Bastian Mingers

Bastian Mingers leitet bei der Messe Düsseldorf die Energy Storage Europe.
Foto: pv magazine

Industriekunden haben Interesse an Batteriespeichern

17. März 2016 | Topnews, Speicher und Netze

Die Energy Storage Europe ging mit über 3.000 Besuchern und 141 Ausstellern zu Ende. pv magazine sprach mit Bastian Mingers, der bei der Messe Düsseldorf dafür verantwortlich ist, über Trends im Speichermarkt und sein Konzept für die Veranstaltung.

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Sind Sie mit der Energy Storage zufrieden?

Ja, ich bin wirklich zufrieden. Die Veranstaltung läuft gut. Wir haben mehr Besucher als im Vorjahr und die Aussteller scheinen alle glücklich zu sein. Man sieht glückliche Gesichter und das ist das, was für uns wichtig ist. Auch die Konferenz ist gut besucht.

Wie viel Besucher und Aussteller sind es in absoluten Zahlen?

Wir haben dieses Jahr 141 Aussteller, letztes Jahr waren 93, das sind 53 Prozent Wachstum. Bei den Besucherzahlen kann ich noch nicht so viel sagen. Wir haben an den ersten beiden Tagen etwas über 20 Prozent Wachstum gehabt im Vergleich zu letztem Jahr. Von daher sind wir auf einem sehr guten Weg. Die finalen Zahlen sehen wir am Ende. (Inzwischen wurden die Besucherzahlen bekannt gegeben: 3000 Besucher insgesamt, 650 Konfernzbesucher für die Energy Storage und die IRES zusammen, zur Presseerklärung, die Redaktion).

Aus welchen Bereichen kommt das Wachstum?

Aus der gesamten Breite. So haben wir zum Beispiel Firmen aus dem Bereich Wärmespeicher hinzu gewonnen und Redox-Flow-Anlagenbetreiber. Auch auf der Lithium-Ionen-Seite sind es mehr geworden. Die Deutsche Accumotive ist das erste Jahr dabei, Samsung ist das erste Mal dabei. Wir haben eine gute Resonanz aus allen Technologien bekommen.

Zu einem großen Teil sind die Firmen untereinander Wettbewerber. Sind auch Kunden der Hersteller hier?

Auf der Ausstellerseite ist zum Beispiel RES vor Ort, das ist ein großer Projektierer. Auf der Besucherseite sehen wir zum Beispiel Stadtwerke. Auch Industriekunden sind gekommen. Wir konnten sie über andere Messen, von denen wir die Kontakte in diese Industrien haben. Über unsere Bootsmesse sind dieses Jahr etwa Schiffbauer und Hafenanlagenbetreiber gekommen. Über die Pro Wein sind Winzer gekommen sind. Für sie ist es auf der landwirtschaftlichen Seite sehr interessant. Ein prominentes Beispiel dafür ist Jackson (ein großer Weinbetrieb in den USA, die Red.), die in einem großen Projekt mit großen Tesla arbeiten. Sie haben große Energiespeicher und optimieren ihren Energiemix, indem sie Erneuerbare Energien nutzen, sie einspeichern und damit Kühlhäuser und Kellereibetriebe betreiben. Wir als Messe Düsseldorf nutzen die anderen Industriemessen, um dort die Aussteller davon zu überzeugen, dass sie Speicher brauchen und dass sie hier her kommen müssen, um diese großen Speicher und eine spezifische Lösung zu finden.

Eigentlich müssten sie ja nicht mit der Idee kommen, sie brauchen einen Speicher, sondern mit der Idee, sie brauchen eine Lösung für ihre Energieversorgung.

Wir versuchen sie so weit vorzubereiten, dass sie das schon wissen und dass sie erkennen, dass es sich um ein neues Geschäftsfeld handelt, mit dem sie ihre Energieversorgung im Betrieb optimieren können. Wir legen ihnen nahe, dass sie hier die Experten finden, die ihnen Lösungen bieten können.

Bisher haben viele Industriekunden noch gezögert, in Speichersysteme zu investieren. Hier auf der Messe habe ich von dem, was die Speicheranbieter sagen, den Eindruck, dass sich das gerade ändert. Stimmt das?

Ja, wir bekommen ein gutes Feedback. Die Firmen haben ein Interesse. Zum Beispiel aus dem Bereich Druckerei. Zu ihnen haben wir einen Zugang über unsere Messe Drupa (Messe für Druck, Papier und digitale Produktion). Oder über die Interpack (Messe für Verpackung, die Red.) oder die K (Messe für die Kunststoff- und Kautschukindustrie, die Red.). Das sind jeweils die Weltleitmessen für diese Branchen. Wir sprechen mit den großen Unternehmen, die große Werke haben. Von ihnen hören wir, dass sie viel Fläche haben und auch schon oft Photovoltaik nutzen. Oft speisen Sie den Solarstrom ein. Sie sagen, dass es ihnen teilweise noch nicht so viel bringt und dass sie die Photovoltaik durch Speicher besser nutzen können. Zum Beispiel, um nachts im Mehrschichtbetrieb immer noch über Erneuerbare Energien zu nutzen. Wir wollen die Hersteller der Maschinen überzeugen, die Maschinen so zu bauen, dass sie kompatibel mit den erneuerbaren Energien sind. Sie können sich hier auf der Messe Partner suchen, mit denen Sie dann Projekte für zum Beispiel Druckereien durchführen können.

Sehen Sie noch andere große Trends?


Zum Beispiel eine zunehmende Internationalisierung. Wir hatten letzte Jahr Besucher aus 48 Nationen, dieses Jahr sind es 56. Es ist kein deutscher Markt mehr sondern ein weltweiter Markt. Jedes Land hat sein spezifisches Problem und in jedem Land wird für ein anderes Problem eine Speicherlösung benötigt. Das ist auch ein Grund, warum wir in verschiedenen Kontinenten mit der World of Energy Storage unterwegs sind. In China gibt es zum Beispiel viele abgelegene Regionen, wohin es sich nicht lohnt, Leitungen zu legen. Genauso in Indien. Diese Regionen versorgen sich selber, brauchen aber auch nachts Strom.

Wo sind Sie überall?

Wir sind in San Diego im fünften Jahr, in Tokio im vierten Jahr, in Peking im vierten Jahr und in Indien sind wir im Jahr 2017 wieder in Mumbay. Dort alternieren wir zwischen Delhi und Mumbay und sind auch im fünften Jahr. Wir veranstalten die World of Energy Storage in den Ländern, in denen wir Tochtergesellschaften haben, damit wir durch unser eigenes Personal vor Ort überall die gleiche Qualität gewährleisten können. Wir nehmen aber auch immer die Fachexpertise der nationalen Speicherverbänden vor Ort dazu, die immer mit uns die ideellen Träger sind. Oder Partner wie Strategen, mit denen wir die Energy Storage North America zusammen organisieren, oder wie Custumized Energy Solutions, mit denen wir die Veranstaltung in Indien ausrichten. Wir haben überall ein ähnliches Konzept, das Community Building beinhaltet. Salopp gesagt fährt man einfach zum nächsten Familientreffen und trifft dort neue Leute, die andere Probleme lösen wollen.

Nehmen Sie die Aussteller mit?


Wir geben den Ausstellern die Möglichkeit, mit einem Ansprechpartner die ganze Bandbreite abzudecken. Wir haben ein Vetriebsnetz in 134 Ländern mit Ansprechpartnern vor Ort, die auch die lokalen Märkte verstehen und erklären können, weshalb man sich die Messen anschauen sollte. Wir haben einige Aussteller wie Samsung, Leclanché und Siemens, die mit uns auf verschiedenen Veranstaltungen der Energy Storage sind. Wir sehen, dass viele der Unternehmen weltweit aktiv werden.

Das trifft ja vor allem für die Großspeichersysteme zu. Bei den Hausspeichersystemen sieht es ja etwas anders aus. Wir haben im Vorfeld gemerkt, dass ein Teil der Firmen zu ihnen kommt, ein anderer Teil aber auf die Light and Building geht, die zeitgleich stattfindet. Wollen Sie das Geschäft auch zu Ihnen ziehen?

Was die Speicher angeht, ja. Unser Fokus liegt ganz klar auf der großen Skalierung und Systemdienlichkeit der Technologien und der Industrie. Die Hausspeicher gehören aber dazu. Viele Produzenten, die große Speicher konstruieren können, können auch kleine Speicher bauen. Mit der Light and Building haben wir dieses Jahr eine komplette Überschneidung. Einige Aussteller haben gesagt, wir würden gerne zu Euch kommen. Wenn ihr nicht parallel seid, können wir uns beide Messen vorstellen. Es ist nicht ein entweder oder und auch von diesem Segment werden wir als Plattform für Vertrieb und Marketing wahrgenommen. Wir sehen auch, wie unsere Wettbewerber hier Akquise machen. Das zeigt, dass wir ernst genommen werden, ein Benchmark darstellen und für die Entscheider eine relevante Plattform sind, die in der Branche die größte Internationalität hat.

Das Gespräch führte Michael Fuhs

Die nächsten Termine der Energy Storage Europe liegen bereits fest: 14.3.-16.3.2017, 13.3.-15.3.2018, 12.3. – 14.3. 2019.

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