Sonne im Depot

In der aktuellen Krise hat ein Bereich Konjunktur: Nachhaltigkeit. Nachhaltige Produkte erleben ebenso einen Schub wie nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. Beides ist in der Photovoltaikbranche zu finden – aber nicht jedes Produkt, nicht jedes Unternehmen profitiert von dem Wachstumspotenzial, das den grünen Technologien derzeit zugebilligt wird. Für Anleger, die dieses Potenzial in ihr Depot transferieren wollen, macht die Gemengelage aus Krise und Chance die Entscheidung daher derzeit schwierig. Welche Unternehmen sind gegen die Krise am besten gewappnet? Welche werden aus dem Strukturwandel unbeschadet, eventuell sogar gestärkt hervor gehen? Wo also lohnt sich der Einstieg?

Diverse Solaraktienstudien helfen bei der Entscheidung. Wer sich jedoch nicht kontinuierlich mit Kauf und Verkauf von Einzelwerten beschäftigen beziehungsweise das Anlagerisiko möglichst breit streuen möchte, hat auch andere Investitionsmöglichkeiten, beispielsweise in auf die Solarbranche spezialisierte Aktienfonds und Indexprodukte.

Endlos laufendes Zertifikat

Die Deutsche Börse Frankfurt und ABN Amro haben am 1. Juni mit dem Photovoltaik Global 30 einen Aktienindex aufgelegt, der die 30 wichtigsten Aktien der Photovoltaikbranche umfasst (siehe photovoltaik 07/2009 und Seite 38 in dieser Ausgabe). Seit Mitte Juli gibt es von ABN Amro ein passendes Zertifikat dazu, das endlos laufende „Photovoltaik Global 30 Indexzertifikat“ (WKN: AA4PG3). Das Papier vollzieht die Kursbewegungen des Index eins zu eins nach, Anleger können also breit gestreut und ohne Laufzeitbegrenzung in die dreißig wichtigsten Branchenvertreter weltweit investieren. Der maximale Ausgabeaufschlag für das Zertifikat beträgt zwei Prozent. Für die Überwachung und Rückführung der Indexgewichtung auf das Zielniveau fällt eine jährliche Managementgebühr in Höhe von 0,8 Prozent an, Dividenden werden nicht berücksichtigt. Der Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, liegt bei 1,5 Prozent – ein auf den ersten Blick relativ hoher Wert, der sich aber mit der Berücksichtigung der vielen ausländischen Papiere im Index durchaus rechtfertigen lässt.

Die Analysten der Schweizer Bankengruppe Vontobel Europe S.A. bewerten das Zertifikat überwiegend positiv. Als Pluspunkte sehen sie neben der breiten und tatsächlich weltweiten Diversifizierung die unbegrenzte Laufzeit des Papiers – ein Vorteil, da bis zum endgültigen Durchbruch der Photovoltaik noch einige Jahre vergehen dürften. Ein Risiko ist aus ihrer Sicht das hohe Gewicht an Aktien aus Ländern außerhalb der Euro-Zone, denn die Wechselkursentwicklung – US-Dollar, Yen, Taiwan-Dollar, britisches Pfund – könne die Entwicklung des Zertifikatskurses unabhängig von der Entwicklung des Basiswertes auch negativ beeinflussen. Dagegen ist das Emittentenrisiko – Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen und können, wie einige Anleger während der jüngsten Krise lernen mussten, zum Totalverlust werden – für die Analysten von eher theoretischer Natur: ABN Amro gehöre zur Royal Bank of Scotland, die sich derzeit mehrheitlich in Staatsbesitz befinde.

Aktiv gemanagter Fonds

Ebenfalls passend zum Index gibt es seit dem 1. Oktober außerdem einen Investmentfonds von Warburg Invest, den „Warburg Photovoltaik Global 30 Fonds“ – offiziell auf Wunsch der Finanzaufsicht in Großbuchstaben geschrieben. Der Fonds wurde in zwei Tranchen für private (WKN: A0RHE5) und institutionelle Anleger (WKN: A0RHE4) aufgelegt. Während institutionelle Anleger mit mindestens einer Million Euro einsteigen müssen, gibt es für Privatleute keine Mindestanlagesumme. Der Ausgabeaufschlag beträgt für sie bis zu fünf Prozent, ein Rücknahmeabschlag wird nicht erhoben.

Im Gegensatz zu dem Zertifikat von ABN Amro wird der Fonds von Warburg Invest aktiv gemanagt. Grundsätzlich ist die Fondsgesellschaft zwar bestrebt, den Photovoltaik Global 30 Index innerhalb des Fonds abzubilden. Eigentliches Ziel ist es jedoch, eine im Vergleich zum Index höhere Rendite zu erwirtschaften, beispielsweise durch Über- beziehungsweise Untergewichtung einzelner Aktien. Zwar müssen mindestens 51 Prozent der Vermögenssumme in Aktien von im Index vertretenen Unternehmen angelegt werden, jedoch nicht zwingend in alle 30 – der Fonds hat die Möglichkeit, sich auf 15 Papiere konzentrieren. Außerdem kann der Fonds auch jenseits der Indexwerte investieren: Teile des Vermögens dürfen in andere Aktien, verzinsliche Wertpapiere, Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen, Genussscheine oder Index-Zertifikate investiert werden, zur Risikobegrenzung sind Devisentermingeschäfte, Finanzterminkontrakte und Optionsgeschäfte zulässig. Während des Geschäftsjahres erwirtschaftete Erträge und Veräußerungsgewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert.

Keine Frage: Kaum eine Branche bleibt von der Wirtschaftskrise verschont, auch nicht die bislang durchaus erfolgsverwöhnte Solarindustrie. Der Markt hat sich gedreht, jetzt geben die Käufer den Ton an – für viele Unternehmen, denen bislang ihre Produkte förmlich aus den Händen gerissen wurden, eine noch neue und sehr ungewohnte Situation. Ungewohnt sind für die Branche auch nach wie vor die Begleiterscheinungen dieses umfassenden Strukturwandels: Preisverfall, Überkapazitäten, reduzierte Erwartungen, gedämpftes oder gar ausbleibendes Wachstum, schwankende Börsenkurse. Und ein lahmender Finanzmarkt kommt auch noch hinzu.

Trotzdem: Dass die Photovoltaikbranche insgesamt weiter zulegen wird, prognostizieren diverse internationale Studien; ihre Thesen werden kaum bezweifelt. Wohlstand und Bevölkerung wachsen, vor allem in Asien und Afrika, damit wächst auch der Energiebedarf. Gleichzeitig warnen Experten weiterhin vor einer Verknappung und Verteuerung fossiler Energieträger wie Erdöl. Das spricht dafür, dass die Bedeutung der Sonnenenergie bei der Energieversorgung zunehmen wird: Was anfänglich als rein ökologisches Surrogat und Antwort auf den Klimawandel gefeiert wurde, wird jetzt auch unter ökonomischen Gesichtspunkten bedeutender; außerdem machen technische Innovationen sowie sinkende Produktionskosten Solarstrom für immer mehr Menschen attraktiv. Politische Absichtserklärungen sowie Förderprogramme in großen Märkten wie den USA und China sorgen für zusätzliche Impulse: Klimaschutz steht in vielen Ländern ganz oben auf der Agenda.

Garantien für den Erfolg des Investments gibt es natürlich weder für das Zertifikat noch für den Fonds. Beide Papiere sind für Anleger geeignet, die vom langfristigen Erfolg der Solarbranche überzeugt sind und einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont haben, bei kurzfristigen Einbrüchen also nicht die Nerven verlieren. Der Zeitpunkt für den Einstieg bewerten Analysten im Moment als eher günstig: Sie rechnen damit, dass sich der Preisverfall für Module verlangsamt, so dass sich die Gewinnsituation der Unternehmen wieder verbessert; außerdem erwarten sie von der Weltklimakonferenz im Dezember positive Impulse. Und grundsätzlich: Da die in den kommenden Jahren erwartete Netzparität der Photovoltaik zum Durchbruch verhelfen und so zu einer enormen Dynamik im Markt führen soll, könnte es eine gute Idee sein, in die Branche zu investieren, bevor die Netzparität erreicht ist.

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