Michael Brey von Econeers hält Crowd-Finanzierung von pv magazine Award Bewerbern unter Umständen für möglich.
Foto: Econeers

Wie die Crowd innovative Ideen und Projekte finanzieren kann

27. April 2015 | Topnews, Märkte und Trends

Der pv magazine Award prämiert innovative Produkte und Geschäftsmodelle. Zum Auftakt der nächsten Runde erklärt Michael Brey vom Crowdfinanzierer Econeers, wie man dafür unter Umständen eine Finanzierung erhalten kann.

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Die nächste Runde des pv magazine awards ist im Gang (Bewerbung bis zum 12.5.2015 (verlängert) möglich, mehr Infos). Wir werden dabei mit der Dresdner Crowdfunding-Plattform Econeers zusammenarbeiten, die sich auf die Finanzierung von Projekten aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz spezialisiert hat. Für die Award-Bewerber, die Interesse an einer Finanzierung über Crowdfunding haben, stellen wir den Kontakt zu Econeers her.

Econeers ist eine Plattform für Projektfinanzierungen, die Schwesterplattform Seedmatch legt ihren Fokus hingegen auf Unternehmensfinanzierungen, verhilft also Startup-Unternehmen. Michael Brey, bei Econeers für die Kommunikation zuständig, erklärt am Beispiel von Award-Themen der letzten Runden, wie Crowd-Finanzierungen möglich sein könnten.

Was muss ein Unternehmen mit einer innovativen Idee mitbringen, damit es über die Crowd eine Finanzierung bekommen kann?

Michael Brey: Für ein Crowdfunding auf Econeers muss ein Projekt bzw. ein Unternehmen mehrere Voraussetzungen erfüllen: Es muss nachhaltig sein, also einen Beitrag zum Umweltschutz und einer sauberen Energieversorgung leisten. Das ist uns wichtig, da wir mit Econeers die Energiewende aktiv voranbringen wollen. Zudem müssen Crowdfunding-Projekte für uns wirtschaftlich sein, damit langfristige Renditen an die Investoren gezahlt werden können. Nicht weniger wichtig für ein erfolgreiches Crowdfunding ist, dass die Projekte ein gewisses Begeisterungspotenzial besitzen, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen.

Das gilt ja im Prinzip nicht nur für Econeers, sondern für alle Arten von Crowdfunding und Crowdinvesting.

Genau. Das Grundprinzip von Crowdfunding ist ja, dass viele Menschen einen kleinen Betrag zusammenlegen und dadurch etwas Großes finanziert werden kann, zum Beispiel ein Kinofilm, ein soziales Projekt, ein Solarpark oder sogar ein ganzes Unternehmen.

Zunächst das Grundsätzliche: Was gibt es für unterschiedliche Arten der Finanzierung über die Crowd?

Es gibt zum einen das equity-based Crowdfunding, auch Crowdinvesting genannt. Bei dieser Form geht es meist um Unternehmensfinanzierungen. Die Crowd stellt einem Unternehmen Kapital zur Verfügung und wird im Gegenzug langfristig an den Unternehmensgewinnen beteiligt. Unsere Schwesterplattform Seedmatch hat diese Art der Startup-Finanzierung vor vier Jahren in Deutschland etabliert und damit bis heute über 23 Millionen Euro eingesammelt. Bei Econeers geht es hingegen um lending-based Crowdfunding. Das bedeutet, die Investoren geben einem Projekt ein Darlehen und erhalten dafür eine feste jährliche Verzinsung und am Ende der Laufzeit natürlich im Regelfall ihr Geld zurück. Für dieses Verzinsungsmodell müssen die Projekte möglichst planbare Erträge abwerfen.

Davon heben sich dann ja noch einmal die Crowdfunding-Plattformen ab, bei denen man das Geld eher spendet und dafür eher ein Dankeschön erhält. Das heißt aber, bei Econeers wird eine feste Rendite versprochen, bei Seedmatch gibt es eine nicht ganz so gut abschätzbare Gewinnbeteiligung?

Genau, aber dafür ist das Renditepotenzial beim Crowdfunding-Modell von Seedmatch deutlich höher.

Welche Erfahrungswerte gibt es, wie viel Geld bei diesen verschiedenen Arten der Finanzierung zusammenkommen?

Wir haben unser bisher größtes Crowdfunding mit einer Million Euro und fast 600 Investoren im Januar 2015 für den LED-Hersteller Ledora abgeschlossen. Das entspricht einem durchschnittlichen Betrag von etwa 1.700 Euro pro Investor und ist durchaus eine realistische Summe, die ein spannendes Projekt über ein Crowdfunding auf unserer Plattform erreichen kann.

Wie viel kann man bei einer Unternehmensfinanzierung bekommen?

Bei Seedmatch hatte das größte Funding ein Volumen von drei Millionen Euro. Das war für den Server-Hersteller Protonet aus Hamburg und zählt zu den größten Schwarmfinanzierungen im europäischen Raum.


DZ-4 hat ein Geschäftsmodell für die Anlagenpacht für kleiner Anlagen entwickelt und dafür im März 2014 den pv magazine award gewonnen. 28 Anlagen wurden zu einem Projekt zusammengefasst, dass über Crowdfinanzierung refinanziert wurde. Foto: DZ-4

Für Crowdfinanzierung von Solaranlagen gibt es ja eine ganze Reihe von Anbietern und Portalen, über die wir in der nächsten Ausgabe berichten werden. Für den pv magazine Award ist etwas anderes interessant, da wir keine Solarparks auszeichnen, sondern innovative Entwicklungen und Geschäftsmodelle. Econeers finanziert grundsätzlich grüne Projekte, Seedmatch Unternehmen. Wie können diese typischen Award-Bewerbungen über die Crowd eine Finanzierung bekommen?

Uns liegt am Herzen, dass die Projekte nachhaltig sind. Sie müssen wirklich einen messbaren Impact für die Energiewende haben. Bei einer Technologie kann beispielsweise eine Pilotanlage finanziert werden, vorausgesetzt sie kann bereits wirtschaftlich betrieben werden. Ein gutes Beispiel für die Finanzierung eines innovativen Geschäftsmodells ist das Hamburger Unternehmen DZ-4, das ein Pachtmodell für Solaranlagen und Speicher anbietet und 2014 mit dem pv magazine-Award ausgezeichnet wurde. DZ-4 hat seine ersten 28 Solaranlagen zu einem Portfolio gebündelt und mit 180.000 Euro über ein Crowdfunding bei Econeers refinanziert.

Dort hat also ein Unternehmen aus der Idee für ein Geschäftsmodell ein Projekt abgegrenzt, das  sich als Projektfinanzierung bei der Crowd bewerben kann. Unsere Award-Bewerber haben ja oft etwas zwischen einer Idee oder einer fertigen Lösung, aber selten abgrenzbare Projekte Ein Gewinner hat zum Beispiel eine Container-Speicherlösung entwickelt. Was würden Sie so einer Firma, raten, wie sie vielleicht eine zusätzliche Finanzierung über die Crowd bekommen kann?

Hier würde ich empfehlen, ein einzelnes Projekt oder ein Projektportfolio, bestehend aus mehreren Containern, über die Crowd zu finanzieren oder nach Umsetzung zu refinanzieren. Bei Refinanzierungen muss man zwar erst einmal finanziell in Vorleistung gehen, kann dann aber sein Eigenkapital wieder durch das Crowdfunding freisetzen und damit neue Projekte realisieren. Für die Crowd-Investoren besteht der Vorteil einer solchen Refinanzierung darin, dass bei einem umgesetzten oder zumindest weiter vorangeschrittenen Projekt zahlreiche technische und bürokratische Hürden bereits genommen sind und somit Risiken wegfallen.

Gerade jungen Unternehmen fehlt ja genau das Kapital, um solche Projekte vorzufinanzieren. In der Regel suchen sie ja genau dafür Investoren.

Wir schließen auch eine Vorfinanzierung bei Projekten nicht aus. Das ist wirklich von Fall zu Fall unterschiedlich. Wir lernen die Projektbetreiber kennen, schauen uns die Technologie und das Geschäftsmodell an und entscheiden dann, ob das Projekt zu unserer Plattform und zu den Ansprüchen unserer Crowd passt.

Das eine sind die Firmen, die eine Finanzierung suchen, das andere die Kleininvestoren, die ihr Geld geben. Gibt es eine Kontrolle dafür, dass die Anlage seriös und – sagen wir mal – im Rahmen abschätzbarer Risiken sicher ist?

Ein Vorteil bei Crowdfunding-Projekten ist, dass die Investoren einen sehr tiefen Einblick in die Projektplanung erhalten. Sie haben zum Beispiel die Möglichkeit, den Businessplan und die Finanzplanung genau unter die Lupe zu nehmen. In der Investmentstory, wird das ganze Projekt von vorne bis hinten beleuchtet und Chancen und Risiken transparent dargestellt. Sollte noch etwas unklar sein, können die Crowd-Investoren über unsere Plattform Kontakt zum Projektbetreiber aufnehmen und sich technische und wirtschaftliche Zusammenhänge aus erster Hand erklären lassen. Nichtsdestotrotz handelt es sich aber um ein Risikoinvestment, bei dem im schlimmsten Fall auch ein Totalverlust nicht ausgeschlossen werden kann. Das Vertrauen in die Idee und das Projektteam spielt daher beim Crowdfunding immer eine wichtige Rolle.

Das heißt, man muss vor allem auch Vertrauen haben, dass stimmt, was die Unternehmen kommunizieren und dass sie wirklich tun, was sie versprechen?

Ja, ein gewisses Maß an Vertrauen gehört einfach dazu.

Beim Award haben wir oft Bewerbungen, wo es nicht so naheliegend ist, wie sich daraus ein abgegrenztes Projekt entwickeln lässt. Das gilt gerade in den Bereichen, in denen sich viel bewegt, zum Beispiel beim Energiemanagement.

Wenn einen Projektfinanzierung im Einzelfall wirklich nicht in Frage kommt, kann man immer noch prüfen, ob eine Unternehmensfinanzierungen sinnvoll ist. Wir stellen dann auch gerne den Kontakt zu unseren Kollegen von Seedmatch her und leiten die Bewerbung weiter.

Sehr wichtig für unseren Award sind ja auch neue Geschäftsmodelle, weil diese für die Solarbranche von entscheidender Bedeutung sind. Wir hatten zum Beispiel einen Gewinner, der einen sehr innovativen  Solarstromtarif entwickelt hat. Würde sich so etwas über die Crowd als Unternehmensfinanzierung finanzieren lassen?

Da muss man sich wirklich jede Bewerbung im Detail ansehen. Die Unternehmen, die bei Seedmatch finanziert werden, müssen aus Investorensicht spannende Business-Cases sein und eine gute Renditechance versprechen. Einen innovativen Stromtarif halte ich zwar für ein solides und wichtiges Geschäftsmodell, muss aber nicht unbedingt für Crowd-Investoren interessant sein. Eine Speichertechnologie, mit dem Potenzial, das zentrale Problem der erneuerbaren Energien, die Schwankungsanfälligkeit, zu lösen, könnte allerdings durchaus auch als Unternehmensfinanzierung spannend sein. Pauschal kann man es aber wirklich nicht sagen.

Bisher haben Sie bei Econeers fünf Projekte gefördert, etwa alle zwei bis drei Monate eines, bei Seedmatch waren es allerdings bereits deutlich mehr. Wie schätzen Sie es realistischerweise ein, wie viele Finanzierungen es so geben kann, und lässt sich die Zahl noch steigern?

Die Zahl der finanzierten Projekte lässt sich auf jeden Fall noch steigern, wenn Crowdfunding als Finanzierungsform bei den Projektbetreibern auch ankommt. Viele wissen noch gar nicht, dass es diese Option überhaupt gibt. Es ist durchaus schwierig, die richtigen Projekte zu finden, die auch wirklich zur Plattform passen. Dazu gehört unter anderem, dass die Projektbetreiber wirklich dahinterstehen und bereit sind, die mit dem Crowdfunding verbundenen Herausforderungen anzunehmen. Man muss intensiv mit der Crowd kommunizieren, Transparenz bezüglich seines Projekts schaffen und sich den Fragen der Investoren stellen. Im Gegenzug erhält man aber viele neue Unterstützer und macht sein Projekt bekannt. Daher ist Crowdfunding, nicht nur einfach Kapitalquelle, sondern auch eine zunehmend anerkannte Marketingmaßnahme.

Die Fragen stellte Michael Fuhs.

In der nächsten Ausgabe des pv magazine, die im Juni erscheint, werden wir ausführlich über die Finanzierung von Solaranlagen über Webportale und Bürgerenergieanlagen berichten. Dort werden auch die Investitionsrisiken ein Thema sein, ebenso die neuen Rahmenbedingungen aufgrund des am 23.4. im Bundestag angenommenen Kleinanlegerschutzgesetzes und die Unterschiede zu Bank-Finanzierungen.

Hier finden Sie alle Informationen zum pv magazine award

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