Inspektion einer Photovoltaik-Dachanlage

Wieviel Umsatzsteuer fällt für selbst verbrauchten Solarstrom bei privaten Photovoltaik-Dachanlagen an?
Foto: TÜV Rheinland

Photovoltaik-Eigenverbrauch: Umsatzsteuer richtig rechnen

29. Oktober 2014 | Politik und Gesellschaft, Topnews

Ein Schreiben des Bundesfinanzministerium zur steuerlichen Behandlung von Photovoltaik-Anlagen sorgte für Aufregung bei den Betreibern. Im Fall der Umsatzsteuer für solaren Eigenverbrauch gibt es mittlerweile eine Präzisierung.

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Die kürzlich vom Bundesfinanzministerium (BMF) veröffentlichte Verwaltungsanweisung zur steuerlichen Behandlung von Photovoltaik-Anlagen hat in einem Punkt zu heißen Diskussionen unter den betroffenen Anlagenbetreibern geführt. Es geht um die Umsatzsteuer für Eigenverbrauch aus Photovoltaik-Anlagen, die umsatzsteuerpflichtig betrieben werde, um die beim Kauf gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück zu bekommen. (siehe auch Beitrag vom Anfang Oktober)

In einem Berechnungsbeispiel wird die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer bei selbstverbrauchtem Solarstrom erläutert. Laut dem Berechnungsbeispiel wäre der Strom mit dem Bezugspreis für Strom vom eigenen Versorger heranzuziehen und dabei auch die Grundgebühr einzukalkulieren. Das Berechnungsbeispiel führt aus, dass die volle Grundgebühr auch auf den direkt verbrauchten Solarstrom anzurechnen sei:

1.100 Kilowattstunden (kWh) Eigenverbrauch zu 21 Cent (netto), zuzügl. 12 Monate x 5,50 Euro (netto) =

231 Euro zuzügl. 66 Euro = 297 Euro

darauf 19% Umsatzsteuer = 56,43 Euro (an das Finanzamt zu zahlen)

(umgerechnet auf die Kilowattstunde sind das 27 Cent je kWh Bemessungsgrundlage netto)

Durch diese Berechnungsweise, die volle Grundgebühr auf den selbst verbrauchten Solarstrom zu beziehen, steigt die Berechnungsgrundlage pro Kilowattstunde, je kleiner die selbstverbrauchte Strommenge ist. In durchaus üblichen Fällen von beispielsweise nur 400 kWh Selbstverbrauch und einem Grundpreis von netto 8 Euro auf 45 Cent.

Anlagenbetreiber hatten außerdem darauf hingewiesen, dass auf diese Weise die Umsatzsteuer der Grundgebühr doppelt zu zahlen wäre. Steuerfachleute meinen, dass im Sinn des Steuerrechts die Grundgebühr aber nur anteilig für den selbstverbrauchten Solarstrom anzusetzen wäre. Die korrekte Berechnung wäre demnach bei einem Stromverbrauch von beispielsweise insgesamt 4.000 kWh (Strombezug aus dem Netz 2.900 kWh) wie folgt:

1.100 kWh Eigenverbrauch zu 21 Cent, zuzügl. 12 Monate x 5,50 Euro x (1.100/4.000) =

231 Euro zuzügl. 18,15 Euro = 249,15 Euro

darauf 19% USt. = 47,34 Euro

Oder als Bemessungsgrundlage pro kWh gerechnet:
21 Cent + (12 Monate x 5,50 Euro / 4.000) = 21 + 1,65 =22,65 Cent

Eine Nachfrage beim Bundesfinanzministerium hat nun ergeben, dass diese Berechnungsweise korrekt ist. Das im BMF-Schreiben ausgeführte Beispiel sei nicht im Sinn einer Rechenanweisung zu verstehen, sondern diene lediglich dazu, die Berücksichtigung der Grundgebühr zu illustrieren. Eine Aufteilung der Grundgebühr auf Strombezug und solaren Eigenverbrauch sei selbstverständlich korrekt, da es sich hier um die Ermittlung einer fiktiven Bemessungsgrundlage handle.

Für eine Korrektur des BMF-Schreibens sehe man aktuell aber keinen Bedarf, da bisher keine weiteren Nachfragen zu dem Sachverhalt eingegangen seien und vor Änderungen eine erneute Abstimmung mit den Ländern erforderlich wäre. Einstweilen hat das BMF beim Bundeswirtschaftsministerium angefragt, ob sich aus der Anfang August in Kraft getretenen Novelle des EEG 2014 neuerlicher Hinweisbedarf zu steuerlichen Fragen ergibt. Insofern sei das am 19. September veröffentlichte Schreiben nur eine Momentaufnahme. (Thomas Seltmann)

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Hans-Jörg Rieber aus Mötzingen

Mittwoch, 20.07.2016 19:39

Eigentlich ist das alles eine Frechheit. Ich bezahle für selbst genutzten Strom eine in meinen Augen zu hohe Umsatzsteuer. Dann wird mir der eigengenutzter Strom noch in der Einkommensteuer als Einnahme [...]

Martin Pichlmaier aus Bad Abbach

Samstag, 16.07.2016 12:13

Erst mal: Ich bin kein Fachmann in Sachen Steuer, aber ich habe am 11.07.2016 beim Finanzamt nachgefragt, wie jetzt genau die Besteuerung des Eigenverbrauchs läuft. Versteuern muss man ihn, wenn man [...]

Fred Maier aus Bayreuth

Mittwoch, 11.11.2015 15:47

Gibt es Neues zu diesem Thema? Ich ging bisher - rein vom logischen, kaufmännischem Verstand davon aus, dass ich die Einspeisevergütung als Eigenverbrauch versteuern muss ... denn würde ich ihn an [...]

Regina Hillus aus Geldern

Dienstag, 26.05.2015 20:21

Die Argumentation ist für mich völlig unverständlich. Die unentgeltliche Wertabgabe in anderen Unternehmen errechnet sich vom Marktwert des entnommen Gutes. Dies ist in der Regel der Preis, den der [...]

Uli Haberzettl aus Karben

Mittwoch, 04.03.2015 17:04

Hallo, Eigentlich fände ich es gerechter wenn man das was man vom Stromanbieter für die Einspeisung bekommt auch für die Berechnung der Eigenstromnutzung heranzieht,ich bin auch der Meinung dass [...]

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Kommentare 1 - 12 von 12

Hans-Jörg Rieber aus Mötzingen

Mittwoch, 20.07.2016 19:39

Eigentlich ist das alles eine Frechheit. Ich bezahle für selbst genutzten Strom eine in meinen Augen zu hohe Umsatzsteuer. Dann wird mir der eigengenutzter Strom noch in der Einkommensteuer als Einnahme berechnet und das privat zu versteuernde Einkommen nach oben korrigiert...Darf ich jetzt auch bei meinem Betrieb den Verlust gegenrechnen der mir durch die Eigennutzung entstand? Konnte ja dadurch weniger Strom verkaufen....

Martin Pichlmaier aus Bad Abbach

Samstag, 16.07.2016 12:13

Erst mal: Ich bin kein Fachmann in Sachen Steuer, aber ich habe am 11.07.2016 beim Finanzamt nachgefragt, wie jetzt genau die Besteuerung des Eigenverbrauchs läuft.
Versteuern muss man ihn, wenn man die Umsatzsteuer der Installation über den umsatzsteuerpflichen Betrieb der Photovoltaikanlage zurückgeholt hat; denn irgendwann muss IMMER etwas Erzeugtes versteuert werden, entweder beim Kauf der Anlagen, oder halt dann bei der Erzeugung.
Die Einspeisung wird versteuert über den Netzbetreiber (bzw. der zahlt die Steuer an mich, die ich dann abführe), also muss nun irgendwie auch der eigenverbrauchte Strom versteuert werden.

Nun zur Besteuerung selbst:
Es gibt zwei Möglichkeiten, entweder man nimmt einen fiktiven/pauschalen Strompreis von 20ct/kWh - man muss eben nicht den Strompreis nehmen, den man selbst zahlt - oder man zahlt prozentual über die Installationskosten, die über 20 Jahre verteilt werden.

Beispielsrechnung zu Möglichkeit 1:
1000 kWh Eigenverbrauch im Jahr ergibt: 1000kWh* € 0,20/kWh = € 200.
Davon jetzt die 19% Umsatzsteuer ergibt € 38,00, die man nun abführen muss.

Beispielsrechnung nach Möglichkeit 2:
Installationskosten € 10.000, über 20 Jahre sind € 500.
Bei 30% Eigenverbrauch sind das € 500* 30% = € 150.
Davon jetzt 19% Umsatzsteuer sind € 28,50.

Keine Garantie auf diese Information, bitte sicherheitshalber selber beim Steuerberater oder Finzanzamt nachfragen.

Viele Grüße
Martin

Fred Maier aus Bayreuth

Mittwoch, 11.11.2015 15:47

Gibt es Neues zu diesem Thema?

Ich ging bisher - rein vom logischen, kaufmännischem Verstand davon aus, dass ich die Einspeisevergütung als Eigenverbrauch versteuern muss ... denn würde ich ihn an den Versorger verkaufen würde ich ebenfalls nur diesen Betrag pro kWh erhalten ...

Weiter das Thema mit der Grundgebühr ... Soll damit die Steuereinnahme simuliert werden, dass "meine Firma" mir als Privatperson einen Zähler zur Verfügung stellt? So wie "meine Firma" ja auch von jemand anderem den ortsüblichen Arbeitspreis verlangen könnte? Was rechtlich ja alleine von den Bedingungen her gar nicht möglich ist, da ein PV-Betreiber ja sicherlich nicht die Voraussetzungen (netztechnisch, finanziell, unternehmerisch) erfüllt, als Versorger in Erscheinung zu treten?
Auch sind die (Bezugs-)Stromabrechnungen ja nicht automatisch an den 31.12. gekoppelt ... Soll man dann wieder für jeden Monat im Nachhinein alles einzeln herausrechnen? Das wird vor allem dann schwierig, weil man ja auch den "Nutzungsanteil" für jeden Monat separat berechnen müsste ...

Vielleicht hat ja jemand einen Linktipp o. ä. für mich ... denn ich muss zum Monatsende die erste UST-Voranmeldung machen :)

VG - Fred

Regina Hillus aus Geldern

Dienstag, 26.05.2015 20:21

Die Argumentation ist für mich völlig unverständlich. Die unentgeltliche Wertabgabe in anderen Unternehmen errechnet sich vom Marktwert des entnommen Gutes. Dies ist in der Regel der Preis, den der Unternehmer durch den Verkauf des Gutes an Erlös erzielen kann. Wenn ich also bei einer PV Anlage einen Verkaufserlös von 13 Cent erzielen kann und nicht die Möglichkeit habe mehr zu bekommen, warum müssen dann 21 Cent versteuert werden? Sollte der Strompreis in den nächsten Jahren drastisch steigen, hätte dies auch eine Erhöhung der zu zahlenden Umsatzsteuer zur Folge, obwohl ich festgeschrieben weiterhin nur 13 Cent pro kWh erwirtschaften kann und dem Staat bei Nichteinspeisung auch nur die USt von diesem Betrag verloren gehen?
Gibt es eine Sammelklage dagegen, der man sich anschließe kann?

Uli Haberzettl aus Karben

Mittwoch, 04.03.2015 17:04

Hallo,

Eigentlich fände ich es gerechter wenn man das was man vom Stromanbieter für die Einspeisung bekommt auch für die Berechnung der Eigenstromnutzung heranzieht,ich bin auch der Meinung dass der Einbezug der monatlichen Grundgebühr da nichts zu suchen hat!Und nochwas,bei diesem Durcheinander wird mir jetzt auch klar warum ich von 4 verschiedenen Finanzämtern quasi 4 verschiedene Antworten bekommen habe.....

Bin gespannt was da noch so alles ausgedacht wird....so richtig nachzuvollziehen ist das alles nicht!

Klaus Treutlein aus Sennfeld

Sonntag, 15.02.2015 14:53

Worauf hier von den bisherigen Kommentaren nicht eingeganen wurde ist die Frage, wieso wird der Stromtarif des Grundversorgers herangezogen. Das Wirtschaftsministerium sagt, man soll den günstigsten Anbieter wählen. Hier fallen evtl. Kosten in anderer Höhe an. Ansonsten stimme ich den bisherigen Meinungen zu.

Gerd Salwa aus Köngen | http://www.cleantec-consult.de

Montag, 09.02.2015 11:31

Die Pflicht, die Grundgebühr in die unentgeltliche Wertabgabe mit einzuberechnen, kann durch nichts gerechtfertigt werden, da sie defacto nicht gespart und somit in der Tat doppelt besteuert werden würde. Diese Vorgehensweise dürfte einer rechtlichen Prüfung nicht stand halte. Ich würde diesen Einwand auf jeden Fall meiner Steuererklärung beifügen und Vorbehalt erklären...

Martin Werner aus 78224 Singen

Donnerstag, 30.10.2014 14:05

Ich stimme Hrn. Kutzker zu 100% zu und ich verstehe nicht, dass da noch kein Sturm der Entrüstung losgebrochen ist. Vielleicht weil die meisten Betreiber noch zu Zeiten gebaut haben, als die Kosten/kWh auf 20 Jahre gerechnet noch deutlich höher waren, als die gesparte kWh aus Bezug.

Gerhard Kutzker aus Detmold | http://www.gksolar.de

Donnerstag, 30.10.2014 11:10

Ich würde noch einen Schritt weitergehen und in Frage stellen ob als Bemessungsgrundlage der Bezugsstrompreis überhaupt eine rechtliche Grundlage hat. Was kostet der Eigenverbrauch, wenn z.B. in 10 Jahren der Arbeitspreis bei 60 Cent liegt? Oder wie teuer wird der Eigenverbrauch, wenn sogar noch in einen Speicher investiert wurde?
Ein rechtlich sauberer Ansatz kann doch nur sein die Privatentnahme mit den Stromgestehungskosten aus Anlagenpreis und zu erwartendem Stromertrag auf 20 Jahre als Bemessungsgrundlage heranzuziehen. Das wären bei aktuellen Anlagenpreisen 8 - 10 Cent netto (ohne Speicher, da für diesen ja USt bezahlt wurde).
Und wenn dem einen oder anderen Betreiber dieses zu kompliziert erscheint, kann maximal als Bemessungsgrundlage die Einspeisevergütung herangezogen werden. Mit anderen Worten: Man zahlt dem Fiskus die entgangene USt aus der "Nicht-Einspeisung". Ich kann nur hoffen, dass gegen die willkürliche Verwaltungsanweisung des BMF massiv Beschwerde eingelegt wird, um die gewollte Erhöhung des Eigenverbrauches zur Netzstabilisierung nicht weiter zu konterkarieren.

Willi Jung aus Wetzlar | http://www.ilzosurf.de

Donnerstag, 30.10.2014 09:51

Ich verstehe diesen Denkansatz überhaupt nicht. Ich bezahle doch ohnehin 100% Grundgebühr und darauf die Umsatzsteuer - unabhängig davon ob ich nur 2000 kWh oder 4000 kWh aus dem Netz ziehe. Warum sollte die noch einmal beim Eigenverbrauch in Ansatz gebracht werden?

Grüße aus Wetzlar
Willi Jung

Thomas Röver aus Braunschweig

Donnerstag, 30.10.2014 08:39

Hallo,
das eigentlich komplett Widersinnige, dass die Grundgebühr überhaupt berücksichtigt wird, wird nicht in Frage gestellt??? Die Einsparung des PV-Anlagenbetreibers betrifft doch nur den Arbeitspreis, an der Grundgebühr spart er doch nichts. Warum wird das dann überhaupt zur Gewinn- bzw. USt-Ermittlung herangezogen? Wer denkt sich denn so was aus, und warum?

Thomas Zmelty aus Andernach | http://www.vivasolar.de

Donnerstag, 30.10.2014 08:06

Meines Erachtens ist selbst der Ansatz der anteiligen Grundegbühr nicht gerechtfertigt, weil bereits über die Bezugsstromrechnung Umsatzsteuer auf die volle Grundgebühr an das Finanzamt gezahlt wird. Auch der Ansatz mit anteiliger Grundgebühr bedeutet eine doppelte Veranlagung und ist juristisch nicht haltbar.

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