Grafik: senec-ies.com

Lohnen sich Stromspeicher und Selbstverbrauch?

23. Juni 2014 | Meinung

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In Deutschland ist zurzeit kein Argument zu doof, um nicht gegen erneuerbare Energien ins Feld geführt zu werden. Die Energiewende sei zu teuer, die Versorgung zu unsicher, die Technik noch nicht ausgereift und der Zubau gehe zu schnell. Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist freilich, dass sie intelligent und möglichst frei von Partikularinteressen gestaltet wird. Der Umbau muss rasch organisiert werden, denn wir haben – wie der jüngste Weltklimabericht wieder einmal deutlich gemacht hat – nicht unendlich viel Zeit. Die Bundesregierung propagiert zwar verbal die Energiewende, aber faktisch bremst sie diese ganz im Sinne der alten Energiewirtschaft aus und verschläft die Zukunft mit falschen und unhaltbaren Argumenten.

Aber auch Branchenfunktionären muss man gelegentlich durch Fakten wiedersprechen. Jahrelang galt der Grundsatz, dass Speichern von Solarstrom und Eigenverbrauch nicht ökonomisch sei. Interessanter sei es, den Solarstrom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Diese Überlegung war etwa bis vor einem oder zwei Jahren noch richtig. Im Jahr 2000 gab es noch über 50 Cent pro Kilowattstunde Solarstrom und der Strom aus der Steckdose kostete etwa 12 bis 15 Cent.

Doch heute haben wir eine völlig andere Preissituation. Der Strom aus Kohle und der Atomstrom kosten jetzt bis zu 30 Cent und die Kilowattstunde Solarstrom können wir für etwa zehn Cent selber produzieren. Jetzt rechnen sich also das Speichern und der Eigenverbrauch bei heute installierten PV-Anlagen. Und Jörg Mayer, Geschäftsführer des BSW-Solar hat unrecht, wenn er in einem Interview am Rande der Intersolar-Messe erklärt: „Auch heute rechnen sich Speicher noch nicht. Durch Kostendegression werden wir aber erleben, dass wir zur Wirtschaftlichkeit kommen.“ Der Solarverband erwarte, dass es zwischen 2015 und 2017 soweit sei.

Lieber Jörg Mayer. Ich höre von Fachleuten in der Praxis genau das Gegenteil. Die Kostendegression sei bereits eingetreten und viele von uns, die heute Anlagen und Batterien installieren bestätigen mir das. Wenn jetzt immer mehr ihren selbsterzeugten Strom mit Hilfe von Batterien selbst verbrauchen, dann erleben wir auch – ähnlich wie bisher bei der Produktion von PV-Strom – eine rasche Kostendegression bei Batterien oder wie früher bei Handys oder PCs. Umgekehrt: Jede Verzögerung des Selbstverbrauchs führt zu einer Verzögerung der Kostensenkung.

Die herkömmlichen Strompreise werden immer teurer. In den letzten Jahren sind sie im Schnitt pro Jahr um sechs Prozent gestiegen. Realistischer weise müssen wir mit einer nochmaligen Verdoppelung bis 2025 rechnen. In dieser Zeit lohnt es sich also, immer weniger Solarstrom ins Netz einzuspeisen und immer mehr selbst zu verbrauchen. Diese Strategie wird immer preiswerter, die Akkus immer billiger und Braunkohle- und Atomstrom immer teurer. Seit etwa 2013 wird der Eigenverbrauch immer attraktiver.

Der grafische Vergleich verdeutlicht diese Überlegung nochmal.

Fünf Vorteile gilt es jetzt zu erkennen:

  • Erstens: Eigenverbrauch lohnt sich schon jetzt
  • Zweitens: Die Stromversorgung ist auch beim Netzausfall sicherer
  • Drittens: Die Akkus werden immer besser und preiswerter
  • Viertens: Viele Hersteller geben bereits sieben Jahre Garantie für Akku und Elektronik aus einer Hand.
  • Fünftens: Meine Verbrauchsdaten habe ich über Laptop oder Smartphone immer im Blick. Die jetzt angebotene Akku-Technik wird schon seit Jahrzehnten in der Industrie eingesetzt und ist bewährt.

 

- Der Autor Franz Alt ist Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator. Er wurde bekannt durch das ARD-Magazin „Report“, das er bis 1992 leitete und moderierte. Bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion „Zeitsprung“ im SWR, seit 1997 das Magazin „Querdenker“ und ab 2000 das Magazin „Grenzenlos“ in 3sat. Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte auf www.sonnenseite.com. Franz Alt schreibt dort regelmäßig. -

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Konstantin Heiller aus Wien | http://www.diesmartebatterie.de

Mittwoch, 10.02.2016 10:30

In den letzten 18 Monaten hat sich viel getan - bei Lithiumspeichern liegen wir bei Investkosten von knapp über 14ct pro gespeicherter kWh (ohne Förderung). Die Investkosten sind durch Economies of Scale [...]

JC W aus Alling

Donnerstag, 26.06.2014 19:08

Lieber Herr Alt, das sieht aber verdammt nach Milchmädchenrechnung aus. Schaut man sich die Marktübersicht einmal an, dann kostet bei den Haushaltsverbraucher-Systemen die eingespeicherte und wieder [...]

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Kommentare 1 - 2 von 2

Konstantin Heiller aus Wien | http://www.diesmartebatterie.de

Mittwoch, 10.02.2016 10:30

In den letzten 18 Monaten hat sich viel getan - bei Lithiumspeichern liegen wir bei Investkosten von knapp über 14ct pro gespeicherter kWh (ohne Förderung). Die Investkosten sind durch Economies of Scale gesunken, die Zyklenzahl hat sich durch Technologie- und Batteriesoftwareverbesserung deutlich erhöht und genauso ist es mit den Herstellergarantien geschehen.

Da von Zeithorizonten von bis zu 25 Jahren ausgegangen wird, ist jede Rechnung eine Milchmädchenrechnung. Wir wissen langfristig weder, wo der Energiepreis brutto inkl. Transport hingeht (derzeit nach unten), noch wie sich die Einspeisetarife entwickeln (derzeit nach unten).

Netzdienlichkeit, ja, auf jeden Fall, aber ein Speicher geht mehr und mehr in Richtung eines "Lifestyle-Produktes", eine Art Statement. Hier zählt für viele nicht nur der wirtschaftliche, sondern auch der ökologische Nutzen. Es wird daher in Zukunft vermehrt auf den Carbon Footprint, die graue Energie bei der Herstellung von Stromspeichern, geachtet werden.

JC W aus Alling

Donnerstag, 26.06.2014 19:08

Lieber Herr Alt,
das sieht aber verdammt nach Milchmädchenrechnung aus. Schaut man sich die Marktübersicht einmal an, dann kostet bei den Haushaltsverbraucher-Systemen die eingespeicherte und wieder herausgeholte kWh ("Speicher-kWh") so um 100ct (Investitionskosten für 1kWh dividiert durch die Anzahl der Ladezyklen). Damit verschlechtert man die Rendite seines Systems ganz erheblich. Erst, wenn diese Speicher-kWh billiger ist als die Preisdifferenz zwischen Einspeisevergütung und Verbraucher-Strompreis (oder es zumindest absehbar ist, dass in der Laufzeit des Systems dieser Punkt erreicht wird), dann kann man die Rendite des Gesamtsystems mit Speichern verbessern. Dieser Punkt wird sicher in der Zukunft erreicht werden, weil einerseits der Verbraucherstrompreis steigen wird und andererseits die Speicher (und damit die Speicher-kWh) billiger werden. Bei den gegenwärtigen Relationen (Speicher-kWh ca. 100ct, Differenz ca. 14 ct) sind wir leider noch weit entfernt davon. Und wenn das Preissystem für den Verbraucherstrom geändert wird, hin zu mehr Preisanteil in den fixen Anschlusskosten und weniger im Arbeitspreis (um die Bereithaltungskosten von Kraftwerkskapazität abzubilden), dann wird dieser Renditepunkt noch mehr in die Zukunft verschoben.
Lohnen werden sich Speicher nur in vernünftigem Zeithorizont, wenn sie netzdienlich eingesetzt werden, und das Preissystem für Verbraucherstrom dies belohnt. Lichtblick hat ja schon Ansätze in diese Richtung - sie werden hoffentlich nicht das Schicksal des zu früh gekommenen erleiden.

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