischen Ontario mit der Herstellung von Wechselrichtern begonnen zu haben, um vom dort wachsenden Solar- und Windmarkt zu profitieren. Die Provinz Ontario hat im Oktober 2009 attraktive Einspeisevergütungen für Solar- und Windenergie eingeführt.

Für Solarenergie lag die Vergütung zwischen 44,3 Kanadischen Cent pro Kilowattstunde für Freiflächenanlagen und 80,2 Kanadischen Cent pro Kilowattstunde für Photovoltaik-Dachanlagen. Die maximale Anlagengröße beträgt zehn Megawatt. Nach Aussagen von Patricia Lightburn, Analystin bei der zuständigen Behörde (Ontario Power Authority) auf der Solarpraxiskonferenz im Dezember in Las Vegas gingen bei der Provinz innerhalb eines Jahres Anträge über 4.263 Megawatt für Dach- und Freiflächenanlagen und über 10.609 Megawatt für Windenergie ein. Bis Oktober 2010 hatte die Behörde 732 Megawatt für Photovoltaik und 1.469 Megawatt für Wind genehmigt.

Wie viele andere Hersteller auch setzt das Unternehmen auf Nordamerika als den nächsten großen Markt. Power-One hat in China eine neue Fabrik errichtet und will Anfang 2011 die ersten Produkte ausliefern, so Levran. Das Unternehmen plane eine erhebliche Ausweitung der Gesamtproduktionskapazität für Wechselrichter auf sechs Gigawatt im Jahr 2011, so Levran. Im Jahr 2010 erwarb das Power-One außerdem den im Silicon Valley ansässigen Software-Entwickler Fat Spaniel für eine nicht veröffentlichte Summe, um das Kraftwerksmonitoring und die Managementdienstleistungen zu stärken. Bei der Steuerung der in das Netz eingespeisten Solarenergie wird die Software laut Unternehmensführung von Power-One eine entscheidende Rolle spielen. „Energieversorger können die Menge der eingespeisten sauberen Energie steuern – das kann man von aktiv auf reaktiv umstellen“, so Paolo Casini, Marketingleiter des Alternativenergiebereichs bei Power-One.

Power-One hat String- und Zentralwechselrichter für Wohn- und Geschäftsgebäude sowie für Großanlagen im Ange bot. Die bedeutendsten Produkt des Unternehmens sind Dreiphasen-Stringwechselrichter (zehn Kilowatt Nennleistung und mehr) für gewerbliche Dachanlagen. Zum Angebot gehören auch größere und kleinere Wechselrichter für Großanlagen und Anlagen auf Wohngebäuden.

Schwachpunkt Wechselrichter

Da die Wechselrichter insgesamt immer ausgereifter sind, ist es nach Ansicht von Sharma eher schwierig, einen Wechselrichter allein aufgrund seiner Konstruktion und seiner Technik von der Masse abzuheben. Deshalb spielen auch Preis, Kundenservice und, wie oben erwähnt, die Deckung der Nachfrage für den Erfolg eine entscheidende Rolle. Wechselrichter können außerdem immer noch der Schwachpunkt einer Anlage sein. In einer Studie der Sandia National Laboratories (New Mexico) aus dem Jahr 2007 wurden die Leistungsdaten einer 3,51-Kilowatt-Anlage (Gleichstrom) in Arizona analysiert. Das Ergebnis: 37 Prozent der außerplanmäßigen Wartungen, und damit der größte Anteil, waren auf Störungen der Wechselrichter zurückzuführen. Mit dem Begriff „außerplanmäßige Wartung“ werden Vorfälle bezeichnet, die zu einem Verlust in der Stromproduktion in einer oder mehreren Anlagen führen und nur durch den Einsatz eines Technikers behoben werden können. Die Studie machte auch deutlich, dass das Beheben der Störungen an den Wechselrichtern 59 Prozent der Kosten für außerplanmäßige Wartungen ausmachte.

Für die Rentabilität eines Solarstromprojektes ist die Wahl eines zuverlässigen Wechselrichterherstellers daher entscheidend. Projektentwickler können den Lieferanten nicht immer frei wählen. „Investoren wie Banken verlassen sich bei der Entscheidung manchmal auf die Ingenieure, mit denen sie einen Vertrag geschlossen haben“, kommentiert Boris Schubert, Chief Operating Officer bei Q-Cells North America, der für die Projektentwicklung, den Bau und den Kraftwerksbetrieb verantwortlich zeichnet.

Die Pläne für den Ausbau der weltweiten Herstellungskapazitäten von Power-One sind zu einem Zeitpunkt, zu dem die Marktforschung ein stabiles Wachstum des Solarmarkts vorhersagt, sinnvoll. Nach Angaben von GTM Research könnten in den USA zwischen 2010 und 2014 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 5,60 Gigawatt ans Netz gehen. China rechnet bis 2020 mit einer Gesamtkapazität von zehn Gigawatt. Trotz sinkender Einspeisevergütungen ist Europa auch weiterhin der größte Markt.

Wachstumsbremse Überangebot

Allerdings könnte diese enthusiastische Stimmung ein Überangebot an Wechselrichtern zur Folge haben. Im November warnte IMS Research davor, dass die weltweite Herstellungskapazität von 30 Gigawatt im vierten Quartal 2010 den Bedarf um zwei Gigawatt überschreiten könnte. Wenn alle Hersteller ihre Erweiterungspläne umsetzen, könnte die Gesamtkapazität 2011 um weitere 40 Prozent ansteigen. Das Marktforschungsunternehmen hat festgestellt, dass im ersten Halbjahr 2010 „vielfach Doppelbestellungen“ getätigt wurden. Damals wurde beispielsweise in Deutschland eine unglaubliche Anzahl an Neuanlagen installiert, und die Käufer wollten sicherstellen, genügend Wechselrichter zur Verfügung zu haben. Allerdings wird die Nachfrage in Deutschland wahrscheinlich zurückgehen, so dass die Wechselrichterlagerbestände steigen und die Gewinne der Hersteller sinken werden.

Der nächste Stern kommt: GE

Obwohl Power-One im letzten Jahr Konkurrenten wie Fronius International und Kaco New Energy überholt hat und nun über den zweitgrößten Marktanteil verfügt, könnte es für das Unternehmen schwierig werden, diese Position zu halten.

Mit General Electric, einem Unternehmen, das sich insbesondere im Bereich Großanlagen im Markt positioniert hat, hat ein gefährlicher Gegenspieler das Feld betreten. GE ist bereits seit langem im Windenergiemarkt aktiv, hat seinen Windwechselrichter für den Solarmarkt umgerüstet und Ende 2009 einen 600-Kilowatt-Wechselrichter auf den Markt gebracht.

GE ist ein mächtiger Konkurrent, nicht nur aufgrund seiner Vormachtstellung im Markt für Windwechselrichter. Das Unternehmen ist ein Gigant der Energiebranche und produziert verschiedenste Maschinen und Teile, die für Bau und Betrieb eines Kraftwerks benötigt werden. GE bietet auch Ingenieur- und Entwicklungsleistungen an. In Zukunft will GE Cadmiumtellurid-Module anbieten. Die Technik dafür hat das Unternehmen Primestar Solar entwickelt, an dem GE mehrheitlich beteiligt ist. Auch plant GE den Kauf von Kupfer-Indium-Gallium-Selenid-Modulen von Solar Frontier; allerdings hat sich keines der beiden Unternehmen zum Umfang des Vertrages geäußert.

Nach Ansicht von Elie Nasr, leitender Manager für Geschäftsentwicklung bei SMA America, stellt GE auch für SMA eine weit größere Konkurrenz dar als Power-One. „Für Energieversorger bietet GE ein Rundum-Sorglos-Paket. GE kann bei Bedarf auch ein gesamtes Kraftwerk für einen Kunden bauen“, so Nasr.

Mikrowechselrichter im Trend

Auch das Vordringen von Herstellern von Mikrowechselrichtern darf Power-One nicht aus den Augen verlieren. Mikrowechselrichter erfreuen sich bei Installationsbetrieben von Wohn- und Gewerbeanlagen immer größerer Beliebtheit, und Unternehmen wie Solarbridge Technologies aus Texas gewinnen als Kunden Hersteller, die die Wechselrichter bereits in der Fabrik an die Module anbringen und ihr Endprodukt als AC-Modul ausliefern wollen.

Nach Angaben der Hersteller von Mikrowechselrichtern verringern sich durch die Nutzung von AC-Modulen Installationskosten und -zeit. „Power-One und SMA werden es unter sich ausmachen. Bis dahin werden zwei oder drei Mikrowechselrichterhersteller im Marktsegment für Wohn- und Gewerbeanlagen eine führende Position halten“, so Ron Van Dell, CEO bei Solarbridge. Solarbridge kooperiert für die Markteinführung von AC-Modulen mit Kyocera und Suntech Power.

Power-One könnte schon bald die ersten eigenen Mikrowechselrichter anbieten. Letztes Jahr im Oktober berichtete Richard Thompson, CEO von Power-One, gegenüber Bloomberg, das Unternehmen plane den Verkauf von Mikrowechselrichtern ab 2011. Power-One hat beeindruckende Gewinne erzielt und investiert viel, um diese Dynamik aufrechtzuerhalten. Um weiterhin erfolgreich zu sein, wird das Unternehmen aufpassen müssen, beim Bedarfsmanagement nicht die Fehler der Konkurrenz zu wiederholen.