Intersolar Europe in München

Am Freitag ging die Intersolar Europe 2014 zu Ende.
Foto: Solarpraxis AG/Mirco Sieg

Intersolar Europe: Innovationen trotz schwieriger Zeiten

06. Juni 2014 | Märkte und Trends, Topnews, Intersolar Europe 2014

Europas große Solarmesse war auch in diesem Jahr wieder einen Besuch wert. Obwohl viele Unternehmen mit den unbeständigen Bedingungen auf dem deutschen und internationalen Photovoltaik-Markt zu kämpfen haben, präsentierten die Aussteller viele neue Konzepte und Ideen.

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Die Intersolar Europe ist oft ein guter Indikator für den Zustand des deutschen Photovoltaik-Markts. Auch in diesem Jahr spiegelte sich die weiterhin gespannte politische Lage in Deutschland und Europa in den Gängen der Messe München. In den mittlerweile nur noch acht Messehallen hatte man erneut ein bisschen mehr Platz als noch im letzten Jahr. Die Stimmung an den Ständen war aber oft besser, als man es hätte erwarten können. Die Branchen-Akteure antworten auf die Schwierigkeiten mit neuen Konzepten und Ideen. Mehr Eigenverbrauch und die intelligente Steuerung eines möglichst autarken aber kommunikativen Gesamtsystems mit weiteren regenerativen Komponenten erscheinen als die aktuellen technischen Ziele.

Wie schon im vergangenen Jahr waren die PV-Speichersysteme wieder einer der Schwerpunkte auf der Messe. Der Hype um dieses neue Geschäftsfeld scheint aber mittlerweile ein wenig abzukühlen. Dennoch wurden auch in diesem Bereich noch innovative Ideen präsentiert. So stellte zum Beispiel ASD Sonnenspeicher eine neue Elektronik-Lösung vor, mit der dem Hersteller zufolge mehr Lithium-Eisenphosphat-Zellen parallel geschaltet werden können, um die Nachteile einer Reihenschaltung zu umgehen.

Speicherkonzepte reifen

Die Firma Sonnenbatterie stellte die neue Sonnenbatterie Eco vor. Diese ist im Vergleich zur bisherigen „Basic“-Variante nun auch an der Wand montierbar und laut Geschäftsführer Christoph Ostermann für knapp die Hälfte des Preises erhältlich. Dafür wurde die Eco-Variante etwas abgespeckt. „Wir haben Funktionen weggelassen, die der Kunde nicht unbedingt braucht, zum Beispiel die Notstromfunktion“, so Ostermann. Bei Bedarf kann der Kunde die Funktion aber optional dazukaufen. Auch zusätzliche Funksteckdosen, die bisher serienmäßig mitgeliefert worden, sind nun zum Beispiel optional.

Zudem stellte das Unternehmen ein neues sogenanntes Schwarmstrom-Konzept vor, das zusammen mit dem Energieanbieter Lichtblick umgesetzt wird. Dieses sieht vor, dass Lichtblick Zugriff auf Speichersysteme in Wohnhäusern bekommt und die Speicherbesitzer für ihr Entgegenkommen mit 100 Euro pro Jahr entlohnt werden. Der Energieanbieter will den gespeicherten Solarstrom dazu verwenden, schnelle Regelenergie für das Stromnetz zur Verfügung zu stellen, um Netzschwankungen auszugleichen. Generell sieht Ostermann im Speicherbereich derzeit zwei Trends: Zum einen müssen die Kosten weiter runter, zum anderen müsse intelligente Software die Systemfähigkeit und das Energiemanagement verbessern.

Regenerative Wärme integrieren

Deutlich stärker als in den Vorjahren waren auf der diesjährigen Messe Anbieter von Wärmeanwendungen vertreten. Mit dem „Forum Regenerative Wärme“ gab es zudem regelmäßige Infoveranstaltungen zum Thema Wärmeerzeugung über alle drei Messetage. Besonders die Wärmepumpen sind eine Technologie, die bisher auf der Intersolar nicht besonders aufgefallen sind. In diesem Jahr waren aber laut Veranstalter 25 Wärmepumpen-Anbieter unter den Ausstellern. Diese hoffen wegen den hohen Kosten für konventionellen Wärmepumpenstrom nun unter anderem auf den Eigenverbrauch von Solarstrom. „Unsere Geräte sind Smart-Grid fähig“, sagt beispielsweise Thomas Miksch vom Wärmepumpen-Hersteller Glen Dimplex. Passend zu den eigenen Wärmepumpen bietet das Unternehmen ein Energiemanagement-System an, dass die Verbindung mit der Photovoltaik-Anlage und dem Hausnetz herstellt.

Damit die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe reibungslos funktioniert und die Wärmepumpe auch flexibel bei geringerer Sonneneinstrahlung betrieben werden kann, müssen die Geräte aber besser regelbar werden. Hier besteht noch Entwicklungsbedarf (mehr dazu in unserer "Intersolar-Ausgabe" pv magazine Juni 2014). Der Wärmepumpen-Anbieter Stiebel Eltron hat nach eigener Aussage noch kein solches Gerät im Programm, arbeite aber bereits an einer Inverter-Wärmepumpe mit regelbarer Drehzahl. Auch Dimplex entwicket derzeit solche Lösungen für den Umgang mit schwankendem Solarstrom und bietet bei größeren Geräten bereits Varianten mit zwei Verdichtern und daher auch zwei Betriebsstufen an.

Das Unternehmen PV Heiz stellte eine Lösung zur Kombination von Solarstrom mit einem Heizstab vor. Die damit erzeugte Wärme kann in einem Pufferspeicher oder Boiler gespeichert werden, wenn der Solarstrom nicht mehr anderweitig direkt im Haushalt verbraucht wird. In Zukunft sei auch ein Gerät erhältlich, dass zusätzlich eine Wärmepumpe integriert.

Neue Wechselrichter und Module

Auch bei den Wechselrichtern präsentierten die Hersteller einige neue Produkte. Die Firma Fronius stellte zum Beispiel sogenannte SnapInverter vor. „Wir zeigen in diesem Jahr keinen einzigen alten Wechselrichter auf unserem Messestand. Wir haben nur neue Geräte“, sagt Pressesprecherin Andrea Schartner. Neu an den Geräten unter anderem die offene Datenkommunikation, die die Anbindung von Geräten von Drittanbietern ermöglicht, zum Beispiel von Monitoringsystemen, Wärmepumpen und Haushaltsgeräten. So könne die Photovoltaik-Anlage problemlos in ein Smart-Home-System integriert werden. Auch der Schweizer Hersteller Solarmax stellte einige neue Geräte und Wechselrichtervarienten vor. Zum Beispiel einen Wechselrichter, der leicht um ein zusätzliches Speichersystem erweitert werden kann. Das ermöglicht Kunden ihre Geräte nachzurüsten, wenn die Kosten für Batteriespeicher weiter gefallen sind.

Bei den Solarmodulen zeichnet sich ein möglicher Trend zu einer Systemspannung von 1.500 Volt ab. Wechselrichter, die auf diese höhere Spannung ausgelegt sind, gibt es schon länger am Markt. Bisher fehlten aber die passenden Module. Auf der Intersolar präsentierte nun zum Beispiel Hanwha Solar One ein neues Modul für eine Systemspannung von 1.500 Volt. Winfried Wahl von Hanwha Solar One sagt: „Ich denke, dass sich der Trend zu höheren Systemspannungen in Zukunft durchsetzen wird.“ Gerade bei großen Solarparks könne man mit dieser Technologie die Kosten noch einmal merklich senken. Auch sonst versuchen viele Modulhersteller ihre Produkte weiter zu verbessern. Der indische Hersteller Vikram Solar stellte beispielsweise ein neues Modul mit Rückseitenkontaktierung vor. Die Firma Padcon zeigte außerdem ein Gerät mit dem Namen Float Controller, dass die Auswirkungen von PID-Effekten auf Solarmodule deutlich reduzieren soll. In manchen Fällen könne die potentialinduzierte Degradation (PID) auch ganz aufgehalten werden.

Politische Stabilität vermisst

Ein Reizthema auf der diesjährigen Intersolar war die aktuelle Debatte um die von der deutschen Regierung angekündigte EEG-Novelle und die mögliche Abgabe auf den Eigenverbrauch von Solarstrom. Viele der dazu befragten Austeller fordern, dass endlich vernünftige und verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Außerdem sei die Belastung von selbst verbrauchtem Solarstrom mit der EEG-Umlage kontraproduktiv auf dem Weg zu einer erfolgreichen Energiewende.

Karl-Heinz Remmers, Vorstand der Solarpraxis AG und Herausgeber des pv magazine, geht davon aus, dass die "Talsohle für den deutschen Photovoltaik-Markt noch nicht erreicht" ist. Auch kurz vor und während der Intersolar hat es weitere Insolvenzmeldungen gegeben. Hoffnung macht ihm unter anderem die Kombination von Photovoltaik mit Batteriespeichern. „Ich glaube, dass die Stromspeicher schneller billiger werden, als wir alle uns das bisher vorgestellt haben. Da wird in den kommenden drei Jahren sehr viel passieren.“ Zur Zeit seien vor allem neue Geschäftsmodelle für den Eigenverbrauch und die Direktvermarktung von Solarstrom gefragt. Bis sich diese aber am Markt etabliert haben, werde noch etwas Zeit vergehen. (Mirco Sieg)

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