Preisgekrönte Photovoltaik-Dachanlage in der Schweiz

Derzeit sind die finanziellen Anreize für neue Photovoltaik-Anlagen in der Schweiz eher dürftig.
Foto: Swissolar

Swissolar fordert Verdoppelung des Photovoltaik-Zubaus in der Schweiz

12. Januar 2016 | Märkte und Trends, Politik und Gesellschaft, Topnews

In der Alpenrepublik sind im vergangenen Jahr neue Photovoltaik-Anlagen mit etwa 300 Megawatt Gesamtleistung installiert worden. Der Schweizer Photovoltaik-Markt ist damit stabil. Aus Sicht von Swissolar sollten aber mit Blick auf den Atomausstieg mindestens 800 Megawatt pro Jahr installiert werden.

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Swissolar hat erste Zahlen zur Photovoltaik-Entwicklung in der Schweiz im vergangenen Jahr vorgelegt. Ähnlich wie in Deutschland sorgte auch in der Alpenrepublik vor allem das sonnige Wetter für höhere Erträge der Photovoltaik-Anlagen. 2015 seien rund zwei Prozent des Strombedarfs durch Photovoltaik-Anlagen gedeckt worden, heißt es am Dienstag bei Swissolar. Die Sonneneinstrahlung habe über das Jahr betrachtet um sechs bis sieben Prozent höher gelegen als noch 2014. An einzelnen Tagen hätten die Photovoltaik-Anlagen sogar fast 20 Prozent des verbrauchten Stroms erzeugt. Solarstrom sei mittlerweile hinter der Wasserkraft die zweitgrößte erneuerbare Energiequelle in der Schweiz.

Insgesamt waren in dem Land Swissolar zufolge bis zum Jahresende 2015 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 1350 Megawatt installiert. Im vergangenen Jahr habe der Zubau bei rund 300 Megawatt und damit auf dem Niveau von 2014 gelegen, heißt es weiter. Angesichts der schwierigen Voraussetzungen sei es erfreulich, dass der Photovoltaik-Markt stabil geblieben sei. Allerdings kritisiert Swissolar die fehlenden Anreize durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für große Solarparks. Das kleine Jahresbudget habe nur zu wenigen Genehmigungen gereicht. Die KEV-Warteliste beläuft sich Swissolar zufolge auf mehr als 35.000 Anträge. Immer wichtiger werde daher der Markt für kleine Photovoltaik-Anlagen. Dabei sei vor allem der Eigenverbrauch von Solarstrom zunehmend interessant, der in der Schweiz von vielen Energieversorgern allerdings durch administrative und finanzielle Hürden unattraktiv gemacht werde, so Swissolar.

Der Schweizer Fachverband fordert von der Politik eine größere Anstrengung beim Photovoltaik-Zubau. So müssten in den kommenden 20 Jahren der derzeitige Atomstrom-Anteil von 40 Prozent ersetzt werden. Photovoltaik-Anlagen könnten mindestens zwei Drittel dieses benötigten Stroms liefern. Dazu müssten Photovoltaik-Anlagen mit etwa 16.000 Megawatt Gesamtleistung installiert werden. Dazu wäre ein jährlicher Photovoltaik-Zubau von durchschnittlich 800 Megawatt notwendig. Die benötigten Flächen wären dafür verfügbar, heißt es bei Swissolar weiter. Allerdings müsste es zugleich finanzielle Anreize geben, wie sie im Zuge der „Energiestrategie 2050“ vorgesehen sind. Der Verband fordert von der Politik, die Beratungen zu dem Gesetz möglichst schnell abzuschließen, damit ab 2018 die dringend benötigten Mittel für die Förderung erneuerbarer Energien zur Verfügung stünden.


Grafik: Thomas Nordmann, TNC Consulting

Bereits 2012 hat Thomas Nordmann, TNC Consulting, in einer Grafik ein mögliches Zubauszenario präsentiert, mit dem bereits 2025 die Hälfte des Stroms aus Kernkraftwerken durch Photovoltaik ersetzt werden kann. Der Photovoltaikanteil an der Stromerzeugung würde damit auf 20 Prozent steigen. Die türkisen Balken zeigen den jährlichen Zubau gemäß dem Szenario, die roten Balken die Ist-Zahlen, die hinterlegte dreieckförmige Fläche den kumulierten Zubau gemäß dem Szenario. Nach Aussage von Thomas Nordmann ist das 20-Prozent-Ziel politisch von einem breiten Spektrum gut akzeptiert, allerdings sei der Zeitpunkt umstritten.

Die Situation in der Schweiz ist deutlich anders als in Deutschland. Ein Zubau von 300 Megawatt in der Schweiz entspricht ungefähr einem Zubau von 3 Gigawatt in Deutschland, wenn man die Zahlen auf den Gesamtstromverbrauch bezieht. 60 Prozent des Stroms werden im Alpenland mit Wasserkraft erzeugt, was die Integration hoher Mengen Solarstrom deutlich erleichtert. Die Schweiz muss auch keinen Kohleausstieg bewältigen. Allerdings verzögert die kohlefreundliche Politik in Deutschland unter Umständen auch die Energiewende in der Schweiz. Durch den deutschen Kohlestrom-Überschuss sinken die Preise an der Strombörse. Dadurch wird es attraktiver, den Kernenergiestrom in der Schweiz statt mit sauberem Solarstrom durch Kohlestrom-Importe zu ersetzen. (Sandra Enkhardt, Michael Fuhs)

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