„Die Netzreserven sind aufgebraucht“

Im ländlichen Bereich Bayerns gibt es einen regelrechten Boom an Photovoltaik-Anlagen. Doch auf den Dörfern habe das Stromnetz häufig nicht genug Kapazität und müsse erst ausgebaut werden, sagt Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW. Die Berechnung des Stromnetzes und die erforderlichen Baumaßnahmen kosteten viel Zeit und seien durch die hohe Anzahl an Einspeiseanträgen nicht mehr bis zum Jahresende zu bewältigen. "Vor zwei Jahren konnten die Energieversorger noch von ihren Netzreserven zehren. Diese sind nun aber aufgebraucht und das Netz muss erst ausgebaut werden", sagt Fischer auf die Nachfrage von photovoltaik.

Gleichzeitig bittet er um Verständnis für die bayerischen Netzbetreiber. Der Boom sei nicht voraussehbar gewesen. Er sei durch den Preisfall der Module und durch die neue Regierung entstanden, die angekündigt hat, die Einspeisevergütung für Solarstrom im kommenden Jahr zu reduzieren. "Die Leute wollen jetzt alle noch schnell eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben, weil sie Angst haben, im neuen Jahr weniger Geld für die Stromeinspeisung zu bekommen", so Fischer. Der Vorwurf, die Netzbetreiber würden einen rechtzeitigen Anschluss von Solaranlagen blockieren, hält Fischer für nicht gerechtfertigt: "Die Netzbetreiber arbeiten bereits 130 Prozent. Das Personal wurde aufgestockt und Samstagsarbeit eingeführt". Er schätzt, dass die bayerischen Netzbetreiber bis zum Ende des Jahres rund 60.000 neue Solaranlagen angeschlossen haben.

Run auf Photovoltaik-Anlagen

Installateure und Planungsbüros in Bayern bestätigen den Ansturm auf neue Photovoltaik-Anlagen. Es gebe bereits einen Mangel an Modulen und Wechselrichtern. Eine Netzverträglichkeitsprüfung dauere nicht mehr wie sonst üblich eine Woche, sondern habe sich auf fünf Wochen verlängert, bestätigten Installateure der photovoltaik. Sie fordern die Netzbetreiber auf, noch mehr Personal einzustellen, damit alle Photovoltaik-Anlagen rechtzeitig angeschlossen werden können. (Katrin Petzold)